Messenger – Threnodies

Psychedlisch-progressive Melancholie

Threnodies ist Englisch und bedeutet übersetzt Klagelieder. Die Londoner Progressive Rock Band Messenger nennt ihr zweites Album so und umschreibt damit sehr treffend die verträumte Stimmung ihres Albums. Geprägt durch viele Einflüsse bewegt sich die Musik der Band in eher sanfteren Gewässern des Progressive Rock, erinnern mich eher Radiohead oder Porcupine Tree.

Melancholie hat häufig einen negativen Beigeschmack, insbesondere dann, wenn dem Begriff Definitionen angeheftet werden, die in Richtung Trübsinn oder Schwermut gehen und sie damit in den Bereich der Depression rücken. Für die dunklen, schwarzen Schattierungen der Melancholie ist das wahrscheinlich richtig. Aber Melancholie beschreibt auch einen Zustand des Nachdenklichen und das ist genau die Richtung, in die Messenger – Threnodies geht.

Threnodies

Das eher getragen anfangende Calyx holt Dich ab, weil es aus allen Richtungen zugänglich ist und vielleicht auch ersteinmal eine „falsche“ Fährte legt. Der Opener des Albums klingt anfangs verträumt, beinahe verschlafen, nimmt zum Ende hin jedoch langsam Fahrt auf und verändert sich permanent, wird zunehmend energetisch und blüht zu einer wunderschön breiten Nummer auf, die trotz ihrer Komplexität doch stets verständlich und nachfühlbar bleibt.

Dieses Gefühl des Nachempfindens zieht sich durch das ganze Album: Gradlinig und doch gleichzeitig auch wechselhaft zeichnen Messenger immer wieder den Wechsel von Gefühlslagen nach, malen gleichsam eine musikalische Erklärung des Wortspiels „himmelhochjauchzend zu Tode betrübt“ auf eine Leinwand, die sich im Laufe des Albums mit immer anderen Bildern und Farben füllt. Je nach Grundstimmung wird sich das Bild unterscheiden, doch die Nachdenklichkeit kommt wie von selbst.

Es ist eine angenehme Nachdenklichkeit, die sich weniger auf einen grundsätzlichen Weltschmerz stützt, sondern eher auf jenes Nachdenken, das ziellos und ungezwungen einsetzt, mal diesen, mal jenen Gedanken hinterfragt und weiterdenkt und vielleicht bewertet, vielleicht aber auch nicht. Wer sich auf die Musik einlässt, von ihr tragen lässt, wird sich früher oder später in genau jener Stimmung wiederfinden, in der Gedanken an Vergangenes einem Film gleich vor dem geistigen Auge ablaufen, Situationen behutsam wiederbelebt und vielleicht neu durchdacht werden.

Ein Partyalbum ist Messenger – Trenodies eher nicht, auch wenn Songs wie Oracles of War schon sehr abrocken. Für mich ist dieses Album passend zum Sonntagnachmittag, wenn ich einfach nur rumsitze, mit dem Kaffee in der Hand und meine Gedanken treiben lasse. Messenger folgen in ihrer Musik zwar einer Linie, diese Linie ist aber keine einfache Grade zwischen zwei sauber definierten Punkten ist. Genauso wie das Leben wendet sich die Musik mal in diese, mal in jene Richtung, mäandert, löst sich auf, bildet sich wieder neu und schlägt stets eine andere Richtung ein, der am Ende aber eins stets gemein ist: Ein Zurück gibt es nicht.

Messenger – Threnodies ist erschienen am 22.04.2016 bei Inside Out Music / Sony

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