Hans Liberg – Attacca Live in der Bremer Glocke

Bevor Hans Liberg mit seinem Programm „Attacca“ in der Glocke in Bremen auftrat und das Publikum begeisterte, gab er Polyprisma ein Einblick in die Geschichte der Musik, die klassische Musik als Gegenstand einer toten Sprache, die White Stripes und erklärte, dass Hooligans und Fußballfans näher am Islam dran sind, als ihnen selber klar ist. Mit diesem doch etwas ungewöhnlichen Hintergrundwissen bewaffnet genossen wir die Show, die ein zurecht erfolgreicher Mix aus Humor, Virtuosität nahe an der Grenze zur Genialität und Entertainment ist.

Musik-Kabarett, oder vielleicht Comedy rund um Musik ist vorsichtiger der Versuch, sich mit Worten dem Feuerwerk zu nähern, das Hans Liberg auf der Bühne abbrennt. Auch „Attacca“ dreht sich sehr stark um Improvisation. Trotz der durch die Bühne doch recht großen Distanz zum im Dunklen sitzenden Publikum gelingt es Hans Liberg mühelos, seine Zuschauer und Gäste fließend ins Programm einzubeziehen. Einfach nur da sitzen und konsumieren geht vielleicht vor dem Fernseher, aber nicht in einer Show wie „Attacca“.

Nichts entkommt seinem scharfen, stets wachen Verstand. Größen der Klassik werden ebenso an den Haaren durch Saal und Programm gezerrt, wie auch Rockmusiker und Popstars. Mühelos bringt er Rossini, Mozart, Beethoven, Angela Merkel, Billy Joel, Stevie Wonder, Alphörner, Free Jazz und Neo-Klassische 12 Ton Musik in einen sinnvollen Zusammenhang und erklärt mühelos, dass eigentlich alles in der Musik irgendwie schon mal da war – nur erkennen wir es nicht.

Es ist ein wundervoller Rundgang, nein, eigentlich ist es mehr eine wundervolle Jagd durch die Musik, die man mit voller Aufmerksamkeit genießt, denn was immer auch Hans Liberg anspielt, stets versucht man zu erkennen, woher man dieses Stückchen kennen könnte, wem jene Passage zuzuschreiben ist und wer das alles für seine Zwecke wie verwurstet hat.

Hans Liberg ist der Musiklehrer, den ich mir in meiner Jugend gewünscht hätte. Er greift mitten hinein in die Thematik und zeigt am lebenden Objekt, wie Musik tatsächlich funktioniert, wie Ähnlichkeiten kaschiert werden durch einfache Tonlagen- oder Tempowechsel und dass selbst die großen Erfolge der modernen Musik oft nicht viel mehr sind, als Adaptionen einer einzelnen Passage eines großen klassischen Werkes.

Zu einem besonderen Erlebnis wird es, wenn man dieses tolle Programm in einer solch wunderbaren Umgebung wie der Glocke in Bremen genießen darf, wo nicht nur das Ambiente perfekt ist und einfach „stimmt“, sondern das Personal mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit, Kompetenz und Selbstverständlichkeit dafür sorgt, dass der Gast sich an diesem Abend um nichts sorgen machen muss.

Hans Liberg – „Attacca“ ist ein „Must see!“ für jeden, der sich für mehr an der Musik interessiert, als nur den schönen Klang, das Hintergrundgedudel im Büro oder Auto. Es ist aber auch keine leichte Kost, denn Mitdenken und vor allem Zuhören ist unumgänglich, wenn Hans Liberg die Zuhörer auch mal mit voller Absicht aufs Glatteis führt.

Webseite Hans Liberg: http://www.hansliberg.com/

Webseite Glocke, Bremen: http://www.glocke.de/

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