Linkin Park – Living Things+

Linkin Park ist live ein besonderes Erlebnis. Dieses Erlebnis einzufangen, zu konservieren und trotzdem lebendig zu erhalten, ist eine echte Herausforderung. Für die DVD „Living Things+“ wurde das Konzert im Berliner Admiralspalast vom 6. Juni 2012 ausgewählt – eine gute Wahl, wie ich finde. Das Ambiente des Admiralspalastes mit seinem gewaltigen Kronleuchter stellt Linkin Park in einer ganz eigenen, schon fast intimen Atmosphäre dar, die es mir leicht macht, mich mittendrin, statt nur dabei zu fühlen.

Das Studioalbum „Living Things“ hatte mich bereits überzeugt, auf den Konzertmitschnitt war ich gespannt. Obwohl das Album zu dem Zeitpunkt noch gar nicht veröffentlicht war und auf dem Konzert überwiegend gut bekanntes und sehr bewährtes Material gespielt wurde, hat man sich entschlossen, die Tour-DVD „Living Things+“ zu nennen. Immerhin: „Lies Greed Misery“, einer meiner Favoriten dieser DVD, und „Burn It Down“ werden gespielt, was die Namensgebung irgendwie rechtfertigt.

Die Aufzeichnung ist ein rundum gelungenes Erlebnis. Der Zuschauer ist so nah dran wie irgend möglich, ohne respektlos oder aufdringlich zu werden. Kameraführung und Szenenauswahl sind professionell und stimmig. Zwar stehen Mike Shinoda und Chester Bennington bei der gut 74 Minuten langen Aufzeichnung visuell im Mittelpunkt, aber die anderen Bandmitglieder sind auch schön eingefangen worden.

Der Zuschauer wird erfreulich unaufgeregt und professionell in das Konzert hineinversetzt. Bei der Produktion wurde auf überflüssigen Schnickschnack, wie „moderne“ Kamerafahrten, „künstlerisch anspruchsvolle“ Schnitte oder „informative“ Bild-im-Bild Darstellungen verzichtet. Das finde ich erfreulich, denn so bleibt das Konzert der Band der Mittelpunkt der Produktion, auf das sich der Zuschauer konzentrieren kann.

Nervig finde ich den inkonsequenten und handwerklich mäßig umgesetzten Versuch, die Texte der Band vom Wort „Fuck“ zu befreien. Speziell bei Given Up fällt mir das negativ auf, zumal im selben Song Chester schön in Großaufnahme auf die Bühne rotzend gezeigt wird. Wenn dies die notwendige Konzession war, um die „FSK ab 0“ Freigabe zu erhalten, kommt es mir angesichts dessen, was die Band in ihren Songs zum Teil verarbeitet, doch reichlich grotesk vor. Aber sei es drum.

Der knackige Sound des Konzerts steht in der Aufzeichnung den Studioalben qualitativ kaum nach. Trotzdem besteht kein Zweifel daran, dass dies keine Playbackaufnahme ist. Das ist ganz eindeutig live! Der etwas wärmere Sound passt gut zur Live-Performance der Band. Um den Sound möglichst gut wiederzugeben, kann der Zuschauer zwischen Stereo und 5.1 wählen. Beides kommt gut und klar akzentuiert ‚rüber, wobei mir die Stereoabmischung ein wenig besser gefällt. Zusatzmaterial gibt es auf der DVD keins, aber dafür ist das Album als eigene CD mit dabei. Ich finde, das ist mehr als ausreichend als „Zugabe“. Bildtechnisch gibt es an der Scheibe nichts auszusetzen. Die Band kommt glaubwürdig ‚rüber, besonders weil man sieht, wie viel Handarbeit die Band in ihre Songs steckt. Wenn sich Shinoda und Bennington nach gut 74 Minuten, nach einem fulminanten Bleed It Out – Sabotage – Crossmix, tropfnassgeschwitzt verabschieden, dann weiß man warum.

Linkin Park – Living Things+ (DVD, PAL, Dolby Digital, FSK 0) ist am 29.03.2013 bei Warner erschienen.

Webseite der Band: http://www.linkinpark.com/

1 KOMMENTAR

Comments are closed.