Intent:Outtake – Eclipse, so schön kann Schmerz sein

Intent:Outtake und Polyprisma

Die Geschichte von Intent:Outtake und Polyprisma geht schon eine Weile. Wir folgen dem Projekt aus Leipzig schon, seit damals 2015 DJ Mono.Ton Frank auf das Debütalbum Wake Up Call aufmerksam machte. Der gab diesen damals noch Geheimtipp an mich weiter, und so verfolgten wir die Discographie dieses Duos quasi live und in Farbe. Erst eine EP 2015, dann folgte ein Jahr später das großartige Album About Halos. Und jetzt eine EP – Eclipse.

Die EP Eclipse

Als Rezensent habe ich immer gemischte Gefühle bei Kurzplayern oder gar Singles. Denn der Arbeitsaufwand dahinter ist der gleiche – aber irgendwie ist das ja „gar kein Album“. Aber bei dieser Band ist es eigentlich keine Frage, und so werf‘ ich Eclipse in den Player. Zeit für den ersten what the fuck-Moment: Mein Player erzählt mir was von über 58 Minuten Spieldauer. Eine Stunde Musik – das nennen andere Bands ein Album. Nun, Intent:Outtake nennt es Eclipse, und bei näherer Betrachtung verstehe ich, was Andreas Engleitner und Bastian Polak dazu bewegt hat, es als EP herauszugeben, und das ist überaus fair. Denn Grundlegend geht es auf Eclipse um drei neue Tracks – eben das Titellied, 100 Hertz Schmerz und dann noch Es Tobt In Mir. Und dazu ein ganzer Haufen Remixes – aber auch von älteren Stücken, so dass der Hörer am Ende mit einem Dutzend Tracks verwöhnt wird.

Und wo Intent:Outtake „damals“ bei Neustart ihr Augenmerk noch sehr extrem auf einen Song gerichtet hat, ist es hier ausgeglichener: 2 Remixes und zwei Versionen des Titelsongs, das wirkt nicht überladen – diese Scheibe kann man problemlos am Stück hören.

Finster?

Eine Eklipse beschreibt das Verdecken eines Himmelskörpers durch einen anderen. Diesen sehr trockenen Satz kann man viel einfacher zusammenfassen: Sonnen- oder auch Mondfinsternis. Damit fügt sich auch dieser Albumtitel nahtlos in die nahezu postapokalyptische Namensgebung der bisherigen Veröffentlichungen des Duos ein.

Hören wir also rein (okay, ich geb‘ es zu: Mittlerweile hab ich es schon gehört – hören wir also noch einmal rein). Ja, ein Klang, wie man ihn erwartet. Angesiedelt zwischen düsterem Synth-Pop, Dark-Wave und den melodischeren Spielarten des Industrial, mit klaren Vokals und einer sehr gelungenen Verwebung von Voice und Instrument. Der gewohnte Standard, so soll es sein.

Aber, jetzt mal so zwischen uns, Bastian, Andreas: Wer von euch beiden hat Liebeskummer? Diese Stunde Musik… wie schreib ich das? Also dieses Album ist das, was läuft, wenn Dein bester Kumpel Dich anruft und nur sagt „Es ist aus.“ und Du setzt Dich aufs Rad, fährst hin, holst an der Tanke ’ne Flasche Whiskey (nicht den besten, denn da ist ja nichts zu feiern, und das Geld ist eh knapp) und setzt Dich wortlos zu ihm auf die Terrasse. Das ist, was läuft, wenn man den Abend schweigt, den Whiskey leer macht, und irgendwann, mittendrin, sagt nur einer „Ist doch Scheiße.“ Und dann fährst Du irgendwann im Morgengrauen wieder und die Welt ist wieder ein kleines Stück besser. Das ist Eclipse – dunkel, voller Schmerz, aber wundervoll melodischer Schmerz – nicht nur in den neuen Liedern, sondern auch in der Auswahl der Remixes.

Ist doch Scheiße – aber die Musik zum Glück nicht.

Intent:Outtake – Eclipse erscheint am 2.06.2017 bei Sonic-X (Altone Distribution)

Webseite Intent:Outtake (Facebook)

INTENT:OUTTAKE – Eclipse – Single Edit (2017)

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