Who Killed Bruce Lee – Live im Cadillac Oldenburg

2015_10_16_9730Es gibt Gigs und es gibt Gigs. Ich habe schon einige Konzerte erlebt, beobachtet und mitgemacht, sowohl als Beobachter als auch als Gast, vor und hinter der Bühne. Ich kenne Partys und Partys. Eigentlich kenne ich das alles, dachte ich. Eigentlich kann mich nichts mehr so richtig überraschen, dachte ich. Und dann kamen vier bärtige Jungs aus Beirut und zeigten mir im Vorbeigehen, dass ich einfach mal so rein gar nichts weiß.

Who Killed Bruce Lee (kurz: „WKBL“), vier unverschämt sympathische Jungs aus Beirut, machten sich gestern daran, die Republik von hinten aufzurollen. Nach 30 Tagen und Nächten im Studio durften sie gestern sozusagen zum ersten Mal wieder „raus“, unter Menschen, auf die Bühne – und was dann geschah… Ich kannte die Jungs nicht, auf „gut Glück“ habe ich mir die Band für ein Interview geholt. Ob die Jungs was zu erzählen haben? Leck mich fett und ob! Ob die Jungs cool sind? Ollen. Cool? Selten habe ich so entspannte, so relaxte, so durch die Bank weg sympathische und gleichzeitig so vor Energie platzende Musiker erlebt – Backstage.

Und dann kam der Auftritt. Das Oldenburger Publikum ist bekannt dafür, das Erreichen der oberen Grenzwerte der Ekstase durch rhythmisches Kopfnicken, im Extremfall vielleicht noch mit gleichzeitigem Fußwippen kundzutun. Who Killed Bruce Lee kamen auf die Bühne. Zurückhaltend, ja beinahe schüchtern, verteilten sich die Jungs. Sänger Wassim entschuldigte sich höflich dafür, das Publikum warten gelassen zu haben und dann holte die Band aus und mit der Wucht einer amoklaufenden Dampframme ballerte dem Publikum der wohl geilste neue, frische, unverfälschte Sound um die Ohren seit am 27. August 1991 „Smells Like Teen Spirit“ an die Sender ging.

Völlig aus dem Konzept gebracht reagierte das Publikum auf das Ende des ersten Songs mit hypnotisiertem Erstaunen und der ganze Sall tanzte schon bei den ersten Tönen des zweiten Liedes mit. Also… Oldenburger. Tanzen. Bei einem Konzert. Das Cadillac stand Kopf. Das Publikum tobte und feierte die Band frenetisch. Nicht etwa, dass das Konzert nach einem furiosen Start an Fahrt verlor – das genaue Gegenteil war der Fall. Von Song zu Song nahm die Sache mehr Fahrt auf, gaben Band und Publikum mehr Gas, feierten gemeinsam, feuerten sich gegenseitig an bis nach zwei Stunden alle völlig erschöpft und schweißnass dampfend einfach nicht mehr konnten.

Eine Zugabe schaffte die Band noch, und es war mehr als eine phänomenale Leistung, die Who Killed Bruce Lee bei ihrem ersten Deutschlandkonzert abgeliefert haben. Alles war dabei: T-Shirt vom Leib reißen, auf die Bass-Drum Klettern, durch das Publikum Tanzen, vor, neben und auf der Bühne ausflippen. Hands down eines der genialsten Konzerte, die ich in meinem Leben mitgemacht habe. Der absolute Wahnsinn.

Dem Cadillac gehört ein ganz besonderer Dank ausgesprochen: In all dem Chaos, trotz all der unerwarteten und unvorhersehbaren kleinen und großen Sorgen, Nöte und Probleme – alles wurde professionell und mit nahezu unerschütterlicher Ruhe gemanagt. Selbst das spontane Flicken des Drumsets (auf die Bass-Drum zu klettern nicht immer eine gute Idee, wenn man danach noch weiterspielen will, aber sehenswert war des Stunt trotzdem!) stellte gar kein Problem dar.

Who Killed Bruce Lee sind Wassim Bou Malham (Gitarre und Lead-Gesang) Hassib Dergham (Keyboard und Gesang) Malek Rizkallah (Schlagzeug und Gesang) und Pascal Sarkis (Bass und Gesang) und ich bin mir sicher, dass wir von dieser Band noch einiges hören werden. Die Aufnahmen, die ich bisher gehört habe, von der 2012 veröffentlichten gleichnamigen EP „Who Killed Bruce Lee“ waren schon der Knüller. Aber Live? Wer sich das entgehen lässt, ist selber Schuld.

Webseite: http://www.whokilledbrucelee.com/
Cadillac Oldenburg: http://www.oldenburg.de/de/microsites/cadillac.html

Fotos Interview: Petra
Fotos Konzert: Frank

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