Korn – The Serenity of Suffering

Rundreise durch die Welt von Korn

Zwölf Alben hat die Band aus Bakersfield seit ihrer Gründung 1993 inzwischen veröffentlicht. Das aktuelle „The Serenity of Suffering“ ging komplett an mir vorbei. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Korn zusammen mit dem Thema Nu-Metal bereits komplett abgehakt hatte. Aber – dem musikbegeisterten Umfeld sei Dank – ich wurde sanft und doch nachdrücklich auf die verpasste Neuerscheinung hingewiesen. Inklusive einer Warnung: „Is‘ irgendwie anders…“

Korn und anders? Das wäre ja mal was ganz Neues. Das Rolling Stone Magazine nannte Korn unter anderem schon „Dissonanz-Funk-Irre“, „Disco-Metal-Boy-Band“, „Gloom-Grunge-Goths“, „Matrix-produzierte Noise-Dance-Gruppe“, „Wegbereiter für experimentellen Dubstep“ und „die schlechteste Cameo-Cover-Band der Welt“. Da ist ein „anderes“ Album ungefähr so überraschend, wie ein Baum im Wald. Naja, jedenfalls fast.

The Serenity of Suffering hat einen deutlichen Hang zur Schwere und Tiefe. Die Riffs rollen von tief gestimmten Gitarren, die teils so absurd tief gestimmt sind, dass die Riffs wahrscheinlich auch mit einem Bass gespielt werden könnten – wenn man sie denn auseinandergefrickelt bekommt. Frontmann Jonathan Davis überzeugt mit einer beeindruckenden Demonstration seiner Fähigkeiten. Von fast schmuseweichem Rocksäuseln über manisch-hysterische Scats bis hin zu Death Metal Growls reicht das Repertoire, das für meine Begriffe erfreulich erwachsen klingt.

Erwachsen

Erwachsen ist bei The Serenity of Suffering sowieso das Stichwort der Stunde. Nach der Rückkehr von Brian „Head“ Welch klingen manche Passagen zwar vitaler und sehr nach „wie damals“. Allerdings klingt manches vielleicht auch etwas zu erwachsen. Einige Songs kann selbst ich fast auf Anhieb mitsingen, was mich ehrlich erschreckt. Eigentlich sollten Songs von Korn doch nicht zum mitsingen sein, oder? Zumindest war das in meiner Erinnerung immer so.

Andere Songs wiederum haben herrliche Gänsehautuntertöne, fast schon malerische Brüche und alle Ecken und Kanten, die Korn zu Korn machen. An einigen Stellen fühle ich mich an frühere Songs erinnert (vergleiche zum Beispiel „Rotting in Vain“ mit „Falling Away From Me“), doch schwingt etwas Neues mit, das ich nicht richtig greifen kann. Vielleicht ist es eine Spur von Selbstsicherheit am Rande zur Überheblichkeit, vielleicht ist es auch eine Art Macht der Gewohnheit? Ich weiß es nicht genau.

Gute Songs

Die Songs sind gut, richtig gut sogar. Einige Bridges und Läufe sind sensationell kreativ. Die Texte sind jetzt vielleicht nicht die allerneueste Erkenntnis und vielleicht auch ein wenig zu typisch Korn, aber das tut insgesamt dem Album keinen Abbruch. Ich bin wirklich hin- und hergerissen. Einerseits ist das Album richtig cool und begeistert mich total. Aber dann hat es andererseits wieder Phasen, bei denen ich mir denke: „Wie jetzt? DAS ist Korn?“

Vielleicht wird Korn einfach langsam erwachsen und findet zu einer Art innerer Mitte, die nicht ganz das ist, was viele Fans erwarten. Vielleicht haben die Jungs auch einfach die Nase voll vom Nu-Metal und wollen auch mal ganz oldschool rocken. Vielleicht haben sie auch einfach mal Bock gehabt, aus einer Jamsession ein Album zu machen, ohne ein 120%-Korn-Album abzuliefern, wer weiß. Aber ich verstehe jetzt, warum mir gesagt wurde, dass „The Serenity of Suffering“ anders sei, denn es ist wirklich anders. Total gut, aber eben anders.

Korn – The Serenity of Suffering ist erschienen am 21.10.2016 bei Roadrunner Records / Warner

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Korn – Insane (OFFICIAL VIDEO)

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