Marillion – Marbles In The Park

Zurücklehnen und genießen

Marillion sind mir speziell wegen jenes Sommers in Erinnerung, der durch eine (damals) junge Dame und Pseudo Silk Kimono einen langanhaltenden Höhe- und Schlusspunkt fand. Seit jenem Album hat sich einiges getan und auch die Band hat sich weiterentwickelt, kam zurück vom Neo-Prog zum „klassischen“ Progressive. Auch die Mitglieder der Band wechselten im Laufe der Jahre, wie bei vielen anderen Bands auch. Marillions Musik von heute ist anders als die Musik von Marillion damals. Sie ist progressiv, aber auch sanfter und eleganter geworden.

Marbles In The Park – Live

Mit „Marbles In The Park“ präsentieren Marillion ihr 2004 veröffentlichtes Album in einer Live-Version, aufgenommen bei dem Auftritt 2015 im Center Park Port Zelande, Niederlande, was mich schon etwas erstaunt hat. Das 2016 veröffentlichte F**** Everyone And Run (aka: F.E.A.R.) schaffte einen bemerkenswert (und gerechtfertigt) erfolgreichen Start in den UK-Charts. Daher hätte ich jetzt eher mit einem eigenständigen, neuen Album gerechnet und nicht mit einer musikalischen Retrospektive. Aber – so viel gleich vorweg – dieses Album ist mehr.

Das Album

Ob „Marbles“ das beste Album von Marillion ist, wird intensiv diskutiert und ich möchte mich aus dieser Diskussion heraushalten, denn ich bin vorbelastet. Auf jeden Fall ist es eins der besten Alben der Band und zeigt viele Facetten der Band, vielleicht auch die äußeren Grenzlinien ihrer Musik. Ein emotional wechselhaftes Album, das zwischen beinahe düsteren Epen und leichtfüßig-kurzweiligen Songs wechselt, mal atmosphärisch verträumt ist, mal leicht schräg daher kommt, mal elektronisch dominierte Gewässer erkundet und auch dem Pop-Rock Aufmerksamkeit schenkt. Die Spannbreite des Materials bietet viel Material für viele Geschmäcker, dennoch ist Marillion – Marbels In The Park kein Album für jeden.

Die Musik ist exzellent eingespielt, die Aufnahme des Konzerts steht einer Studioaufnahme bis auf wenige Kleinigkeiten in nichts nach (wer nörgeln will, wird bestimmt was finden). Viel wichtiger ist meiner Meinung nach aber, dass dieses Album ein erwachsenes Album ist, das sich an „Erwachsene“ Fans richtet. Die Musik ist glamourös und mit viel Pathos vorgetragen, aber unaufgeregt, frei von Hektik und dem heute viel zu oft in den Vordergrund geschobenen Hype. Es ist – man verzeihe mir die Formulierung – deutlich mehr sein als schein.

Das Material ist in einem Wort: schön. Nicht etwa diese romantisiert-schwülstige Form von „schön“, wie man sie von einer idealisierten Postkartenidylle her kennt, sondern ästhetisch schön. Die Präsentation ist überzeugend, zeigt eine Band, die in sich ruht, weiß, was sie tut und ihr Material und Handwerk geherrscht. Marillion haben es nicht nötig, sich durch überfrachtete Effekthascherei anzubiedern oder zu versuchen, mehr zu sein als sie sind. Marillion überzeugen auf „Marble In The Park“ einfach dadurch, dass sie sie selbst sind und genau das zeigen.

Das Bild zum Ton

Apropos zeigen. Begleitend zum Album erscheint das Konzert auch auf DVD und Blu-ray. Simon Ward lässt grüßen. Achtzehn ausgesuchte Songs (plus Trailer) zeigen das Konzert optisch wie akustisch bombastisch mit wuchtiger Licht- und Lasershow und riesigen Videowänden. Die mir vorliegende DVD überzeugt in Bild und Ton. Die Show ist sehr überzeugend und die visuelle Umsetzung von Songs wie „Ocean Cloud“ oder „The Invisible Man“ sind absolut sehenswert. Die Farben der Aufzeichnung sind natürlich und die Bildschärfe ist durchweg auf hohem Niveau. Die DVD bietet DTS 5.1 und 2 Kanal Stereo Sound, die sich für mich kaum voneinander unterscheiden. Ich vermute, dass hier die 5.1 Spuren nachträglich hinzugerechnet wurden, was nicht weiter schlimm ist und wenig auffällt. Die DVD ist sehenswert und lässt den Zuschauer einen Konzertabend genießen, der sich lohnt.

Marillion – Marbles In The Park erscheint am 20.10.2017 bei earMusic / Edel

Offizielle Webseite von Marillion

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