Jean-Michel Jarre – Oxygene 3

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Kurz vor dem 40. Jubiläum des damals bahnbrechenden Albums „Oxygene“ (ja, das war wirklich im Dezember 1976) und kurz vor dem 20. Jubiläum von „Oxygene 7-13“ (1996), veröffentlicht der französische Komponist, Musiker und Produzent Jean-Michel Jarre „Oxygene 3“. Offenbar hat Jean-Michele gerade einen kreativen Lauf, denn erst vor kurzem brachte er schon die sehr umfangreichen und bemerkenswerten Alben „Electronica 1: The Time Machine“ und „Electronica 2: The Heart Of Noise“ heraus. Vielleicht dachte er sich „wenn man schon mal dabei ist…“ und nahm in nur sechs Wochen den dritten Teil von Oxygene auf.

Oxygene brach damals in ein musikalisches Niemandsland und machte minimalistisch-elektronische Musik ohne Perkussion salonfähig und kommerziell erfolgreich. Oxygene 3 dagegen steckt in der schwierigen Situation, dass elektronische Musik heute ganz anders besetzt ist. Spätestens seit Musikern wie Trent Reznor (Nine Inch Nails), Richard David James (Aphex Twin), Rob Brown und Sean Booth (Autechre) sind heute die Grenzen des Genres an ganz anderen Fronten zu suchen – und zu finden.

Jean-Michel Jarre weiß das und versucht gar nicht erst, in diese Regionen einzudringen. Vielmehr versucht er, basierend auf Oxygene und Oxygene 7-13 seine musikalischen Ideen von damals weiterzudenken. Schon das Cover (angelehnt an, aber nicht von Michel Granger) soll zeigen, dass sich die Welt weiter gedreht hat. Die Grundstimmung des Albums erinnert schon an das ursprüngliche Oxygene, aber die Unterschiede sind gravierend, zuweilen wagt sich Jarre gefährlich nah an Trance und Dancefloor heran, was nicht jedem gefallen dürfte.

Oxygene 3 – Genauso, nur ganz anders

Jean-Michel Jarre Oxygene 3 02 Studio Photocredit Louis HallonetAllerdings ist diese Nähe gewollt und beileibe keine Anbiederung. Im Gegenteil. Jarre zeigt, wie er die Musik weiterdenkt, dass die heute genretypischen Samples unnötig sind, um eine greifbare Stimmung zu erzeugen. Diese Stimmung ist eher ruhig und nachdenklich, ein wenig schwebend, treibend. Oxygene 3 passt in keine der üblichen Playlists, wie auch schon Oxygene nicht wirklich zur damals üblichen Musik passte. Es ist auf seine Art sperrig und gleichzeitig gefällig, aufwühlend und beruhigend.

Oxygene 3 verweist immer wieder auf seine beiden Vorgänger, zeigt immer wieder in andere Richtungen und passt doch ziemlich genau dazu. Es ist moderner, anders. Oxygene 3 kommt nicht ohne perkussive Beats aus, kann aber doch durch bemerkenswert dichte Soundkonstruktionen überzeugen, die auf ihre Art, trotz aller „irgendwie kenn ich das doch“ Gefühle, wieder neu sind.

Zweifel und Überzeugung

Jean-Michel Jarre Oxygene 3 01 Sky Photocredit Louis HallonetAll das soll nicht darüber hinweg täuschen, dass Oxygene 3 ein großes Erbe antritt und versucht an einem Erfolg anzuknüpfen, der so kaum zu wiederholen sein dürfte. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet habe, aber irgendwie habe ich nicht das erwartet, was Jarre abgeliefert hat. Es ist tolle Musik, kreativ und inspirierend, keine Frage. Auch dürfte dieses Album vielen Nachwuchselektromusikern zeigen, wo der Hammer hängt. Aber irgendwie… so richtig zündet es bei mir nicht. Vielleicht habe ich mehr erwartet oder vielleicht habe ich die Musik von „Oxygene“ für mich selbst anders weitergedacht, doch so richtig begeistert mich das Album nur stellenweise aber leider nicht durchgehend.

Auf der einen Seite gefallen mir die wunderschön dicht verwobenen Soundebenen, die herrlich schnarrenden Synthie-Passagen und die aus sich selbst heraus eine treibende Eigendynamik entwickelnden Songs wie zum Beispiel „Oxygene 17“ oder die Mitte von „Oxygene 19“. Aber insgesamt fehlt mir was. Ich kann wirklich nicht sagen, was mir genau fehlt. Vielleicht ist mir das Album zu retro, oder zu wenig Avant Garde, oder zu ähnlich, oder ich bin gerade in der falschen Stimmung oder vielleicht verstehe ich Jarre auch einfach nicht. Alles möglich. Ein Bekannter, dem ich das Album vorgespielt habe, war hin und weg davon.

Qualitativ ist Oxygene 3 wirklich gut. Es ist eine Ergänzung zu den beiden Vorgängern und vielleicht sogar ein Abschluss der Reihe und es ist musikalisch wie technisch rundum gelungen. Sich das Album in den Schrank zu stellen ist definitiv ein Muss für Fans von Jarre, als Einstiegsalbum in seine musikalische Welt eignet es sich eher nicht, weil es zu viel voraussetzt.

Jean-Michel Jarre – Oxygene 3 ist erschienen am 02.12.2016 bei Sony Music

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Jean-Michel Jarre – Oxygene, Pt. 17

(Bilder: Louis Hallonet)

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