Kimbra – Vows: Aber morgen, Kimbra, versprochen!

Manche Alben entwickeln ein Eigenleben, bekommen eine ganz eigene Geschichte, die ich damit verbinde. Vows von Kimbra ist für mich in dieser Hinsicht ein sehr spezieller Fall. Vor einiger Zeit hörte ich einen Promo-Track und war direkt hin und weg. Diese Stimme… Wahnsinn. Also fordere ich den Tonträger an und wenige Tage darauf liegt er auf dem Tisch. Ab in den Player damit und sofort bin ich gefangen von der samtig-relaxten Lounge-Stimmung, die Kimbra mit ihrem Album verbreitet.

Noch bevor „Settle Down“, der Opener von Vows, diese großartige Kombination aus Big-Beat, Breaktbeat und unendlich viel Soul, zu Ende ist, klingelt das Telefon. Das Lektorat möchte eine Rezension besprechen. Na toll, die Stimmung ist weg. Einige Stunden später der nächste Anlauf. Gerade mache ich es mir mit einem Cocktail gemütlich und höre mich in die Scheibe hinein, entführt Kimbra mich mit „Something In The Way You Are“ auf eine wundervolle Traumreise, klingelt es an der Tür. Die Verabredung, die ich vollkommen vergessen habe, ist pünktlich wie die Maurer. Leise und angenehm untermalt Kimbra den gemeinsamen Abend. So toll dieser Abend auch ist, vom Album habe ich nicht so viel mitbekommen, wie ich gerne gewollt hätte. Allerdings trägt die Musik maßgeblich dazu bei, dass der Abend toll wird (wenn Du verstehst, was ich meine…)

Neuer Tag, neuer Versuch. Ich bin ja lernfähig, also setze ich mir Kopfhörer auf. Ein genialer Plan, wie ich finde. Das mitreißende „Cameo Lover“ treibt mich aus dem Sessel und lehrt mich zweierlei. Erstens: Auch eine zuckersüße Stimme kann mir zusammen mit kellertiefem Bass fürchterlich in den Hintern treten und in die Beine gehen. Zweitens: Kopfhörerkabel haben eine begrenzte Länge. Schade, ich mochte meinen Kopfhörer. Über das Bestellen des neuen Kopfhörers verzettle ich mich mit dem Beantworten von Emails und anderem Kram und so bleibt Kimbra schon wieder unverdient auf der Strecke.

Es ist wie verhext. Jedes Mal, wenn ich in Ruhe ungestört mit Kimbra sein möchte, kommt irgendetwas, meistens aber irgendjemand dazwischen. Aber ich gebe nicht auf und Kimbra ist geduldig und stets gut gelaunt. Hingebungsvoll zwitschert sie mir ihre atemberaubenden Lieder in die Ohren, egal wie oft wir voneinander getrennt werden. Immer wieder umgarnt sie mich, verführt mich zum Träumen. Und jedes, aber wirklich JEDES Mal kommt irgendwas dazwischen. Es ist zum aus der Haut fahren. Harte Zeiten verlangen harte Maßnahmen und tolle Musik will ungestört gehört werden. Ich entführe Kimbra auf meinem iPhone und gemeinsam entfliehen wir meiner Wohnung und dieser grausamen Welt, schweben, tanzen, träumen, in die mich das Klingeln des Handys zurückholt. So viel zu dieser Idee.

Aber heute, jetzt endlich, schaffe ich es! Alle Verabredungen sind abgesagt, alle Telefone abgeschaltet. Kimbra, ich komme. Und sie wartet auf mich, umarmt mich, ist willig und warm und ich erlebe eine hinreißende Zeit voller Soul, Beat, Gefühl, Samt und Seide. Einfach traumhaft. Mit einem rundum begeisterten Glücksgefühl beende ich den Abend und gehe mit dem festen Entschluss ins Bett, gleich am nächsten Morgen genau die fantastische Rezension zu schreiben, die Kimbras Album verdient hat und entschwinde ins Reich der Träume.

Endlich schaffe ich es, die Rezension zu schreiben. Bevor mich wieder alle Welt mit Beschlag belegt, bringe ich zu Papier, was gesagt werden muss: Kimbra – Vows ist toll. Ein Album zum Träumen und genießen. Die Musik ist … Moment eben, das Telefon klingelt.

Kimbra – Vows erscheint in Deutschland am 20.07.2012 bei Warner.

Webseite von Kimbra: http://www.kimbramusic.com/

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