Janet Jackson – Unbreakable

Wo warst Du die ganze Zeit?

“Yo, wie is’?” Spontaner Reflex auf die Begrüßung “Hallo, lange nichts gehört!” Ein Wiedersehen, nein, Wiederhören nach …oh Gott… wie lange ist das her? War das echt ’86? Kann nicht. Oder? Doch, es kann. 1986 war “Control” und das ist heute genau 29 Jahre und acht Monate her. Dreißig Jahre. Dreißig! Ich kann es kaum fassen. Wo sind die Jahre hin? Mein erster Kontakt mit Janets neuem Album Unbreakable ist wie ein Wiedersehen nach einer Ewigkeit: “Was hast Du gemacht in der ganzen Zeit? Erzähl!”

Und Janet erzählt, redet sich alles von der Seele, nimmt Bezug auf andere Alben und zwischen den Zeilen erzählt sie mehr, als sie sagt. Unsere musikalischen Welten hatten wenige Berührungspunkte in den letzten Jahren, leider. Discipline, zum Beispiel, hat mich ehrlich enttäuscht. Doch Janet nimmt mir das nicht übel, im Gegenteil, denn jetzt, mit Unbreakable, treffen wir uns ja wieder! Zusammen haben Janet Jackson und ich eine wundervolle Zeit. Es ist, als wäre seit damals keine Zeit vergangen, oder zumindest nicht so viel, wie wirklich vergangen ist.

Unbreakable

Janet Jackson – Unbreakable ist genau so, wie Janet immer sein sollte: irgendwie Zeitlos, mal ein wenig gehaucht, mal unglaublich erotisch, stets feminin, gefühlvoll. Es ist ein Album wie ein Zirkelschluss. Eine schwer zu beschreibende Lebensfreude aber auch Lebenserfahrung strahlt aus dem Album. Janet ist in all den Jahren authentischer geworden, ihre Stimme ist gereift, hat mehr… nun ja… mehr Frau. Das Album ist wundervoll produziert. Es hat hier eine Ahnung der Zellophan-Atmosphäre der ’90er, da eine Schippe Funk, doch stets mit einem Gefühl von Seide und Satin und ganz viel Wärme und Herz.

Unbreakable überzeugt mich vom ersten Ton an, holt mich ab und mich nimmt mit. Es könnte beinahe eine Zeitreise sein, doch ist da noch etwas anderes, dass früher so nicht da war. Immer wieder ist da diese liebevolle Traurigkeit in der Musik, die dieses Album zu etwas Anderem, zu einem besseren Album macht. Es gibt Ihrer Musik etwas, das mit Worten nicht zu erklären ist, weil man es nur fühlen kann.

Für Unbreakable holt sich Janet Jackson gerne Unterstützung hinzu. Die Produzenten Jimmy Jam und Terry Lewis, die schon bei “Control” mit ihr zusammengearbeitet haben, waren auch wieder bei Unbreakable dabei. Auch auf der anderen Seite, am Mikrofon, sind altbekannte Namen gern gesehene Gäste: Missy Elliott und J Cole leisten Janet Jackson Gesellschaft.

Liebeserklärung an eine Epoche

Unbreakable von Janet Jackson ist eine Liebeserklärung an eine musikalische Epoche, die viele heute nicht kennen oder behaupten nie gekannt zu haben. Es ist eine zarte und trotzdem kraftvolle Huldigung einer Musik, die ich fast vergessen habe, die mich aber nach all den Jahren noch immer erreicht, viel stärker und viel emotionaler, als ich es jemals erwartet hätte. Lawinen von Erinnerungen brechen mit nahezu jedem Song los, legen Verborgenes und vergessen geglaubtes frei, doch stets behutsam, immer mit diesem ganz speziellen Janet-Touch, wie die sanfte Berührung einer großen Schwester, die ganz genau weiß, wie Du Dich fühlst.

Janet Jackson – Unbreakable ist erschienen am 02.10.2015 bei Rhythm Nation / BMG / Warner

Offizielle Webseite von Janet Jackson

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