Minor Victories – Minor Victories

Da machste dicke Backen…

Wenn sich eine Band neu zusammenfindet und ein erstes Album veröffentlicht, dann ist es gängige Praxis in der Musikwelt, das Album nach der Band zu benennen. Entsprechend heißt das Debütalbum der Minor Victories auch “Minor Victories”. Wenn man in der Größenordnung mit Musik konfrontiert ist, wie der Schreiber dieser Zeilen, dann ist “Debütalbum” oft eine Art die vorsichtig vorneweg geschicktes “Nicht hauen, die sind noch klein”. Völlig okay, denn manchmal muss man einfach daran erinnert werden, dass niemand seine Kariere als Meister seines Fachs beginnt.

Und dann gibt es Debüt-Alben, die diesen Namen einzig deshalb tragen, weil die dahinter stehenden Musiker noch nie eine Platte zusammen aufgenommen haben, während sie gleichzeitig schon mit anderen Bands überaus erfolgreich sind. Trifft sich eine solche Band, nennt man das “Supergroup”. Die Minor Victories sind eine solche Supergroup. Hier finden sich Rachel Goswell von Slowdive, Stuart Braithwaite von Mogwai, Justin Lockey von den Editors und dessen Bruder und Filmemacher James Lockey zusammen – eine musikalische Elefantenhochzeit.

Selbst wenn sich großartige Musiker zusammentun, bedeutet das noch lange nicht, dass die Band am Ende auch funktioniert und das Album zündet. Solche Beispiele lassen sich noch mehr finden, wenn man sucht. Einfach nur gut sein reicht eben nicht immer und nicht alles lässt sich alleine mit großen Namen verkaufen. Siehe Angels & Ghosts. Das war klasse, fiel aber beim Publikum komplett durch. Die Erwartungen sind da schon etwas hochgesteckt.

Nach “Atomic” neulich scheint Stuart Braithwaite ein Faible für Filmmusiken entwickelt zu haben, denn Minor Victories ist ein Album wie ein Film. Das ganze Album fühlt sich nach einem fortlaufenden Song an, der eine Geschichte, ein Buch erzählt. Es ist eine musikalische Reise, die so völlig anders ist, als man von jeder einzelnen der Bands erwarten würde. Die Sprache der Musik ist außergewöhnlich, ist anders. Jeder der Musiker bringt seinen eigenen Stil mit und lebt den aus, aber statt in einer Art Pimmelfechten um den geilsten Part, artet das Album in einer abartig guten Atmosphäre aus.

Der langsame Einstieg in das Album verrät nichts und doch alles. Minor Victories führt im Laufe von 10 Songs vier vollkommen unterschiedliche Herangehensweisen gekonnt zusammen und bündelt sie. Das Gefühl von Individualität der Musiker und Teamwork, Distanz und Nähe habe ich so bislang bei wenigen Alben instrumentalisiert gesehen. Oder gehört. Du weißt schon. Mit den Ohren gucken. Und so. Die Musik entwickelt ein Eigenleben und strahlt eine ganz eigene Energie aus, die gleichzeitig faszinierend, entspannend, vitalisierend und – mir fällt echt kein treffenderes Wort ein – betörend ist.

Die Musik deckt verschiedene Stilrichtungen ab, aber stellt sie nicht nebeneinander, sondern verbindet sie, lässt gegenseitige Einflüsse zu und schafft etwas Seltenes, nämlich etwas gänzlich Unerwartetes und Schönes. Minor Victories ist ein Album für Dich, dass Du in Ruhe genießen solltest oder wenn Du eine musikalische Streicheleinheit brauchst, die nicht nur über die Oberfläche perlt. Minor Victories ist ein Begleiter, der da ist, aber sich nicht aufdrängt, und trotzdem weiß, was Du brauchst. Und das ist großartig.

Minor Victories – Minor Victories erscheint am 03.06.2016 bei [PIAS]

Offizielle Webseite der Band (Facebook)

Minor Victories – A Hundred Ropes

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