Panzerballett – Breaking Brain

Panzer…was?

Ich las den Namen. Panzerballett. Sagte mir nichts. Breaking Brain, so der Name des Albums. Sagte mir auch nichts. Ich vermutete eine Band aus dem groben Umfeld Funker Voigt, Nachtmahr oder vielleicht Faderhead. Ich lag damit so weit daneben, wie ich bis dahin selten danebengelegen habe. Panzerballett – Breaking Brain ist vor allem eins nicht: Leichte Kost. Es ist außerdem schwer tanzbar, garantiert nicht für jeden geeignet und ganz bestimmt kein Electro.

Über die Entstehung der Band erfahre ich einiges. Der studierte Gitarrist und Komponist Jan Zehrfeld suchte mehrere Jahre lang nach Musikern. 2004 scharte er schließlich einige Musiker um sich, mit denen er seine Vorstellung von „komplexer Musik“ realisieren wollte. Dazu schrieb er selbst:

„Ich bin ständig wütend auf etwas. 2004 gründete ich deswegen „Panzerballett“. In dieser Band komponiere ich Stücke nach dem Motto „Warum einfach, wenn es schwer geht?“. Gleichzeitig kann ich Aggressionen kanalisieren.“

First Contact

Meine erste Begegnung mit Panzerballett – Breaking Brain ist geprägt durch Verwirrung und Orientierungslosigkeit. Deshalb bewegen mich Fragen wie: „Ist das noch Jazz?„, „Ist das schon Kunst?“ und vor allem: „Meinen die das ernst?“ Zumindest die letzte Frage kann ich beantworten: Ja, die meinen das ernst. Verdammt ernst sogar. „Sie“, das sind Jan Zehrfeld (E-Gitarre), Joe Doblhofer (E-Gitarre), Alexander von Hagke (Saxophon), Heiko Jung (E-Bass) und Sebastian Lanser (Schlagzeug). Die anderen beiden Fragen kann ich nicht beantworten. Dazu ich verstehe weder genug von Jazz noch von Kunst, um mir eine entsprechende Antwort zuzutrauen.

Vorbereitung ist alles

Harte Kost ist Breaking Brain für den ahnungslosen, unvorbereiteten Hörer. Also solche, wie ich es einer bin. Aber die Herausforderung der Musik besteht nicht etwa darin, dass die Idee schlecht wäre oder die Umsetzung stümperhaft. Oh nein, weit gefehlt! Die Musiker sind mindestens herausragend gut. Die Komplexität der Stücke ist umwerfend. Jeder Musiker, der nicht mindestens sehr gut ist, ist wahrscheinlich mit der Umsetzung vollkommen überfordert.

Ich weiß nicht, ob – und wenn ja: wie – sich „Breaking Brain“ von den anderen fünf Alben von Panzerballett unterscheidet. Breaking Brain ist das erste Album der Band, das ich in die Finger bekomme. Hinzu kommt, dass Metal und ich nicht immer die besten Freunde sind. Aber ich bewundere die Komplexität und Experimentierfreude der Musiker. Ich hätte nie erwartet, dass Jazz und Metal so gut zusammen funktionieren können.

Überraschender Langzeiteffekt

Ich war wirklich überrascht. Trotz anfänglicher Widerstände habe ich mir das Album gerne durchgehört und einiges in der Musik für mich entdeckt. Vieles gefällt mir außerordentlich gut! Ein „Lieblingsstück“ des Albums zu benennen wäre etwas vermessen. Doch „Typewriter II“ und „Smoochy Borg Funk“ fand ich ziemlich klasse. Allerdings kann ich im Detail tatsächlich nicht genau sagen warum.

Breaking Brain

Panzerballett – Breaking Brain ist eine Herausforderung. Für jeden. Für Musikkonsumenten, die Abweichungen vom vier Vierteltakt bereits an die Grenzen ihrer musikalischen Aufnahmefähigkeit bringen, ist dieses Album nichts. Geht weiter, für Euch gibt es hier nichts zu sehen. Musiker, die sich gerne darin versuchen, andere Musiker nachzuspielen, dürften hier eine neue Welt voller ungeahnter Schwierigkeitsgrade entdecken. Entdeckst Du gerne neue Musik? Erweiterst Du gerne Deinen musikalischen Horizont? Magst Du hochkarätige Musiker? Gefällt es Dir, wenn unerwartete Musikstile erfolgreich zusammengebacht werden? Wenn ja, dann solltest Du Dir Panzerballett – Breaking Brain unbedingt in Ruhe anhören.

Panzerballett – Breaking Brain erscheint am 30.10.2015 bei Gentle Art of Music

Offizielle Webseite von Panzerballett

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