Long Distance Calling – The Flood Inside

Diese Flut rockt!

Als ich das erste Mal Ausschnitte aus Nucleus vom neuen Album The Flood Inside von Long Distance Calling hörte, hoffte ich insgeheim auf eine Art rockigen Soundtrack. Schlimmstenfalls befürchtete ich aufgeblasenen Kunstrock. Was Long Distance Calling mir aber mit The Flood Inside auf den Tisch gelegt haben, hat mich umgehauen. Das ist episch geile Musik, über jeden Zweifel erhaben und für mich heißer Kandidat auf mein Album des Jahres.

Wenn ich sprachlos und wie hypnotisiert vor meiner Anlage sitze, Musik durch mich hindurch brandet und sich die Welt um mich herum einfach auflöst, dann bin ich Teil von etwas ganz Besonderem. Es geschieht nicht oft, dass Musik nach gefühlten Ewigkeiten endet, ich wie aus einer Trance erwache und versuche zu begreifen, festzuhalten, zurückzukehren in jene Welt, aus der mich das Ende der CD gerissen hat. Es gibt nicht viele Alben, bei der mir das so geht. Noch weniger Alben gibt es, vielleicht vier oder fünf, die mich mitnehmen auf eine Reise und dabei mein Innerstes aufbrechen und mich ganz tief hier drin berühren.

Musik, die so etwas bei mir auszulösen vermag, ist besonders, denn sie ist selten und sie ist verdammt wertvoll für mich. Long Distance Calling hat mit dem Album The Flood Inside bei mir alle Knöpfe gedrückt, die musikalisch bei mir überhaupt gedrückt werden können. Mehrmals. Gleichzeitig. Und dann nochmal mit Nachdruck, nur um ganz sicher zu sein, dass die Nachricht bei mir auch wirklich ankommt.

Sie ist angekommen. Fragt meine Nachbarn.

The Flood Inside ist eine wunderschöne Symbiose aus Anathemas Weather Systems und Rushs Clockwork Angels. Die Musik ist mal gefühlvoll, schon fast melancholisch, verführerisch und verträumt, nur um dann kraftstrotzend voller Power alles weg zu rocken, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Die Musik fließt. Sie ist in ständiger Bewegung, immer dynamisch, nie kantig oder sperrig. Dabei hat sie etwas Geheimnisvolles, Magisches, Unergründliches. Genau wie das Meer verändert sich die Musik auf Inside The Flood permanent. Am Deutlichsten wird das für mich bei Waves. Der Song beginnt wie ein moderner Lounge Act, mit Sprachsamples und soften Synthies, die abgelöst werden von aufbrandendem Rock, der wieder ausläuft in sanften, vitalisierenden Synth-Rock und sich von da aus weiterentwickelt in ein vielschichtiges Soundgemälde, in dem sich jeder seinen Träumen hingeben kann.

Wer allerdings glaubt, The Flood Inside wäre Fahrstuhlmusik oder seichtes Lounge-Gedudel, der kann kaum weiter daneben liegen. Long Distance Calling macht modernen Rock. Richtigen Rock. The Man Within ist ein gutes Beispiel dafür. Der Song rockt so dermaßen brachial geil, die Band spielt so unglaublich selbstbewusst und präsent auf, dass ich spontan Angst um meine Fensterscheiben habe. Oder auch der Song Breaker. Unfassbar genial gemacht.

Wie mir mal an anderer Stelle mal gesagt wurde: „This is serious music.“ Ich habe keine Ahnung, ob diese Musik nun eher Rock, Post Rock, Alternative Rock oder was weiß ich was genannt werden soll. Das ist mir auch – mit Verlaub – scheißegal. The Flood Inside von Long Distance Calling ist so geil, dass sich jeder halbwegs an Rock Interessierte dieses Album sowieso in seine Sammlung stellt, egal wie andere den Stil nennen. Wer das nicht tut, hat eh keine Ahnung und riecht nach Fuß. Punkt.

The Flood Inside von Long Distance Calling erscheint am 1.3.2013 bei Superball Music (Universal / EMI).

Webseite der Band: http://www.longdistancecalling.de/

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