No-Man – Returning Jesus

Neuauflage eines Klassikers

Das Nebenprojekt No-Man von Steven Wilson (Porqupine Tree) und Tim Bowness veröffentlichte 2001 das Album Returning Jesus. Es war das vierte Album des Projekts. Beide Künstler waren schon damals keine Nobodys und konnten auf beachtliche Erfolge verweisen. Von Tim Bowness ist Stupid Things That Mean The World (2015) noch immer in sehr angenehmer Erinnerung und To The Bone von Steven Wilson nicht minder.

Für No-Man ist Bowness nicht nur als Sänger, sondern auch als Songwriter, der die Hälfte der Songs beigetragen hat – die andere Hälfte stammt von Wilson. Für Returning Jesus übernahm Steven Wilson Instrumentierung, Abmischung und Produktion. Dazu haben sich die beiden einige Gastmusiker herangeholt, zum Beispiel Robert Fripp, Ian Carr, Colin Edwin und Steve Jansen.

Returning Jesus

Stilistisch ist dieses Album weit weg von Porcupine Tree. No-Man – Returning Jesus ist sehr auf Atmosphäre ausgelegt und lebt ein Feeling aus, dass auf der einen Seite zu komplex ist für Pop, auf der anderen Seite aber vielleicht etwas zu vorhersehbar für Progressive Rock. In jedem Fall ist Returning Jesus Musik auf ganz hohem Niveau. Gerade wegen des verhaltenen Tempos schaffen die mehrstimmigen Arrangements der sensiblen, nach innen gewandten Songs ein Gefühl, das gerade jetzt, im Herbst, sofort funktioniert.

Obwohl immer wieder nahe am Rock komponiert, bricht die Verwendung von in dem Genre unüblichen Instrumenten wie Violine, Trompete und Horn das Bild auf und erweitert das Ambiente. Die Songs rücken damit auch in die Nähe von Soul und Jazz, haben immer wieder Spuren von Trance. Es wäre vermessen, dieses Album dem Pop zuzuordnen, denn dazu ist es zu… anders. Die Kompositionen wirken einfach, die ihre Komplexität nach und nach offenbaren.

Nirgends erdrückt Komplexität die Atmosphäre, die sich stark auf die Wirkung von Tim Bowness Stimme stützt. Er schafft es, den Songs eine zärtliche, aber trotzdem maskuline Stimmung zu verleihen. Der Hauch von Melancholie dreht nie ins Niedergeschlagene. Vielmehr schafft das Album eine durchweg positive Stimmung, die den Wunsch nach Zweisamkeit, nach Geborgenheit unterstreicht. Returning Jesus ist ästhetisch schön, intensiv, sensibel und doch beinahe etwas traurig.

Erweiterte und überarbeitete Neuauflage

Die jetzt erscheinende Wiederveröffentlichung als Deluxe Version umfasst insgesamt zwei CDs mit 24 Songs. Es enthält das ursprüngliche Album (neun Songs) und alternative Versionen, Demos und B-Seiten. Das Album wurde für den Re-Release von Wilson neu gemastert und enthält umfangreiches Bonusmaterial. Der Re-Master ist Wilson-typisch auf höchstem Niveau, das keine Wünsche offen lässt.

Für manche ist Returning Jesus zu langsam oder zu soft, vielleicht auch zu wenig abwechslungsreich, denn es ist ein Album für die Momente, in denen nicht Schwung und Party im Vordergrund stehen, sondern Gefühl und Atmosphäre. Returning Jesus ist dann groß, wenn es um das Kleine, das Zarte, Dezente geht. Wenn kleine Gesten und Worte mehr sind, mehr bewirken sollen, als die große Show erreichen könnte. Denn so sehr das Album sich in seinen Strukturen auch am Pop der 80er orientiert: Besser wird echt schwer, denn nach all den Jahren ist die Musik noch immer zeitlos großartig, weil sie sich aus dem modischen Schnick Schnack heraushält.

No-Man – Returning Jesus erscheint am 10.11.2017 bei Kscope / Edel

Offizielle Website des Projekts

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No-Man – Outside the Machine (from Returning Jesus)

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