Lacuna Coil – Delirium

Konstanter Wandel

Bei den letzten sieben Alben von Lacuna Coil konnte man recht zuverlässig vorhersagen, was musikalisch zu erwarten ist. Mit Album Nummer acht – Delirium – ändert sich einiges am Stil der Italiener und ich bin ehrlich überrascht. Der Weggang von Gitarrist Chris Migliore und Schlagzeuger Christiano Mozzati hat für einige Unruhe in der Band gesorgt, die sich im Sound der Band hörbar abzeichnet. Delirium stellt für die Band einen Zeitenwechsel dar und es wird spannend zu verfolgen, ob die Fans der Band bereit für den Wandel sind.

Frontfrau Christina Scabbia begeistert mit gewohnt kraftvoller Stimme. Die düstere Stimmung des Albums gewinnt sehr durch ihren Gesang und ihre Stimme ist vielleicht eine der wenigen Konstanten in der Musik von Lacuna Coil, die sich mit Delirium tiefgreifend verändert. Broken Crown Halo war vergleichsweise zahm, um nicht zu sagen „gefällig“. Delirium hingegen ist weit weniger glatt. Die Musik hat Ecken und Kanten, ist deutlich roher, teilweise sogar sperriger. Lacuna Coil bereitet nicht vorsichtig auf den Wandel vor, sondern zieht vom ersten Track an alle Register.

Lacuna Coil BandshotUngewohnt hart greift die Band im ersten Song zu, der eine Art Schocktherapie sein könnte. Heavy und mit einer starken Neigung zum Industrial spielt die Band auf, flankiert vom imposanten Gebrüll der Sänger stellt sich schnell die Frage, ob dies noch dieselbe Band ist. Zwar ist der Opener der deutlich härteste Song des Albums, aber auch die meisten anderen Songs von Delirium sind ein deutlich anderer Schnack: Es geht mehr in Richtung „auf die Fresse“. Der früher immer wieder prägnante Kuschelkurs der „alten“ Lacuna Coil ist offenbar Geschichte.

Hier und da klingen schon noch Erinnerungen an vergangene Alben durch, aber der Sound auf Delirium ist bei weitem Industrial-lastiger, trägt offenkundigere Elektro-Elemente und ist insgesamt um einiges härter, was vielleicht in „Blood, Tears, Dust“ am besten zusammengefasst wird. Dabei bleibt die Band genussvoll in dunklen Gefilden und spielt immer wieder mit basslastigen Passagen gekonnt die Gothic-Karte aus, doch bietet die Band bei aller überraschenden Härte auch die eine oder andere Ruhezone an, durch die das Album insgesamt ausgewogener wird.

Die neue Richtung, die Lacuna Coil eingeschlagen hat, ist eine Überraschung, die zwar wahrscheinlich nicht allen Fans gefallen wird, aber der Band erstaunlich gut steht. An manchen Stellen klingt Delirium noch etwas unentschlossen, aber insgesamt wirbelt die Band ordentlich Staub auf. Delirium ist ein nachdrücklicher Befreiungsschlag der Band, der mit vielen Gewohnheiten bricht. Im direkten Vergleich wirken die früheren Alben beinahe stagnierend und deshalb ist Delirium ein mutiger Schritt, der sich für die Band lohnen könnte – vorausgesetzt, die Fans sind bereit der Band zu folgen.

Lacuna Coil – Delirium erscheint am 27.05.2016 bei Century Media Records / Sony

Offizielle Webseite von Lacuna Coil

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