Karmakanic – DOT

Gedanken mit Abstand

Jonas Reingold, Gründer der Band Karmakanic, nennt für das Album „DOT“ Carl Sagan und dessen Buch „Pale Blue Dot: A Vision of the Human Future in Space“ („Blauer Punkt im All. Unsere Heimat Universum“) als Quelle der Inspiration. Der „Pale Blue Dot“ ist jener unscheinbare, blass-blaue Punkt auf einem Foto, dass Voyager 1 1990 aus einer Entfernung von mehr als 6 Milliarden Kilometern von der Erde machte. Die Erde nimmt auf dem Foto lediglich 12% eines einzelnen Bildpunktes ein.

Dieses Foto macht deutlich, wie klein und unscheinbar wir sind, verglichen mit der unfassbaren Größe des Universums. Diese Feststellung ist klischeebeladen und es wurden wahrlich genug Texte darüber verfasst, wer wir sind, wohin wir gehen, warum wir hier sind und so weiter. Für Jonas Reingold war die sachliche Darstellung Carl Sagans nie ein Klischee.

„Look again at that dot. That’s here. That’s home. That’s us. On it everyone you love, everyone you know, everyone you ever heard of, every human being who ever was, lived out their lives. The aggregate of our joy and suffering, thousands of confident religions, ideologies, and economic doctrines, every hunter and forager, every hero and coward, every creator and destroyer of civilization, every king and peasant, every young couple in love, every mother and father, hopeful child, inventor and explorer, every teacher of morals, every corrupt politician, every ‘superstar,’ every ‘supreme leader,’ every saint and sinner in the history of our species lived there–on a mote of dust suspended in a sunbeam.“
Carl Sagan

Dieser kleine Bildpunkt ist unsere Welt, unser zu Hause, alles, was wir kennen und haben. Es ist der Ort unserer Hoffnungen und Träume, Ziele und Anstrengungen. Ausgehend von dieser Überlegung schrieb Jonas Reingold das zweiteilige Stück „God The Universe And Everything Else No One Really Cares About“. Diese beiden Songs ergänzte er und so entstand das Album DOT.

DOT: Musik und Erzählung

Karmakanic PressefotoDie Musik ist offen und fragend. Sie erinnert immer wieder an Filmmusik und ist instrumental in sich bereits eine Erzählung. Sie wandert zwischen einsam, verloren wirkenden und dicht komprimierten Passagen auf einem Fundament von kräftigen Bassläufen. Die filmische Wirkung wird durch den häufig erzählerischen Gesang verstärkt. Karmakanic benutzt dabei einen Retro-Stil, der sich zwischen beinahe Jazz und Folk bis hin zum Pop bewegt. Die wahre Größe spielt DOT aber besonders in den epischen Passagen voll aus. Dabei gefällt mir besonders, dass einerseits Wert auf die Erkennbarkeit von Handarbeit gelegt wurde, andererseits aber die Komplexität nicht übertrieben wurde.

Die Stärke des Albums entsteht auch durch die Spannung zwischen dem Gefühl von Einsamkeit und Leere auf der einen und der kompakten Dichte auf der anderen Seite. Die Musiker spielen traumhaft gut und ergänzen sich gegenseitig perfekt. Die Lyrics mögen vielleicht nicht auf allerhöchsten Niveau sein, aber sie stellen (indirekt) die richtigen Fragen und gehen nicht auf die Nerven. Die freigestellten Einzelinstrumente ermöglichen einen schönen Blick auf die Kompositionstechnik und die Themen, die die Band verarbeitet. Gerade dadurch wird erkennbar, dass jede Komponente einen Zweck hat und wie sich das alles zusammenfügt. Karmakanic – DOT ist ein schönes und durchaus ein starkes Album. Für Hardcore Progressive Fans ist es vielleicht etwas zu seicht, aber gerade dadurch ist es für andere sehr zugänglich. Insgesamt stimmt hier alles und begeistert, schon wegen des epischen „DOT / God“, das für sich alleine genommen bereits die Anschaffung des Albums beinahe zu einer Notwendigkeit macht.

Karmakanic – DOT erscheint am 22.07.2016 bei Inside Out / Sony

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KARMAKANIC – God the universe and everything else no one really cares about, Pt. I (Lyric Video)

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