Hot Hot Heat – Das Abschiedsalbum

Die gibt es noch?

Gestern philosophierte ich mit einer Bekannten über aktuelle Musik. Natürlich aus der Sicherheit des heimischen Sofas heraus. Als das leidige Thema der Musik der „Generation Y“ zur Sprache kam, Musik des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts, kam sie mir mit der Post-Punk-Bewegung und nannte irgendwann auch beiläufig „Hot Hot Heat“ und wie schade es sei, dass seit 2010 von der Band nichts Neues mehr zu hören sei.

Aber oh contraire, mon cher! Da ist doch jetzt gerade… Ein Griff ins Regal und die Suche beginnt. Nach nur 25 Minuten wilden Herumfluchens und böse die CD Stapel Anstarrens hatte ich das Album auch schon gefunden. Sachichdoch! Hot Hot Heat bringen gerade ein neues Album heraus, ihr fünftes und letztes, das sie nach sich selbst benennen: Hot Hot Heat. Da ich von Post Punk total die Ahnung habe (habe ich nicht), wurde ich erstmal darüber aufgeklärt, dass Hot Hot Heat „damals“ richtig geiler Scheiß waren, weil sie gegen den Strom der Szene geschwommen sind. Wo sich die Szene in Düsternis (Richtung Joy Division) austobte, war bei Hot Hot Heat total Party angesagt.

Die ersten beiden Alben der Band waren einfach nur toll, sagt meine Bekannte. Allerdings blieb die Band irgendwie in ihrer Entwicklung stecken, während sich die Welt weiter drehte. Dance Punk (bis gerade wusste ich nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt bzw. gab) geriet aus der Mode, die Musik wandelte sich, doch Hot Hot Heat blieben dabei. Das jetzt erscheinende Hot Hot Heat ist der Schlusspunkt der Band. Es ist das Abschiedsalbum der Band.

Retrospektive

Hot Hot Heat JustJashDas Album Hot Hot Heat ist ein Rückblick auf die Musik der Band Hot Hot Heat und was ihre Musik aus(ge)macht (hat). Obwohl ich mit Punkmusik nicht unbedingt eng befreundet bin, verstehe ich, dass diese Spielart des Punk durchaus was für sich hat. Die Partystimmung ist klasse und griffig. Der Funke springt sofort über. Das Album ist eine Reise in die Vergangenheit und weckt ganz viele Erinnerungen an „damals“, an Bands (Strokes, The Killers, The Clash, Oomph) und Abende, die ich glaubte vergessen zu haben.

Hot Hot Heat

Das Album macht erstaunlich viel Spaß. Es hat uns an diesem Abend sehr viel Spaß gemacht, weil es für eine Menge Gesprächsstoff sorgte. Die „Ach weißt Du noch?“ Momente waren kaum zu zählen. Das Album ist bemerkenswert gut eingespielt und hat mir bewiesen, dass es durchaus mehr als einen Punkmusiker gibt, der sein Instrument wirklich beherrscht und dass es im Punk auch Sänger gibt, die mehr können, als nur rumzuschreien. Schon alleine deshalb war dieses Album für mich eine Bereicherung.

Das Album ist dennoch ein für meinen Geschmack ein etwas zu sehr Retro orientiertes Album. Es ist klasse und macht Spaß, wenn man sich in Erinnerungen austoben möchte. Vor zehn Jahren hätte das Album bei mir bestimmt andere Knöpfe gedrückt. Davon abgesehen vermittelt Hot Hot Heat einen Eindruck über die Musik der Band, der einen Hauch des eben nicht Perfekten anhaftet und dennoch „genau so“ in sich stimmig ist. Eine musikalische Retrospektive, der auch eine gewisse Traurigkeit und Melancholie anhaftet.

Hot Hot Heat JustJash 6Mit ihrem letzten Album erinnert die Band an ihre eigenen Erfolge, zelebriert ein letztes Mal das, was die Band früher erfolgreich gemacht hat. Das Album ist total „catchy“. Die Melodien verfangen sofort und machen Spaß. Wenn man mir gesagt hätte „dieses Album ist von 2005“ hätte ich das sofort geglaubt. So gesehen ist es ein wenig ein Revival-Album, das Fans der Band und jener Zeit wahrscheinlich zurecht total feiern werden.

Hot Hot Heat – Hot Hot Heat erscheint am 24.06.2016 bei Kaw-Liga Records / rough trade

Offizielle Webseite der Band Hot Hot Heat (Facebook)

Hot Hot Heat – Kid Who Stays In The Picture

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