Metric – Sythetica

Der perfekte Morgenkaffee

An einem Morgen wie diesem ist es eine gute Idee, nicht zu sehr aufs Gas zu treten. Stattdessen möchte ich behutsam wachgeküsst und auf Touren gebracht werden. Der Tag wird sich schon früh genug mit mir anlegen. Ich will aber auch keine belanglose Scheiße hören. Bloß kein Konzeptradio, sonst kotze ich! Ich brauche Musik. Gute Musik. Ich brauche Musik, die mir sagt „Ja, Du bist kaputt, aber das geht schon in Ordnung, denn die ganze Welt ist so.“ Ich will nicht jammern, ich will mich gut fühlen. Ich brauche etwas, das meinen inneren Kompass justiert. Ich brauche Musik, die zu meinem Morgenkaffee auf dem Balkon passt. Ich brauche Musik, die mir sagt „und jetzt erst recht“. Ich brauche Metric.

Sythetica, das neue Album der kanadischen Band Metric, ist an solchen Tagen ein hervorragender Brandbeschleuniger. Es ist ein Album für Tage, an denen alles „realer“ wirkt als sonst, ich aber trotzdem mit mir und der Welt im Reinen bin. Wenn die Welt jetzt aufhört sich zu drehen, dann ist das eben so, aber es ist okay. Ja, die Musik von Metric klingt nach „happy – lucky – hab mich lieb“ – Synthie-Gitarren-Pop, aber das täuscht. Die Texte stehen im starken Kontrast dazu: „I’m just as fucked up as they say / I can’t fake the daytime“ (Artificial Nocturne) „Some of us are wild ones, ever underwanted, / I believe / Lining up in the background, / Waiting for the crap shot to be seen“ (Synthetica)

Metric – Synthetica ist ein Juwel. Es protzt nicht, es prunkt nicht, und doch strahlt es über alles hinweg. Dieses Album ist in einer Musiksammlung wie das kleine, elegante Schmuckstück, das ein schlichtes Ballkleid zur Robe macht: Es wird nicht ständig getragen und passt auch nicht zu allem, aber manchmal ist es einfach perfekt – so wie eben jetzt.

Auch noch Kaffee?

Metric – Synthetica ist erschienen am 22. Juni bei Pias / Rough Trade

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