Megan Lane – Sounding The Animal

Dinge, die man wissen muss – oder auch nicht

Kanada! Na klar! Da hätte ich auch von selber drauf kommen können! Megan Lane – Sounding the Animal klingt voll nach Kanada! Nach Wald, Wildnis, französisch, Ahornsirup… Springt einem förmlich entgegen! Voll Kanada! Echt jetzt! Kein Scheiß, Mann! Und natüüüürlich! Gleichberechtigung! Super wichtig zu wissen, wer welche sexuelle Orientierung hat. Das ist für die Qualität eines Albums suuuper wichtig! Was ein Glück, dass mir das als Allererstes im Begleitschreiben ins Gesicht gedrückt wird! Sonst finde ich am Ende noch das falsche Album gut und bin plötzlich unfreiwillig veganer Homophob mit Vorliebe für indischen Country-Rap oder sowas.

Sounding The Animal

Und? Was ist nun? Ja nix is! Sounding The Animal klingt für mich ersteinmal exakt NULL „typisch Kanada“. Ich wüsste nicht mal, was „typisch Kanada“ ist. Wie klingt Kanada eigentlich? Vielleicht irgendwas mit französischem Akzent und Kettensägen? Keine Ahnung! Und bitte was soll mir das sagen, was Megan als erste, zweihundertste oder letzte Frau getan oder gelassen hat und welche sexuelle Orientierung sie hat? Ernsthaft: Das interessiert mich nicht die Bohne! Warum? Weil es mich nichts angeht, darum! Weil das ihre Sache ist! Wenn sowas anfängt meine Rezensionen zu beeinflussen, höre ich sofort auf welche zu schreiben! Versprochen!

Diggin‘ Into It

Megan LaneWo nimmt Megan diesen mal erdigen, mal luftigen Sound her? Wo kommt das Langsame her, das Dich am Arsch packt und durchschüttelt? Woher das leichfüßig tänzelnde, dass schon fast vertäumte Leichtigkeit versprüht, gleichzeitig aber nachdenklich und ein wenig melancholisch ist? Ganz klar, insgesamt ist das Rock – glaube ich jedenfalls. Da ist auch Pop mit drin, und auch Blues. Aber es ist brachial und gleichzeitig elegant. Quasi wie ein Elefant, der Schwanensee tanzt – in Zeitlupe – und das mit so viel Grazie und Grandessa, dass es Dich einfach nur in den Sitz drückt, während das Album weiter Fahrt aufnimmt. Ich find’s toll!

Zwischen straight nach vorne und nachdenklich zurücklehnend bewegt sich die Musik. Eine bewundernswerte Dynamik wohnt den Songs inne, die ich im Leben nicht erwartet hätte, als ich das Album zum ersten Mal in Händen hielt. Selbst in den ruhigen, nachdenklichen Songs wie „Coyote/Wolf“ steckt eine deutlich spürbare, verhaltene Kraft, ähnlich einem Raubtier, das im Halbdunkel schlummert oder durch die Dämmerung streift. Geheimnisvoll, eine Spur Abenteuer und Verwegenheit, gut gemischt und noch besser präsentiert.

Sounding the Animal ist ungewöhnlich, weil der Stil ungewohnt klingt. Das ganze Album klingt untypisch, knapp außerhalb der Norm, und doch hat es dieses „ah… hier… *schnipps* das ist doch…“ Feeling an sich, fasziniert durch seine selbstbewusste Art, seine Ungezwungenheit. Gut gemacht, rundherum stimmig, atmosphärisch dicht. Eine ausgewogene Mischung aus „rund“ und „kantig“, „gefällig“ und „sperrig“ macht das Album abwechslungsreich und außergewöhnlich. Eine ordentliche Portion Kerosin steckt in den Songs und es liegt einzig an Dir, ob irgendwas Funken schlägt und Deine Hütte brennt oder das Ganze so vor sich hin plätschert. Die Musik jedenfalls kann ordentlich was und meinetwegen darf aus der Ecke gerne mehr kommen!

Megan Lane – Sounding the Animal erscheint am 19.02.2016 bei Dancan Music / rough trade

Webseite von Megan Lane: http://meganlane.com/

Aktuelle Tourdaten Deutschland:

18.04. Hamburg – Astra Stube
19.04 Hannover – Ruby Tuesday @ Café Glocksee
21.04. Weissenhäuser Strand – L-Beach Festival
22.04. Berlin – Tiefgrund
23.04. Oldenburg – Litfass

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