Katatonia – The Fall of Hearts

Progressive Dunkelheit – Enhanced Edition

Seit Dead End Kings steht Katatonia nicht nur bei mir hoch im Kurs. Mich hat das Album damals sehr fasziniert. Die aus Schweden stammende Band zeigte mir eine musikalische Welt, die ich so noch nicht kannte. Sicher, Progressive Rock kannte ich schon vorher, auch in seinen verschiedenen Spielarten, mal näher am Metal, oder Psychedelic oder Post Rock. Das Besondere an der Musik von Katatonia war für mich diese in dieser Art von Musik vorher so nicht bekannte Dunkelheit.

Katatonia hat in den Jahren seit Dead End Kings einiges ausprobiert, besonders mit Dethroned & Uncrowned (2013) lotete die Band die Grenzen der eigenen Musik aus. Dazu kamen eine umfangreiche Welttournee und personelle Wechsel innerhalb der Band, bis schließlich Anfang November 2015 ein neuer Drummer und ein neues Album angekündigt wurden. Jetzt, Mai 2016, ist das neue Album da: The Fall of Hearts.

Die Band hat ihren Stil ausgearbeitet, verfeinert. Der Stil ist offener geworden. Die Band hat sich eine musikalische Freiheit erarbeitet, die ihrer Musik mehr Raum und mehr Ausdruck ermöglicht, ohne den Stil zu verfremden. Die Band klingt reifer, gefasster, gleichzeitig aber auch erfahrener. Der Sound ist runder geworden, stimmiger und auch dichter. Die Band nutzt die neu gewonnene Freiheit und verwendet die Spielarten des Progressive Rock für sich klarer und differenzierter. Wenn man so will, ist Katatonias Metal „metalliger“ geworden, das Psychedelische „psychedelischer“.

Die Dunkelheit hat in der Musik der Band Schattierungen von Schwärze gewonnen, die klarer hervortreten, klarer als zuvor artikuliert werden, mal wütend, mal trauernd, mal depressiv, mal einfach nur stechend kalt – und das alles durchsetzt vom Chaos eines Amok laufenden Geistes in den Tiefen seiner Existenz. Leichte Kost? Gefällig seicht kritisierende Moralisierung vom Sofa? Nein, das gibt es hier eher nicht. Kostprobe gefällig?

The vapor of old love
Will transfigure through a veil of clarity
I sense my grave way below the mire
(Katatonia, Old Hearts Falls)

Die Wucht mancher Textzeile erschließt sich erst dann, wenn die Implikationen zu Ende gedacht werden und in Deinem Kopf ihren Anschluss finden, wie zum Beispiel:

I become the one you haven’t seen for years
(Katatonia, Serein)

Qualitativ und musikalisch ist The Fall of Hearts ein deutlicher Fortschritt, der allerdings auch bedeutet, dass die Musik anspruchsvoller geworden ist und manchen vielleicht überfordern kann: The Fall of Hearts ist kein leichter Stoff, denn inhaltlich befasst sich die Band mit den Themen zwischen Herbst und tiefstem Winter der Seele.

Katatonia schlägt eine Brücke zu Stimmungen und Sounds, die an Bands wie Amorphis und Opeth erinnern, musikalisch aber anders aufgebaut und austariert sind. Die Intensität der Melancholie entwickelt immer wieder eigene Dynamiken. In den Songs drückt die sich immer wieder anders und unerwartet aus und reißt den Zuhörer einem Thriller gleich mit, dem man sich nicht entziehen kann, obwohl die erzählte Geschichte alles andere als durch ihre Schönheit und auch auf ein zu Happy End wartet man vergeblich.

Katatonia – The Fall of Hearts erscheint am 20.05.2016 bei Peaceville / Edel

Offizielle Webseite von Katatonia

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Katatonia The Fallen Hearts of Europe Tour 2016

27.09.2016 Täubchenthal Leipzig
28.09.2016 Batschkapp Frankfurt
30.09.2016 Live Music Hall Köln
02.10.2016 Huxleys Neue Welt Berlin
25.10.2016 Markthalle Hamburg

Katatonia – Serein (lyrics video) (from The Fall of Hearts)

KATATONIA – THE FALL OF HEARTS includes additional bonus tracks teaser

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