Melt Downer – Melt Downer

Mozart, Fiaker, Schlagobers und 30 Liter Sprit intravenös

Die Band Melt Downer aus Wien besteht seit 2014. Jetzt, im Sommer 2017, veröffentlicht sie ihr erstes Album. Wie so oft bei Debütalben trägt auch dieses den Namen der Band, aber der Name ist Programm und Warnung zugleich. Melt Down bezeichnet nicht nur den technischen Vorgang des Einschmelzens von irgendetwas, sondern auch den emotionalen Zusammenbruch, das Verlieren er Maske, das Ausflippen, das Rauslassen des Innersten. Das Album trifft es auf den Punkt.

Melt Downer Melt Downer, bestehend aus Wolfgang Möstl, Mario Zangl und Florian Giessauf werden uns angekündigt als Band, die harte psychedelische Rockmusik mit Dub Einflüssen, fernab jeglicher Macho-Rock Klischees spielen. Improvisierte und freie Soundstrukturen werden perfektioniert. Doch das soll keine verkopfte Langeweile sein, denn strukturierter Fun hat genauso seine Berechtigung wie ein Schlagzeug das in die Steinzeit zurück geprügelt wird. Ich bin gespannt.

Melt Down, Melt Downer, am Melt Downesten

Melt Downer Picture Review PolyprismaWas aus den Boxen perlt, entzieht sich ekstatisch jeder Ein-Wort-Beschreibung. Die Musik von Melt Downer ist ein Gefühl. Es ist der Soundtrack zu dem Rauschzustand, in dem alles seinen Zusammenhang und seine Struktur zu verlieren scheint. Die Welt löst sich auf, verschwimmt in wabernde Farben und Soundkaskaden. Immer wieder dringt ein Pulsschlag durch den Nebel, mal erschöpft dahinschleppend, mal adrenalingepeitscht.

Es ist ein Feuer, das eigentlich alles verbrannt hat und doch immer wieder mit Benzin neu angefacht wird und gleißend helle Feuerbälle produziert, die durch den Verstand rollen. Inmitten dieses absoluten Chaos der Haltlosigkeit, des ungezügelten Exzesses bilden sich plötzlich Formen, Strukturen und sogar ein Sinn, den nur Du erkennen und für Dich selbst beschreiben kannst.

Ein Klangbild wie aus der Steinzeit des experimentellen Psychedlic Rock wabert durch sich beinahe animalisch jeder Bändigung entziehender Rock-Riffs. Distortion und Klarheit wechseln, ähnlich den Phasen des Auf und Ab eines lang anhaltenden Rauschs. Das Hier und Jetzt zählt. Nachher oder Morgen spielen keine Rolle und vorhin ist vorbei. Leb den Augenblick.

Volle Rutsche geplantes Chaos im Kopf

Melt Downer tobt, flippt aus, leidet, schwächelt, kriecht, explodiert, kreischt und verliert sich in einer Welt jenseits des Greifbaren. Die Faszination des Albums, die Ausstrahlung, die Magie entsteht gerade durch das scheinbare Chaos, das jegliche Vorhersagbarkeit in den Wind schießt. Und doch findet die Musik zu sich zurück und schafft eine eigene Welt, in der die Frage nach Sinn überflüssig ist, solange Du es nicht selber fühlst.

Das Album ist schweißtreibend. Die Musik atmet das Gefühl der Party kurz vor deren Kollaps. Trotzdem fühlst Du Dich sofort heimisch und verstehst, auf einer sehr grundlegenden, emotionalen Art. Dennoch schälen sich immer wieder hochgradig komplexe, vergängliche Songstrukturen aus dem Nebel, nur um sich augenblicklich wieder aufzulösen und in etwas völlig anderes zu verwandeln.

Es gehört eine Menge Können dazu, ein dermaßen ausuferndes musikalisches Chaos so unstrukturiert, zusammenhanglos und chaotisch wirken zu lassen, um daraus immer wieder wie zufällig geniale Versatzstücke entstehen zu lassen. Immer wieder mäandert die Musik durch ihr eigenes Labyrinth, droht sich zu verlieren, nur um dann doch wieder überraschend hart zuzugreifen und präzise auf dem Punkt zu landen. Ich bin mir nicht sicher, ob es so etwas wie Psychelic Progressive Destruction Punk Rock gibt, aber für mich kommt Melt Downer dem verdammt nahe.

Melt Downer – Melt Downer erscheint am 23.06.2017 bei Numavi Records / Cut Surface

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MELT DOWNER – M U T T E R

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