Ost+Front – Ultra: „Jenseits“ der Extreme

Rings um die Band Ost+Front gibt es immer wieder Verwirrungen. Aufgrund des Names wird sie immer wieder in die rechte Ecke gerückt, oft hört man „Rammstein-Abklatsch“, „übertriebene Gewaltdarstellung“ oder Gemecker über das Bühnenoutfit. Und jetzt: Ost+Front – Ultra.

Im Kopf randaliert an diesem Neujahrstag noch der Kater des letzten Abends, also schiebe ich erst mal die Ost+Front – Ultra in die Anlage. Noch drei Wochen, bis das Album erscheint – und im Moment knallt die Musik durch meine Wohnung, weckt meine Aufmerksamkeit. Deutsche Texte (außer bei „Siesta“), gitarrenlastige, nicht zu komplexe Musik. Immer wieder Tempowechsel, eine Stimme, die tatsächlich manchmal an Till Lindemann erinnert. Ist es ein Rammstein-Abklatsch? Hm. Nein. Ist es nicht. Erinnert die aus Berlin stammende Band Ost+Front – Ultra manchmal an Rammstein? Ja, ganz sicher. Das macht das Album aber nicht schlecht, erweckt nicht den Eindruck von „Gewollt und nicht gekonnt“ – Ost+Front sind keine Kopie, sondern spielen eigene, teilweise sehr provokante Musik. Koppeln diese Musik an ein genauso provokantes Auftreten und Bühnenoutfit.

Und diese Band provoziert, stößt an Grenzen, „politically incorrect“, nicht nur das martialische Auftreten, sondern durchaus auch – bewusst – in den Texten. „Krüppel … der Bruder hatte sich gepaart, das Schwesterherz hat Kind gehalten für Tatendrang der Urgewalten“ – dürfen die das, mal frei nach Chris Tall gefragt. Das geht weit über die Grenzen dessen, was man so „guten Geschmack“ nennt. Aber ja – natürlich dürfen sie. Finde ich das gut? Das Stück – ja. Den Text? Nö. Aber da geht es auch nicht um das „bashing“ (um es mal Neudeutsch auszudrücken) von Leuten, die es eh schon schwer haben – dieses NDH-Stück kommt dann plötzlich mit einer Aussage rüber wie

„Sie werden Deine Ruhe stören,
dann kannst Du sie mit Freude fragen
wo die anderen begraben“

OST+FRONT- Ultra Pic 2Bäm. Und schon muss ich als Hörer wieder nachdenken. Ost+Front – Ultra ist Kunst. Die sechs Leute dürfen durchaus von der Bühne singen, was am Stammtisch bitte nicht gesagt wird. Und zwar unabhängig davon, ob oder wie es dem Hörer gefällt. Schon die Künstlernamen sind Teil dieser Provokation – Herrmann Ostfront, Siegfried Helm, Wilhelm Rotlauf, Eva Edelweiß, Otto Schmalzmann und Fritz Knacker fallen auf, müssen auffallen. Klar, der Verdacht drängt sich schnell auf „Die sind doch Rechts!“ Aber genau von diesem Weltbild distanziert sich Ost+Front ganz klar, hat deswegen sogar den Gruppennamen geändert, das „+“ eingefügt.

Was bleibt noch zu sagen? Auf der CD sind dreizehn Stücke mit einer Spieldauer von etwa 50 Minuten enthalten, im Deluxe-Set sind noch einmal sechs Tracks mehr enthalten, davon sind nur zwei Remixes von CD 1. Ich finde diese Scheibe – ja, provokant, aber eben auch sehr gut gemacht, gut hörbare Neue Deutsche Härte, die in die Ohren geht und begeistern kann.

Ost+Front – Ultra erscheint am 22.01.2016 bei Out of Line (rough trade)

Webseite der Band: ostfront.tv
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