Noisuf-X – Banzai (Tenno heika)

Lang lebe seine Majestät, der Kaiser

Manchmal kommt man nicht drum herum, etwas zu lernen. Jede Hoffnung, dass man das mit dem (jeweiligen *seufz*) Abschlusszeugnis aufgeben könne, zerschlägt sich schön regelmäßig. Ich zum Beispiel habe erst jetzt gelernt, was Banzai wirklich bedeutet. Früher, so als Kind, dachte ich, das sei einfach japanisch für „Angriff“ – weit gefehlt, wie mich Noisuf-X jetzt hat erfahren lassen. Während ich dabei von guter Musik beschallt wurde. Hey, das wäre doch mal ’ne Idee für die Schulen?

Tatsächlich heißt Banzai keinesfalls „Angriff“ oder auch „Macht sie nieder“ oder so, sondern eher das Gegenteil – 10.000 Jahre. Und war als Wunsch, anfänglich für den Kaiser, gemeint: „Möge der Kaiser 10.000 Jahre leben!“ Heutzutage ist es eher ein allgemeines „Hurra“, aber hier im Westen kennen gelernt haben wir das Wort, als japanische Soldaten es laut in Sturmangriffen gebrüllt haben – die dann auch als Banzai-Charge bekannt wurden. Angeblich soll auch den Kamikaze-Fliegern aufgetragen worden sein, „Tennoheika Banzai!“ auszurufen, bevor ihre Maschinen auf den Feind… nun ja, prallten – „10.000 Jahre lang lebe seine Majestät, der Kaiser“. Aus naheliegenden Gründen lässt sich nicht feststellen, ob das jemals geschehen ist.

Also … Tenno Heika Banzai!

Wenden wir uns also (endlich) dem neusten Release von Jan Loamfield und seinem Projekt Noisuf-X zu: Banzai. Ruhige harmonische Klänge, sanfte Flötenmelodien – wer so etwas auf einem Noisuf-X-Album erwartet, steht vor einem herben Kulturschock. Und das wohlverdient: Das seit 2005 existierende Projekt schreibt sich Elektro/Industrial auf die Fahnen, ergänzt das NOISUF-X - Banzai - JanGanze um technoide repetitive Beats. Dreizehn Tracks finden sich auf Banzai, und sie geben alle Schub. Gehen in die Beine. Genau das Material für „Musik an, Kopf aus.“ Und wieder muss ich bewundern, wie scheinbar spielerisch Jan Soundsamples in seine Stücke fallen lässt, sie zum Teil des Sounds werden lässt als seien die Stimmen ein Instrument, und dabei komplett verschleiert, dass sie eben auch eine Aussage haben, eine Message.

Und noch eine Überraschung gibt es für mich auf dieser Scheibe zu entdecken. Das Album enthält sich jeglicher Remixes. Lediglich der Bonustrack zur limitierten Erstausgabe Jezebel ist eine Neuauflage des 2006 auf der EP Tinnitus Songs. Alles andere – frisch produziert und ganz neu für uns geschaffen. Und das passend zum WGT, bei dem Noisuf-X Banzai direkt dem Publikum präsentieren wird.

Noisuf-X Heika Banzai!

Es ist schon verwunderlich, wenn ein Musiker neben anderen Projekten wie z.B. Stoppenberg, Kombat Unit oder X-Fusion noch Zeit findet, ein so rundes Album abzuliefern. Nicht den einfachen Weg wählt und 5, 6 Songs schafft und mit Remixes auffüllt – und das von mir, der Remixes wirklich mag. Ein dutzend Tracks – dreizehn in der Erstausgabe – mit einer Laufzeit von einer dreiviertel Stunde, 50 Minuten mit Jezebel, die einen einfach mit Gewalt vom Stuhl hebeln. Ganz egal, ob es nun ein bequemer Bürostuhl ist – oder der Barhocker neben der Tanzfläche.

Musik an – Kopf aus. BANZAI!

Noisuf-X – Banzai erscheint am 26.05.2017 bei ProNoize / Dark Dimensions Label Group.

Webseite Noisuf-X (Facebook)

NOISUF-X – Banzai (Tenno Heika)

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