Legend – Midnight Champion

Klasse und Potenzial sind unüberhörbar

Das Debütalbum Fearless bediente insbesondere das pathetisch melancholische Nachholbedürfnis dunkel angehauchten Synthie-Pops. Vier Jahre haben die Isländer Krummi Björgvinsson und Halldor Björnsson für den Nachfolger Midnight Champion gebraucht. Zeit, die sehr gut investiert wurde. Der Gefahr sich im melancholischen Einheitsbrei des unkomplizierten Düster-Synthie-Pops zu verlieren begegnen Legend durch radikales Umstoßen eigener Konzepte. Das Ergebnis „umwerfend“ zu nennen, wäre eine Untertreibung.

Sicher, mit Adrift weisen die beiden überdeutlich darauf hin, das Morrissey im Leben der Musiker mehr als nur eine Nebenrolle spielt und Frostbite lässt auch mehr als nur eine Spur Depeche Mode erahnen. Lang sind die Songs geworden. In unter fünf Minuten schafft Legend es selten, die umfangreichen musikalischen Ideen und Geschichten auszuformulieren. Auch das tut der Musik gut. Der so geschaffene zeitliche Freiraum wird erfreulich vielseitig und atmosphärisch dicht gefüllt. Die Gefahr belangloser Synthie-Eskapaden wurde rechtzeitig erkannt und mutig umschifft.

Legend macht den Schritt zur Seite

Die beherzte Öffnung hin zum Rock geschah unter Zuhilfenahme einiger progressiver Vertreter des Genres. Auch die elektronische Sektion wurde modernisiert. Hier und da klingt zwar noch immer das Erbe des Debüts durch (und erinnert ein wenig an die älteren De/Vision), aber im Großen und Ganzen wurde sehr gründlich aufgeräumt, ausgemistet und vor allen Dingen grundsaniert. Dennoch bleibt Legend der eher verhalten düsteren Atmosphäre des New Wave treu.

Die Hinzunahme beinahe progressiver Elektro-Elemente und die Beschleunigung des Beats sind die auffälligsten Neuerungen. Dem betont harten und schnellen Beat auf der einen Seite steht die entspannte, beinahe kontemplative Atmosphäre auf der anderen Seite gegenüber. Legend schaffen diesen Kontrast nicht nur durch das Gegenüberstellen einzelner Songs, sondern auch innerhalb der Songs.

Midnight Champion

Der Kontrast und meine Begeisterung könnten kaum größer sein. Cryptid und Frostbite stellen die konzeptuellen Veränderungen exemplarisch vor. Danach wird eigentlich nur noch darauf verwiesen und darauf aufgebaut. Mal kraftvoll, mal gefühlvoll, spielt das Duo frisch und entstaubt den Elektro-Rock durch dieses eigentümliche Isländische Musiker-Gen, das auch diesem Album anhaftet. Legend haben das Zeug dazu, aus dem jetzt eingeschlagenen Weg eine richtig große Nummer zu machen.

Midnight Champion ist ein mit Weite und kompakter Nähe durchsetzter Hybride, der den Sockel des Synthie-Pop zu einem Fundament aus Rock, Electro und Progressive aufschüttet. Darauf errichten Legend ein beachtliches, um nicht zu sagen sehr geiles, musikalisches Gebäude, das einerseits die sehnsuchtsvolle Weise Islands spüren lässt, aber eben auch die Großstadt, mit allen ihr eigenen Aspekten von Weite, im Sinne von Distanz. Wenn die Band sich daraus entwickelnde Spannung in Songs wie Scars explodieren lässt, dann weiß auch der Letzte, dass es hier um mehr geht, als Gefühlsduselei. Großartiges Album, das deutlich Bock macht auf mehr.

Legend – Midnight Champion erscheint am 13.10.2017 bei Artoffact Records / Cargo Records

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LEGEND – Midnight Champion (Official Video)

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