Linkin Park – Living Things

Endlich! Es ist da! Das neue Album von Linkin Park liegt vor mir. „Living Things“ ist das mit weitem Abstand am Sehnlichsten von mir erwartete Album der letzten Monate. Bei dem unfassbar geilen Livealbum „A Thousand Suns+“ hatte ich schon den leisen Verdacht, dass Linkin Park neue Wege gehen und sich selber neu erfinden werden. Was die Band aber mit „Living Things“ abgeliefert hat, übertrifft selbst meine kühnsten Erwartungen. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Dieses Album ist so unglaublich vielseitig, strotzt vor Kreativität und gibt dem Begriff „innovativ“ eine ganz neue Bedeutung. Mir fällt beim Hören einfach nur der Unterkiefer auf die synchron zum kellertiefen Beat vibrierende Tischplatte.

Was zur Hölle passiert auf diesem Album? Was machen die Jungs da? Ja, es ist Rap-Metal, aber es ist so neu, so anders und doch so typisch Linkin Park… mir fehlen die Worte. Ich schaffe es einfach nicht, das Album greifbar zu machen. Die Band erfindet sich komplett neu und ist doch mehr sie selbst als jemals zuvor. Die Songs sind unfassbar dynamisch, vielseitig und immer wieder anders. Der Beat ist treibend, energetisch, elektrisierend, die Instrumentierung ist episch und der Gesang trifft auf den Punkt. „Living Things“ ist die Dampframme, die alle meine Konzepte von „Rücksichtnahme auf die Nachbarn“ und „Grenzbelastbarkeit der Lautsprecher“ zum Teufel jagt.

Ich dachte, „Burn It Down“, die vorab ausgekoppelte Single, gäbe mir einen ganz guten Eindruck von dem, was Linkin Park meiner Nachbarschaft auf „Living Things“ anzutun bereit sind. Einen Scheiß wusste ich! Durch „Victimized“ lernte ich endlich meine neue Nachbarin kennen. Von gegenüber. Andere Straßenseite gegenüber. „Castle Of Glass“ kratzt mir mit eiskalten Fingernägeln über die Seele und „Roads Untraveled“ kriecht mir elektrisierend unter die Haut. Mit „Tinfoil“ / „Powerless“ erlösen mich Linkin Park aus meiner Agonie der Ekstase und erlauben mir wieder ‚runter zu kommen.

Ich dachte, „Hybrid Theory“, „Meteora“ und „A Thousand Suns +“ wären die drei „Must Have Alben“ von Linkin Park. Ich habe mich geirrt. Noch nie zuvor habe ich ein Album erlebt, das sich dermaßen ekstatisch und aggressiv mit dem Themenkomplex Verlust, Trennung, Verlassen werden und dem anschließenden „wieder auf die Beine Kommen“ beschäftigt. „Living Things“ ist trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner Genialität kein einfaches Album. Es mutet dem Hörer (und seinen Nachbarn) eine Menge zu und verlangt bedingungslose Offenheit für neue Ideen. Mein Tipp: Von Anfang an in einem Stück hören und auf die Texte achten.

Wer gerne gemütlich und entspannt den Alphörnern lauscht oder vielleicht doch eher Shantychöre bevorzugt, der sei eindringlich vor „Living Things“ von Linkin Park gewarnt! Für Euch wäre dieses Album ist ein Kulturschock, also Finger weg. Für alle anderen gibt es keine Entschuldigung dafür, dieses Album nicht in der Sammlung zu haben.

Linkin Park – Living Things ist am 22.06.2012 bei Warner erschienen.

Webseite der Band: http://www.linkinpark.com/

KEINE KOMMENTARE