Meinhard – Beyond Wonderland: Verquerer und verquerer!

Eigentlich fange ich meine Rezensionen ja damit an, dass ich einen Überblick gebe, was für Musik euch mit der vorgestellten Scheibe erwartet. Aber hier – ein Debüt-Album, und auch wenn Meinhard es schon auf einige Sampler geschafft hat (z.B. die „Machineries Of Joy“ 5) könnte ich jetzt nicht sagen: Der spielt normalerweise genau das. Ich stehe also vor einem Problem. Aber nicht vor dem einzigen…

Mittlerweile sind schon ein paar CDs durch meinen Player gehuscht, aber die „Beyond Wonderland“ von Meinhard verwirrt mich beim ersten hören. Eigentlich auch beim zweiten. Fangen wir mal ganz langsam an: Wenn ihr ruhige Musik für den Hintergrund, als Fahrstuhlbeschallung sucht, zum ausspannen – geht weiter. Nein. Lauft, so schnell ihr könnt. „Beyond Wonderland“ ist abwechslungsreich, sprunghaft, sehr schön und sauber gemacht, aber ist ganz eindeutig keine leichte Kost.

Thematisch orientiert sich Meinhard an Lewis Carroll’s „Alices Abenteuer im Wunderland“, wie der CD-Titel ja schon impliziert, greift sich für die Lieder einzelne Szenen aus dem Klassiker heraus und übersetzt sie in Musik. Und das heißt bei Meinhard nicht nur, dass die Liedtexte irgendwie Bezug nehmen oder vielleicht auch Carroll zitieren. Nehmt zum Beispiel das Lied „Falling“: ein 4:09 Minuten langer Sturz, mit beständigen Wechseln in Geschwindigkeiten, Instrumentenläufen, bei dem man geradezu den Kaninchentunnel mit hinunterfällt unter dem eindringlichen, wiederkehrenden „Down, down, down“, bis alles in einer Klangexplosion von Geräuschen endet – „da mit einem Male, plump! plump! kam sie auf einen Haufen trocknes Laub und Reisig zu liegen, – und der Fall war aus.“ (L. Carroll)

Meinhard spielt nach eigener Angabe ein „kaleidoskopisches Potpourri“ und nach meinem Empfinden sehr gerne mit Abwechslungen, nicht nur zwischen den Liedern, sondern auch in ihnen, mit wechselnden Geschwindigkeiten, und mitunter sogar frei in der Sprache zwischen Deutsch und Englisch innerhalb eines Songs wechselnd. Hier sei als Beispiel mein persönliches Lieblingslied der Scheibe angeführt, „The Trial“, in dem Meinhard beständig zwischen Deutsch und Englisch springt, was die Dynamik und die Kraft des Liedes noch unterstützt und den Hörer mitreißt.

Ja, diese Interpretation von „Alice im Wunderland“ ist fordernd, und sie drängt sich immer wieder nach vorne, wenn man versucht, sie „nur so“ „nebenbei“ zu hören. Die Musik ist komplex, wechselnd, schnell, eindringlich. Und sie verdient diese Aufmerksamkeit auch, die sie einfordert.

Ein durch die Bank weg total gelungenes Album!

Trackliste:

  1. Beyond Wonderland
  2. Mr.White Rabbit
  3. Falling!
  4. Nimmerwo
  5. Sea of Tears
  6. Caucus Race
  7. ontopofthemushroom
  8. Pig&Pepper
  9. CatNip
  10. MaD aS A hAtTer
  11. (Mock)Turtle
  12. The Trial

Meinhard – Beyond Wonderland erscheint am 22.03.2013 bei Out Of Line Music / Rough Trade.

Homepage von Meinhard: http://meinhardmusic.com/

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