Auf die Ohren: Stahlmann im Tivoli, 27.09.2015

Stahlmann im Tivoli, 27.09.2015

27.09.2015 – Stahlmann im Tivoli, 27.09.2015, Bremen

Saschas Konzertbericht:

Kurzentschlossen. Kurzentschlossen war irgendwie das Wort des Tages – Kurzentschlossen brachen wir auf nach Bremen, Stahlmann sehen. Kurzentschlossen wurde ein Interview-Termin mit Sänger Mart verabredet – der dann genauso kurzentschlossen abgesagt werden musste, weil Stahlmann noch im Stau stand.

Das Konzert fand im Tivoli statt, dem (kleineren) Nebengebäude des Aladins. Leider nicht so gut gefüllt, wie ich persönlich erwartet hätte – schade für die Bands, für mich dagegen gut, man hatte Platz, sich zu bewegen.

Nebelbeisser im AladinPünktlich um 20:00 Uhr begann die Show mit Nervenbeisser, einer 2001 gegründeten Gruppe. Leider waren Sound und Licht… sagen wir mal vorsichtig „verbesserungswürdig“- Schade, denn die Kombo hat eine hörens- und sehenswerte Show abgeliefert, die mehr technische Unterstützung verdient hätte. Es wird aber wohl nicht das letzte mal sein, dass wir etwas von Nervenbeisser hören!

Nach einer kurzen Umbauphase betrat dann das Quartett Lichtgestalt die Bühne, die selbst als Stilrichtung „Neuer harter Steam“ angeben – also wohl eine Vermengung von NDH und Steampunk. Kraftvolle Klänge, sehr abwechslungsreich und energiegeladen, präsentiert mit einer sehenswerten Bühnenshow.

Lichtgestalt im AladinUnd die war dankenswerterweise auch mit besserem Licht und Ton versorgt, so konnte man die vier Herren der Lichtgestalt um Bandgründer „Der Heizzer“ auch genießen!

Und dann… nun ja. Erstmal nichts. Umbauphase. Hektische Roadies die gefühlte 100,000 zusätzliche Lichtelemente drapierten, Mics und Nebelwerfer checkten, Sachen geschäftig hin und her räumten. Im Hintergrund lief irgendwelche Fahrstuhlmusik – so gar nicht passend zu den Bands vorher und dem, was uns erwartete. Zeit, sich zu entspannen, ein erstes Resümee der Vorbands zu ziehen, die Merch zu bestaunen – und eben auch, Facebook und sonstige soziale Medien auf den neusten Stand zu bringen….

Es wird dunkel.

Ein leichter Dunst überzieht die Bühne. Gitarrenklänge beginnen, leise. Fünf blaue Strahler zerreißen die Düsternis und Stahlmann betritt die Bühne. Wecken die vorher eher lethargischen Bremer auf – nicht mit einem Paukenschlag („Hey!“), sondern mit einer ganzen Kette davon („Hey … Hey – hey hey heyheyhey!“ – die Bassdrum wird schnell als Aufforderung zu einem „Hey“-Ruf etabliert) und mit dem Opener der neuen Scheibe, mit Feindflug. Sie kommen voller Energie daher, reißen das Publikum mit, AblaZ am Bass und Frank Herzig an der Gitarre motivieren uns wieder und wieder zum mitmachen, zum klatschen, zum reagieren auf den Schlag der Kickdrum, sie fordern es ein, ziehen, zerren, reißen mit.Stahlmann im Tivoli, 27.09.2015

Stahlmann – das sind Profis. Das merkt man bei jedem Song, das merkt man bei jeder Ansage, das merkt man bei jedem Problem. Das merkt man, als ein wackeliger Mikrophon-Ständer plötzlich zum Running Gag quer durchs Konzert wird – und Roady Alex namentlich vorgestellt wird, der mit Gaffertape und Tauschaktionen (mehrfach!) versucht, das Problem zu lösen. Das merkt man auch an der hervorragenden Durchmengung der Setlist, in der die neuen Stücke vom Album CO2 nahtlos zwischen ältere, bekanntere Stücke eingefügt sind, einen dynamischen, kraftvollen, und – verzeiht mir bitte dieses platte Wortspiel – stahlharten Abend schaffen. Und es ist alles da – Schwarz, Engel der Dunkelheit, Stahlwittchen, Sadist, Plasma und – natürlich – Stahlmann. Um nur einige zu nennen.

Und natürlich merkt man es auch daran, wie die Stimme von Frontmann Martin „Mart“ Soer uns durch das Konzert trägt, mal laut und kraftvoll, mal leise und anschmiegsam, immer präsent.

Was soll man sagen – Stahlmann begeistert mich schon, wenn ich sie „nur“ vom Silberling höre. Live? Sind sie noch um Längen besser! Meinen Dank an Nervenbeisser, Lichtgestalt und das Quintett Mart, AblaZ, Frank, Maximilian und Düse für einen rundum gelungenen Abend!

