Muse – Drones: Sozialkritischer Avantgarde Rock, Retro-Style

Muse und ich haben eine angespannte Beziehung zueinander. Ich meine die Musik, nicht die Band. Die Band um Sänger Matthew Bellamy ist mir noch nicht vorgestellt worden. Heute erscheint deren neues Album Muse – Drones und ich bin einige Zeit um dieses Album herumgeschlichen, wie die Katze um den berühmten heißen Brei. Es gibt einige Songs von Muse, die finde ich großartig. “Supermassive Black Hole”, zum Beispiel. Oder “MK Ultra”. Dennoch bin ich immer etwas zurückhaltend, denn der manchmal etwas sehr ausufernd in hohen Tonlagen vorgetragene Gesang von Matthew geht mir dann doch gerne mal – mit Verlaub – auf den Sack.

Bands müssen immer irgendetwas zu ihrem neuen Album sagen. Je größer, bekannter, berühmter die Band, desto mehr werden Tiefgang und Gedankenschwere erwartet. Das gilt auch für Muse und ist auch vollkommen okay. Was Matthew aber über das Album Drones sagte, machte mich hellhörig:

“To me, ‘Drones’ are metaphorical psychopaths which enable psychopathic behavior with no recourse” “The world is run by Drones utilizing Drones to turn us all into Drones. Drones explores the journey of a human, from their abandonment and loss of hope, to their indoctrination by the system to be a human drone, to their eventual defection from their oppressors.”

Dronen sind metaphorische Psychopathen die psychopatischen Verhalten ermöglichen? Die Welt wird von Dronen kontrolliert und wir werden alle zu Dronen gemacht? Muse – Drones beschreibt die Geschichte eines Menschen, wie er alle Hoffnung verliert, über die Indoktrination durch “das System” bis er schließlich ausbricht und seinen Unterdrückern entkommt? Okay… Das Album ist also ein wenig sozialkritisch.

Was nicht nur mir als erstes bei Muse – Drones auffällt, ist das Cover. Im Netz kursieren bereits einige Diskussionen darüber, und keine davon ist wirklich schmeichelhaft. Ich verstehe ja, dass die Bildsprache nicht unbedingt dem üblichen Hype dieser Tage entspricht, aber mir schwant eine Anlehnung an Pink Floyd – The Wall, das mit ähnlicher Farbgestaltung und Symbolik gearbeitet hat. Inhaltlich ging es auch um dieselbe Thematik. Will sich Muse hier in Richtung Pink Floyd verneigen oder versucht die Band sich da irgendwie anzuhängen?

Thematisch, inhaltlich, ist durchaus eine gewisse Verwandtschaft zu dem Album von Pink Floyd gegeben. Auch die Struktur des Albums ist durchaus ähnlich, die Verwendung der Sampletracks als “Skids” verstärkt diesen Eindruck bei mir noch. Trotzdem ist Muse nicht Pink Floyd. Genauso könnte man behaupten, Muse würde Queen nachahmen. Oder Trio. Wobei… das mit Queen… hier und da sind auf Drones Passagen, die mich sehr an Queen erinnern. Besonders bei “Defector” ist die stilistische Nähe frappierend.

Die Sozialkritik der Band ist sauber verpackt. Muse versuchen nicht, dem Zuhörer ihre Ideen und Vorstellungen mit dem Holzhammer in den Schädel zu dreschen. Die Band ist geschickt und mal vorsichtig zurückhaltend, mal gnadenlos offensiv in der Sprache. Der Bogen mit Happy End macht das Ganze auch schön optimistisch und nimmt der Thematik eine Menge Depressionspotenzial. Obwohl die Stücke eine fortlaufende Geschichte erzählen, funktionieren sie auch für sich allein. Das hat Muse – Drones den Alben der angesprochenen Vorbilder schon ein wenig voraus.

Ach so, die Musik? Oh, ach ja. Die ist total toll.

Muse – Drones ist erschienen am 05.06.2015 bei Warner

Webseite der Band: http://muse.mu/

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