Life Of Agony – A Place Where There’s No More Pain

Höhepunkt der besten Momente

Die Geschichte von Life Of Agony ist wechselhaft. Das Album Broken Valley erschien schon 2005. Ist das echt schon wieder so lange her? Dann wurde es still um die Band aus New York. Jetzt veröffentlicht die Band nach zwölf Jahren Pause das fünfte Studioalbum A Place Where There’s No More Pain. So richtig hatte damit wohl niemand mehr gerechnet, aber hey, manchmal wird man eben auch positiv überrascht.

Sänger Mina Caputo sagte über das Album: „I feel like this record is a highlight of our best moments“, ein Höhepunkt der besten Momente der Band. Das hört sich zwar einerseits nach einem Best Of an. Andererseits ist es das aber eben nicht. Es ist eben einfach „nur“ eine durchaus zutreffende Beschreibung des Albums. Life Of Agony bleiben der grundsätzlich fatalistischen Ausrichtung ihrer Songs treu. Aber musikalisch hat sich bei der Band in den letzten zwölf Jahren einiges getan.

A Place Where There’s No More Pain

Die Musik ist solide. Nicht im Sinne von „okay, geht durch“, sondern in sich solide. Rund. Da gibt es gar nichts zu meckern. Verglichen mit „damals“ ist jedem der Musiker anzumerken, dass er reifer und erfahrener geworden ist. Das spiegelt sich unmittelbar im Zusammenspiel der band wieder. Das Album wirkt kompakter, die Stimmung ist dichter, die Band spielt gelassen und gleichzeitig konzentriert. Es rockt sehr lässig und eben stimmig.

Life Of Agony Bandshot 2017 credit Tim Tronckoe - PolyprismaA Place Where There’s No More Pain ist widersprüchlich. Mal sind die Songs ein einziger musikalischer Höhepunkt, um direkt danach hart am Rande des Unzugänglichen entlang zu ballern. Dabei rocken Life Of Agony frisch von der Leber weg. Mina singt emotional ergreifend. Die stakkatohaften Riffs konstruieren darum herum ein großartiges Klanggebäude. Der Sound ist knackig, glasklar und doch gar nicht künstlich. Dem Album tropft der Rock aus allen Poren und das ist auch gut so!

Mal sind Life Of Agony knackig, rocken stark hitverdächtig frisch, mal versucht sich die Band an subtileren Mitteln, um die Message zu transportieren. Die Musik wirkt zeitlos. Hier schimmern Erinnerungen an Black Sabbath durch, da glaubt man eine Spur Metallica zu hören. Oben drüber kreisen Alice In Chains mit den Stone Temple Pilots und unten drunter lauern unverkennbar Type O Negative. Die Mischung ist grandios und gefällt, eben weil – ich glaube, ich sagte es schon – es so grundsolide und erstklassig gemacht ist.

Grunge und Metal

Der Seattle- und New York-Grunge haben ihre Hochzeiten eigentlich schon lange bei uns hinter sich. Life Of Agony verarbeiten ihn aber großartig modern, verheiraten ihn mit Metal. Daraus entsteht ein faszinierend tiefgründiger Sound. Der erinnert zwar immer wieder an die 90er, aber klingt eben sehr viel moderner, zeitgemäßer. Die Musik hat Widerhaken, die sich in eleganten Läufen verbergen. Die Songs sind sperrig, wuchtig und lassen einen nicht los.

Life Of Agony Youtube - PolyprismaDie Gratwanderung zwischen Härte und Melancholie ist überzeugend selbstbewusst gelungen. A Place Where There’s No More Pain ist sauber ausbalanciert und an den Ecken gerade rund genug. Das Album holt zwar nicht den ganz großen Hammer aus dem Keller. Aber das ist auch gar nicht nötig, denn Life Of Agony verstehen auch ohne restlos zu überzeugen. Das Album ringt mir immer wieder Respekt ab. Der Band ist es gelungen, mehr als eine Dekade zu nutzen und das Gelernte in ein Album zu gießen. Daher kann ich Mina Caputo mit gutem Gewissen zustimmen: Das Album klingt wirklich wie ein Highlight des Besten, was die Band bisher gemacht hat. Wenn die Band so weiter macht, müssen sich einige aber richtig warm anziehen.

Life Of Agony – A Place Where There’s No More Pain ist erschienen am 28.04.2017 bei Napalm Records / Universal

Offizielle Webseite von Life Of Agony (Bandseite bei Facebook)

LIFE OF AGONY – A Place Where There’s No More Pain (Official Video) | Napalm Records

(Fotos: Tim Tronckoe, Youtube)

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