Lunatic Soul – Fractured

Minimalistischer Progressive kann so genial sein

Lunatic Soul ist Mariusz Duda. Bekannt ist er als Sänger und Bassist von Riverside. Für sein 2008 entstandenes Soloprojekt Lunatic Soul spielt er außerdem akustische Gitarre, Keyboard und Kalimba. Fractured ist das fünfte Album von Lunatic Soul. Duda beschreibt es als Katharsis nach einem schwierigen Jahr in seinem Leben. Fractured destilliert Eindrücke und Stimmungen aus dieser Zeit, die geprägt war durch die Ereignisse in der Zeit.

Mariusz Duda greift tief in die elektronische Kiste, nennt Einflüsse von Massive Attack, Depeche Mode, Peter Gabriel und David Sylvian. Herausgekommen ist eine nicht weniger als geniale Komposition progressiv-avantgardistischer Musik, tragend, schwebend, tiefgründig, eindringlich. Der Gesang wirkt verloren, zerrissen, bedrückt und doch auch kämpferisch. Fractured ist kein schmerzendes, melancholisches Album. Es ist ein Album, das deutlich diese spezielle Stimmung wiedergibt, die man nach dem Schmerz empfindet. Es ist Musik, die suchend ist, tastend, sich neu orientierend.

Fractured

Die Schwere ist gewichen, Ballast wurde abgeworfen – oder vielleicht auch weggerissen. Entsprechend minimalistisch klingt Fratured, obwohl es sogar unter Mitwirkung des polnischen Sinfonietta Consonus Orchestra unter der Leitung von Michał Mierzejewski entstand. Die frappierende Leere, umrissen durch progressive Songstrukturen und teils völlig isolierte, teils stark gedämpfte Instrumente, übt eine immense Faszination aus.

Ähnlichkeiten zu Filmmusik und New Wave machen Fractured zu einem speziellen, einem besonderen Album. Die atmosphärischen, langsamen, teils schleppenden Rhythmen, schaffen eine Klangwelt, in der Mariusz Stimme noch verlorener, einsamer und verletzlicher und gleichzeitig eindringlicher, fordernder klingt. Es entsteht ein Sog, dem zu entziehen sich gerade in den zunehmend grauer und nebliger werdenden Herbsttagen schwer fällt.

Fractured ist ein Blick in die Ferne. Ein erzwungener musikalischer Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. Die Unsicherheit und Unbestimmtheit bettet Lunatic Soul in ein Album, das zeigt, dass Progressive Rock und elektronischer Art-Rock sich nicht gegenseitig ausschließen sondern hervorragend ergänzen können. Unter Zuhilfenahme von Jazzelementen und verblüffend intensiven Synthie-Läufen entsteht ein minimalistisches Meisterwerk, das ein erfrischendes Gegengewicht zum oft überfrachtet barocken Prog- und Art-Rock bildet.

Das Verblüffende an speziell diesem Album ist, dass es zu Dir spricht, auch wenn Du es nicht auf den Punkt verstehst. Es spricht eine universelle Sprache, die zwar auch Worte benutzt, sie aber eigentlich nicht braucht. Farbe, Bedeutung, Schattierung und Helligkeit ergeben sich aus der Musik in Dir. Nicht die Musik gibt die Stimmung oder die Geschichte vor. All das liegt bereits in Dir. Die Musik holt es nur hervor. Die Leichtigkeit und Behutsamkeit, mit der Lunatic Soul das geschehen lässt, macht das Besondere, das Magsiche an diesem Album aus.

Lunatic Soul – Fractured erscheint am 06.10.2017 bei Kscope / Edel
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Lunatic Soul – Anymore (from Fractured) OFFICIAL VIDEO

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