John Dear – Far Down the Ghost Road

Jo wos is jetz des?

Wie viele Bluesrock Bands kennst Du? Vier? Fünf? Wie viele dieser Bands spielen ohne Bass? Und wie viele Bluesrock Bands aus der Schweiz kennst Du, die keinen Bass benutzen? Spätestens jetzt geht es Dir wie mir. Das Duo John Dear aus Lausanne in der Schweiz tritt mit Far Down the Ghost Road an, um Bluesrock mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang zu machen. Ohne Bass. „Das kann ja gar nicht gehen!“ war auch meine erste Reaktion. Rock Duos, ok, da gibt es einige: White Stripes, Indigo Girls oder Black Keys zum Beispiel. Aber Bluesrock ohne Bass? Da fällt mir aus dem Stand keine Band ein.

Far Down the Ghost Road

Kein Bass? Kein Problem! John Dear braucht keinen Bass. Ein Sound, so erdig, verrucht, roh und brachial, dass es eine wahre Freude ist. Guillaume Wuhrmann und Catia Bellini beweisen mit „Far Down the Ghost Road“, dass weniger eben doch mehr sein kann. Bodenständig, „down to earth“ rockt das Album. Roh und wuchtige knallen die Songs, destillieren eine Essenz von Rock, die Dich direkt in das Zentrum eines musikalischen Vulkans versetzt.

John Dear 3 by Seb Kohler Far Down the Ghost RoadDen Songs dampft der Rock aus allen Poren. Es groovt höllisch, wenn John Dear ihren Roadtrip zelebrieren. Jeder Song greift in andere Kisten, zeigt die beachtliche Vielseitigkeit der Band auf andere Art. Mal werden Bläser hinzugeholt, mal mehrstimmige Backgroundsängerinnen. Hier ist der Sound etwas Psychedelisch, da minimaler Bluesrock, dort Stoner Rock. Das Tempo ist mal schweißtreibend, mal atmosphärisch instrumental. Dabei bleibt die Band mit dem, was sie macht, stets authentisch, versucht nicht mehr zu sein als das, was sie ist und das macht ihre Musik unglaublich sympathisch.

Die Musik ist phänomenal und packend. Far Down the Ghost Road zeigt, dass Rock Fassetten hat, die im Mainstream gerne in Vergessenheit geraten. Dieses Album ist der lebende Beweis dafür, dass es nicht so viel braucht, um ein hervorragendes Album zu machen. Die Qualität des Albums ist überragend und braucht Vergleiche nicht zu scheuen, gerade weil die die Band in ihren Songs aus so wenig so viel macht ohne sich zu verzetteln.

John Dear 2 by Seb Kohler Far Down the Ghost RoadGradlinig, irgendwie Retro und doch frisch und modern. Dominiert von angenehm kantig-rotzigen Gitarren, begleitet von mal wuchtig präsentem, mal dezent im Hintergrund tänzelndem Drumsound. Minimal instrumentiert klingen die Songs genau so, wie ein verräucherter Club klingen soll. Klarer Gesang, schnörkellos gespielte Instrumente, saubere Umsetzung der manchmal etwas schrägen Ideen und gefühlvolle Interpretation zeichnen die Musik aus und erinnern daran, dass es gar nicht so viel braucht, um hervorragenden Rock zu machen.

John Dear – Far Down the Ghost Road erscheint am 26.03.2016 bei Irascible / Cargo Records

Offizielle Webseite von John Dear

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(Fotos: Seb Kohler)

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