Franks Konzertbericht:

Unerwartet und auch etwas unvorbereitet trifft mich Sascha mit dem Hinweis, dass ja heute (eigentlich am gestrigen Sonntag, dem 27.09.2015) im Bremer Aladin die Band Stahlmann auftreten werde. Unerwartet deshalb, weil deren aktuelle Tour irgendwie vollkommen an mir vorbei gegangen ist. Dank kurzer Drähte mit den richtigen Leuten Kontakt aufgenommen und Schwupps stand ein Interview mit der Band nebst Konzertbesuch auf dem Programm. Kurzentschlossen das notwendige Handwerkszeug eingepackt und los geht’s.

Auf dem Weg nach Bremen die erste Enttäuschung: Stahlmann schafft es nicht zum Interview. Stau. Schade, aber nicht zu ändern. Das wird nachgeholt. In Bremen dann die zweite… ich will nicht sagen „Enttäuschung“, aber begeistert war ich auch nicht: Statt im Aladin fand der Event nebenan, im deutlich kleineren Tivoli statt. Andererseits: Der Andrang hielt sich in Grenzen und im Aladin wäre es doch etwas sehr leer gewesen.

2015_09_27_8479Den Abend eröffnete die mir vollkommen unbekannte Band „Nervenbeisser“, die mir durch zwei Dinge sehr sympathisch wurde. Erstens war sie mit Leib und Seele bei der Sache, gab alles und konnte mich durch bemerkenswerte Texte und interessante Sounds für sich gewinnen. Zweitens vollbrachte „Nervenbeisser“ das Kunststück, trotz vollkommener Abwesenheit jeglicher Ton- und Lichttechniker (denkbar wären auch deren komplette Unfähigkeit und/oder Ignoranz), bei mir mit ihrer Musik im Gedächtnis zu bleiben. Das fand ich beeindruckend.

2015_09_27_8652Mit einer Vorband hatte ich gerechnet. Als dann „Lichtgestallt“ auf die Bühne kam, war ich verwirrt. Wann genau hatte sich Stahlmann denn SO verändert? Hatte ich was verpasst? Ja, hatte ich, nämlich die Ankündigung, dass jetzt „Lichtgestalt“ auf der Bühne sind. Die Band hatte es offenbar geschafft, wenigstens einen Teil des Ton- und Lichtpersonals aus dem Winterschlaf zu wecken, was der Bühnenshow und dem Klang deutlich half: Plötzlich gab es dynamische mitten und soetwas wie räumliche Ortbarkeit.

Musikalisch vielleicht eine Kreuzung aus der musikalischen Stilrichtung Rammsteins gepaart mit den Lyrischen Ideen ähnlich Abney Parks, war die Band erfrischend und sehr vital. Show und Musik gefielen mir sehr gut und ja, auch Lichtgestalt werde ich in Zukunft im Auge behalten.

Einen (weiteren, gefühlt ewig dauernden) Umbau der Bühne und deren deutliche Lichttechnische Aufrüstung später betritt Stahlmann dieselbe und macht von Anfang an klar, welcher Band der Abend gehört. Es stimmt alles: Bild, Ton, Choreographie… Einfach alles stimmt auf den Punkt. Mit „Feindflug“ eröffnet die Band ihren Auftritt und nimmt das Publikum im Handstreich für sich ein.

2015_09_27_8717Die Show ist nicht durchgestylt, sondern die Band ist einfach gut. Frontmann Mart hat sichtlich Spaß an seinem Auftritt und selbst als sein „Ständer“ versagt, macht er das kurzerhand zum Bestandteil des Auftritts, erweitert die musikalische Show, wird spontan zu Entertainer und lässt es sich nicht nehmen, sogar den Roadie vom Publikum dafür feiern zu lassen, dass der mit Gaffer-Tape umzugehen weiß.

Die Alben von Stahlmann sind gut, aber live ist die Band super und nicht nur „für Fans“ empfehlenswert. Der Abend war klasse und mein Dank für den gelungenen Abend geht vor allem an Sacha (für seine Impertinenz) und Sandra (für ihre Spontaneität), aber eben auch an Nervenbeisser und Lichtgestalt für die unerwartete Gelegenheit, sie erleben zu dürfen und an Stahlmann, für einen nahezu perfekten Auftritt.

Stahlmann im Web: http://www.stahlmann.tv/

Stahlmann auf Facebook: https://de.wikipedia.org/wiki/Stahlmann_%28Band%29

Lichtgestalt im Web: http://www.lichtgestalt.biz/

Lichtgestalt auf Facebook: https://www.facebook.com/Lichtgestaltband/

Nervenbeisser auf Facebook: https://www.facebook.com/nervenbeisser

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