Mount Atlas – Titan

Norddeutsche feiern Hochzeit von Metal und Stoner

Der Sound einer Hammond-Orgel ist bei modernen Bands eher selten. In Kombination mit Gesang, der vielleicht eher an Metal oder Glam-Rock erinnert und bei Rock irgendwo zwischen Hard-Rock und Stoner erstrecht. Für Mount Atlas ist das eher Grund statt Hindernis. Das Debüt „Titan“ des Quintetts bestehend aus Jonas Willenbrink (Vocals), Christoph Ramke (Organ / Synth), Hendrik Kurre (Drums), Thomas Greenway (Bass) und Lars Rempe (Guitar) macht ausgiebig Gebrauch von all dem und noch mehr. Das funktioniert nicht nur überraschend gut, sondern passt.

Die Band zählt Bands wie Spiritual Beggars, Cathedral, Grand Magus zu ihren maßgeblichen Einflüssen, sieht ihre Wurzeln aber auch bei Pink Floyd und Deep Purple. Die Musik von Mount Atlas ist auf „Titan“ deutlich gespickt mit der DNA der von diesen Bands eingeschlagenen musikalischen Richtungen. Dementsprechend klingen auch hier und da Erinnerungen an. Dennoch ist die Musik anders. Die Kombination ist frisch, lebendig und so gar nicht muffig oder angestaubt, wie auch ich im ersten Moment befürchtet habe. Tatsächlich macht Titan sogar richtig Spaß, nimmt mich mit und gefällt mir richtig gut.

Ich bin absolut kein Fan vom Hammond-Orgel-Sound. Keine Ahnung warum, aber mir geht das meistens sehr schnell auf die Eier. Mount Atlas gelingt das bemerkenswerte Kunststück, den Einsatz dieses Instruments so sorgfältig zu dosieren, dass es mich genau nicht nervt, sondern sogar für mich die Musik bereichert. Dazu die treibenden Gitarren und das sauberer, angenehm homogen ins Gesamtbild eingefügte Schlagzeug, gekrönt durch die angenehme Stimme von Sänger Jonas ergeben insgesamt ein in sich sehr stimmiges Bild.

Stilistisch ist „Titan“ schwer einzusortieren. Die Band verbindet in ihren Songs eine Menge verschiedener Richtungen. Diese Kombination klingt überraschend natürlich und gewachsen. Mal rockt es derb, mal wird in bester Metaller-Manier rumgedroschen, mal gefrickelt, mal ganz sanft die emotionale Ballade gefahren. Überraschend neu ist die Musik nicht wegen ihrer nie dagewesenen Erfindungen. Überraschend ist das Album, weil die Band nicht versucht so zu klingen wie irgendjemand anderes, sondern wie sie selbst – und das gelingt ihr sehr gut.

Titan ist vielleicht kein Meisterwerk der progressiven Musikentwicklung. Aber das will es auch gar nicht sein. Was Mount Atlas schön gelingt, ist der musikalische Blick über den Tellerrand, das unvoreingenommene Verbinden verschiedener Genres und das Befolgen von Billy Gibbons (ZZ Top) Rat: „Learn to play the music you want to hear.“ Lerne die Musik zu spielen, die Du hören willst. Mount Atlas spielen in erster Linie genau das, was ihnen gefällt. Wenn es anderen gefällt: schön. Wenn nicht, auch kein Problem. Mir gefällt das Erstlingswerk dieser Band aus Oldenburg jedenfalls richtig gut.

Mount Atlas – Titan ist erschienen am 28.04.2017 bei Daredevil Records

Offizielle Webseite der Band (Facebook)

Mount Atlas – Go For A Ride [Official Music Video]

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