Night Beats – Who Sold My Generation

Modern Retro Rock

In den sechs Jahren ihres Bestehens haben die Night Beats aus Texas eine ordentliche Liste Veröffentlichungen produziert: Zwei Alben drei Compilations, fünf EPs/Singles, drei DVDs, zwei Kassetten(!). Mit „Who Sold My Generation“ wird dieser Liste der dritte Langspieler hinzugefügt, auf dem die Band ihrem schnodderigen, Riff-betonten Stil treu bleibt, der Psychedelic und Garage Rock miteinander kombiniert und ins 21. Jahrhundert transportiert.

Who Sold My Generation

Who Sold My Generation ist betont oldschool. Nicht auf dieses Gefühl von „irgendwie Retro“ getrimmt, sondern tatsächlich von Anfang an so aufgebaut und aufgenommen. Eingespielt wurde das Album in den Echo Park Studios in Los Angeles, USA, auf analoge zwei Zoll Bänder und produziert von Nic Jodoin und Robert Levon Been – beide Namen kennt man im Zusammenhang mit Black Rebel Motorcycle Club und entsprechend klingt das Album.

Night Beats sehen den Ttel ihres Albums nicht als Frage:

„Who Sold My Generation. Das Wichtige daran ist, dass es weder eine Frage, noch eine Feststellung ist. Es soll einen Gedanken formulieren, die Unwilligen überzeugen für sich selbst zu denken, das ist das Ziel. Ich erinnere mich daran, wie ich Ray Charles Lonely Avenue gehört habe, geschrieben von Doc Pomus, und die Gefühle, die ich dabei hatte. Ich hatte schlagartig die Motivation, mit meinen eigenen Schatten klar zu kommen. Um es ganz klar zu sagen, wir haben die Chance zu fühlen, was wir wollen und zu leben, wie wir wollen und nichts kann unser Bauchgefühl diktieren.“
(Danny Lee Blackwell, Night Beats im Q Magazine)

So oldschoolig das Album auch eingespielt ist, so modern ist es auf der anderen Seite. Zwar ist der Garage Rock sehr präsent, aber der Sound ist auch immer wieder psychedelisch und betont Lo-Fi. Die Ästhetik des Albums ist deshalb gleichzeitig modern und alt, erinnert immer wieder an Black Rebel Motorcycle Club, Nuggets oder Ty Segall.

Night Beats in Los Angeles Jan. 19 2016Die anarchische Attitüde, die Frontmann Danny Lee anspricht, ist in den Songs greifbar, wird betont durch den massiven Einsatz von Reverb und die wild umherspringende Gitarre, die geradezu durch die Songs tanzt und sich dagegen zu wehren scheint, vom Rest der Musik eingefangen zu werden. Dadurch wird das Album sehr lebendig, strahlt eine ehrliche und überzeugende Vitalität aus. Trotz der Ausflüge in den Psychedelic Rock ist Night Beats – Who Sold My Generation beileibe kein verträumtes Album, aber es ist auch kein Punk Album.

Die Energie und das Ungezügelte bleiben unter Kontrolle, werden gezielt eingesetzt und dosiert. Der Sound des (wenn man so will) „Vintage Rock“, des heute gespielten Rock, der wie von gestern klingt, funktioniert und es gelingt der Band hervorragend authentisch zu klingen, das Aufgesetzte und den Makel des Hipster weiträumig zu umgehen.

Wenn es überhaupt etwas an Who Sold My Generation gibt, was die Band vielleicht noch besser machen könnte, dann ist es vielleicht genau das: Kontrolle und loslassen. Unter der Oberfläche der Songs brodelt es. Da geht die Band ab wie nichts Gutes. Doch das letzte Quäntchen Loslassen und der Mut, sich vollends in die Musik fallen zu lassen, scheint der Band anfangs zu fehlen und erst im Laufe des Albums traut sich Night Beats mehr zu.

Es ist gerade der letzte Song des Albums, „Egypt Berry“, der zeigt, dass die Band noch einen Gang zu legen kann. Spannt man einen Bogen vom Opener „Celebration #1“ zu diesem Song wird erkennbar, dass die Band sich während des Albums entwickelt, sich zunehmend mehr traut und Elemente loslässt, auf die sie sich am Anfang des Albums verlassen. Gerade diese Entwicklung ist spannend zu erleben und macht irrsinnig Spaß, denn Who Sold My Generation ist ein richtig gutes Album.

Night Beats – Who Sold My Generation ist erschienen am 29.01.2016 bei Heavenly Recordings / [PIAS]

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Night Beats – No Cops (official video)

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