Saltatio Mortis Zirkus Zeitgeist
Saltatio Mortis - alt und neu

Es waren die Easybeats, die da sangen „I’ve got Friday on my mind“ – so ging es mir die ganze letzte Woche. Freitag – Saltatio Mortis live im Aladin in Bremen. Darauf steuerte die ganze Woche hin. Das Wetter war wenig verheißungsvoll an diesem Tag – „es schüttete wie aus Eimern“ wäre noch eine freundliche Umschreibung. Vor dem Aladin in Bremen ertrug eine lange Schlange trotz des unangenehmen Wetters fröhlich gestimmter Gäste in oft dunkler Kleidung den Unwillen der Wettergötter vielleicht nicht klaglos, so doch geduldig.

Wir hatten das Glück, vor dem Konzert einen Interviewtermin mit Saltatio Mortis zu haben, und konnten so durch den Bühneneingang dem Regen entkommen. Das Interview mit „Alea, dem Bescheidenen“ und „Jean, dem Tambour“ war – soviel sei vorab berichtet – klasse und hat allen Beteiligten viel Spaß gemacht, mehr dazu wird es demnächst in unserer Sendung Frequenzdrift. Danach ging es dann ins Aladin – dachten wir.

„Little did they know“. Das ist das erste Mal, dass wir das Aladin „erweitert“ sehen – die Trennwände zum Tivoli sind geöffnet. Das schafft nicht nur einen ganz anderen Eindruck, sondern ist auch dringend nötig: Die Halle ist voll. Rappelvoll. Ohne das Tivoli wären die Gäste wahrscheinlich gestapelt worden. Und ich spüre: Die Leute haben gute Laune, lachende Gesicher überall. Gäste, Fans, die sich unterhalten, die aber jetzt schon möglichst dicht an der Bühne stehen. Und pünktlich um 20:00 Uhr beginnt die Vorband „Nachtgeschrei“ ihre Show.

Die Frankfurter passen mit Folk-Metal stilistisch gut in den Abend, beginnen einzustimmen auf den Hauptakt – Saltatio Mortis live im Aladin. Die sechs Jungs und ein Mädel haben im August ihr neues Album „Staub und Schatten“ herausgebracht und stellen es jetzt vor, eine dreiviertel Stunde Mischung aus ganz neuen und älteren, bekannteren Stücken. Ja, Nachtgeschrei steht nicht das erste Mal auf der Bühne, sie haben eine Bühnenerfahrung von mehr als hundert Auftritten, das merkt man. Das Publikum nimmt sie wohlwollend auf, aber ich merke – noch halten sich die Leute vornehm zurück. Gehen noch nicht voll mit. Das schmälert die Leitung von Nachtgeschrei nicht – sie sind bei der Sache, und lassen nicht locker. Hochachtung dafür!

Interview SaMoUmbauphase. Trotz Hintergrundmusik fühlt sich das Aladin auf einmal leise an – still. Erwartungsvoll still. Es ist 21:00 Uhr, noch wird geräumt, Instrumente angeschlossen, getestet, die Spannung steigt. Wir stehen da und wissen nicht – ist diese Verzögerung Absicht, Strategie, oder ist da einfach noch so viel zu machen…?

Egal, es wird dunkel – der Auftritt von Saltatio Mortis live im Aladin beginnt! Laut und mit Macht. Sofort sind die Gäste voll da, jubeln, klatschen, singen mit – nicht nur während des Intros, sondern das ganze Konzert über. Sie würden mittanzen – wäre nur genug Platz da.

Saltatio Mortis beweisen wieder einmal ihre Professionalität, das in vielen, vielen Auftritten gewonnene blinde Verständnis der Band füreinander. Das Programm ist natürlich großenteils vom letzten Album Zirkus Zeitgeist, aber genauso natürlich flechten sie auch ältere Stücke mit ein – schon der zweite Song ist „Wachstum über alles“ und wird vom Publikum frenetisch gefeiert.

Feiern – das ist sowieso das Wort, dass die Stimmung beschreibt. Wir lästern ja häufiger Mal über die eher bewegungslethargischen Norddeutschen (und können uns da auch nicht ausnehmen), aber diesen Abend ist das verdrängt. Das, was andere Musiker immer wieder und wieder einfordern, einfordern müssen – Arme hoch, mit klatschen, mit singen – passiert hier automatisch, die Bremer gehen ganz untypisch ab der ersten Minute voll mit. Und spätestens, wenn wir in in die lachenden Gesichter auf der Bühne schauen, sehen wir, dass dieses Miteinander-Wohl-Fühlen auch beidseitig ist – trotz der Hitze, trotz der Anstrengung eines Auftritts lächelt und lacht das Oktett von Saltatio Mortis live im Aladin, scheint teilweise sogar mitzusingen, wenn kein Micro in der Nähe ist – aus Spaß und Lust an der eigenen Musik.

Getragen von dieser wechselseitigen Stimmung spielen die Mannheimer sich durch ein herausragendes, durch ein einfühlendes, durch ein mitreißendes Programm. Und neben der Musik, neben der Empathie der Band bleibt mir nur, auch ihre Ausdauer zu bewundern – unsere Klamotten sind klatschnass am Ende dieser Show von Saltatio Mortis live im Aladin, und wir sind nicht die ganze Zeit über die Bühne gehüpft wie bei einem Aerobic-Kurs… Chapeau, die Herren!

Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist (Limitierte Fanbox) ist erschienen am 14.08.2015 bei We Love Music / Universal Music

Nachtgeschrei – Staub und Schatten ist erschienen am 07.08.2015 bei Oblivion / SPV

Webseite Saltatio Mortis: http://www.saltatio-mortis.com/

Webseite Nachtgeschrei: http://www.nachtgeschrei.de/

Aladin Bremen: http://www.aladin-bremen.de/

Saltatio Mortis Zirkus Zeitgeist

Saltatio Mortis – Wo sind die Clowns? (Official Video)

Nachtgeschrei – Staub und Schatten – ‚Das Nichts‘

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