Juno Reactor – The Golden Sun Of The Great East

Es war die Zeit, in der Partys noch Sexappeal hatten. Elektronische Musik war noch überwiegend das Metier ausgelassen guter Laune und Lebensfreude und nicht das schwarz gekleideter Miesepeter. Cocktails wurden noch aus richtigen Gläsern und nicht aus Fingerhüten getrunken und echter Rum kam aus der Karibik. Es war die Zeit von Mayday, Loveparade, Katrin und Bianca, in der ich das Juno Reactor kennen lernte. Der Fluke Hang ‘Em Hig Remix von Pistolero ist auch heute noch, 14 Jahre später, einer meiner Allstars. Juno Reactor sind noch immer aktiv und veröffentlichen ihren inzwischen achten Langspieler seit 1993.

Aber auch die, die nicht so sehr dieser Musik zugeneigt sind, kennen Juno Reactor sehr wahrscheinlich. Zusammen mit Don Davis hat dieses Projekt den Soundtrack zu “The Matrix” komponiert. Und den kennt nun echt jeder. The Golden Sun Of The Great East heißt das Album. Es ist für mich ein wunderbarer Flashback; alles ist wieder da: Die Bilder, das Licht, die Stimmung, die Vibes – bei den Moves hakt es allerdings etwas. Man ist eben doch keine zwanzig mehr. Juno Reactor hingegen machen immer noch großartige Musik für große Anlagen. Das ist nichts für die 2 Watt Plaste-Brüllwürfel. Auch diesem Album ist deutlich das Cineastische, das wuchtige, das Große anzumerken.

The Golden Sun Of The Great East will laut gehört werden. Dies ist Musik für Nachbarn – von gegenüber. Der sperrige Name des Albums ist Programm: Neben dem gewohnten Trance-Beat-Tracks ist ein gehöriger Schuss “Ethno” und “World” dabei. Inklusive des gewohnten Pathos. Genau wie früher, aber eben auch genauso so gut! Das gefällt. Es ist gerade die Verbindung aus Ethno- und World-Einflüssen und dem Cineastischen, der mich fasziniert. Schwere, wuchtige Beats mit leichten, fast schwebenden Instrumenten. Getragene Sounds. Schwebende Klangwolken. Exotische Instrumente. Dazu Gesangsstimmen, die zum Träumen einladen. Shine und Playing With Fire seien beispielhaft hervorgehoben. Aber auch die kellertiefen Bassfundamente solch großartiger Songs wie Tempest oder Final Frontier, auf denen sich Gebirge aus Sound und Klang auftürmen, Loop um Loop, treffen genau auf den Punkt.

The Golden Sun Of The Great East ist auf jeden Fall ein Album für Fans elektronischer Musik. Man sollte allerdings auf Stoff von Leuten stehen, die wissen, was sie da tun: Songs wie Tempest neigen sich eher in die Richtung “Robot, Harlequin and the Balletdancer” und weniger in Richtung eines “How much ist he fish”. Wer Kindergarten- oder Kirmestekkno will, sollte hiervon die Finger lassen.

Juno Reactor – The Golden Sun Of The Great East erscheint am 03.05.2013 bei Planetworks /Metropolis Records (ZYX)

Offizielle Webseite der Band

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