Papst Franziskus – Wake Up! : Wenn die Kirche eben nicht im Dorf bleibt…

Musik aus dem Vatikan

Wenn Papst Franziskus ein Album aufnehmen und publizieren lässt, ist das bemerkenswert. Ist das dann ein modernes Album mit Rockmusik, um so mehr. Als vor einiger Zeit die Promo-Mitteilung durch lief, dass ein Album aus Rom unterwegs sei, hielt ich das für einen Scherz. Etliche Rückfragen später war jeder Zweifel ausgeräumt. Das ist kein Scherz, sondern tatsächlich ernst gemeint.

Seit heute steht Pope Francis – “Wake Up!” in den Regalen, übersetzt “Papst Franziskus – Erwachet!”. Ich hatte endlich Zeit, mir das Album anzuhören und so viel sei neidlos anerkannt: Das technische Niveau der Aufzeichnung ist phänomenal. Musikalisch ist das Album nicht unbedingt für jeden “der Hit”. Ein sanfter, um nicht zu sagen seichter Mix aus leichtem Rock, Weltmusik und “typisch” kirchlich-sakraler Musik. Chöre und Einzelmusiker sind vertreten und auch seine Heiligkeit, Papst Franziskus, kommt zu Wort.

Worte treffen auf Musik

Genau das ist mein Problem. “Zu Wort kommen” ist wörtlich gemeint. Franziskus redet. Das wäre jetzt nicht so schlimm, denn seine Heiligkeit hat interessante und bedenkenswerte Dinge zu sagen. Das Problem? Ich verstehe kein Wort. Leider verstehe ich nun mal weder italienisch, noch beherrsche ich portugiesisch oder spanisch. Deshalb bin ich gezwungen, mich durch das immerhin 24 Seiten starke Booklet zu arbeiten, um festzustellen: Eine Lupe wäre toll. Immerhin: Im Netz gibt es den Inhalt als deutschsprachiges PDF (http://popefranciswakeup.believedigital.com/Booklet_Pope_Francis_WakeUp-de.pdf). Das erleichtert die Sache zwar ungemein, aber jedes Mal eine Übersetzung lesen zu müssen lenkt doch erheblich ab.

Eine angenehme Stimme hat seine Heiligkeit und was er sagt, ist nicht unbedingt das, was ich erwartet habe. Klar, manches wirkt inhaltlich auf den ersten Blick ziemlich mau, wie zum Beispiel seine erste Begrüßung aus der Central Loggia der Peterskirche des Vatikan (Italien), 13. März 2013. Das ist inhaltlich nicht der Knüller. Doch es ist ein Zeitzeugnis mit geschichtlichen Wert.

Gebete in der Musik

Bei den Gebeten bin ich ehrlich überfordert. Ich bin weder religiös genug, noch weiß ich genug, um den “richtigen” Kontext herstellen zu können. Darum erreichen mich diese Texte nicht so, wie sie vielleicht von jemandem mit anderen Voraussetzungen aufgenommen werden. Da ich weder die Sprachen verstehe, in der seine Heiligkeit spricht, noch die Sprachen, in denen die Lieder vorgetragen werden, ist es mir nahezu unmöglich irgendetwas dazu zu sagen, wie Liedtext und Rede zueinander passen. Das ist schon etwas frustrierend für mich.

Manche Texte von Papst Franziskus sind harsche Kritik an dem, was wir als Menschheit tun und da sind auch einige echt “dicke Dinger” mit bei, die seine Heiligkeit uns da um die Ohren haut. Insbesondere, wenn man sich klar macht, wer das da sagt und wofür dieser Mann steht. Zum Beispiel: “Gott vergibt immer. Die Menschen verzeihen manchmal. Die Erde verzeiht nie!” Oder auch: “Es gibt ein weltliches Mitleid, das uns nichts nützt! Ihr habt etwas davon erzählt. Ein Mitleid, das uns höchstens dazu bringt, mit der Hand in die Tasche zu greifen und eine Münze zu geben.” Der Mann hat was zu sagen und es lohnt sich durchaus, über seine Worte nachzudenken – egal ob man nun gläubiger Christ ist oder nicht.

Was für Musik kommt aus dem Vatikan?

Zum Glück redet Papst Franziskus aber nicht die ganze Zeit. Dadurch bleibt auch Platz für Musik. Diese Musik ist nicht unbedingt das, was ich erwartet habe, aber so ganz weit weg ist das nun auch wieder nicht. Es ist – für ein quasi offizielles Album der Kirche – erstaunlich modern und sogar rockig. Das hat mich ehrlich verblüfft. Ich muss mich losmachen von meinen Vorbehalten und das kostet einige Mühe. Ja, das ist ein kirchliches Werk und deshalb sind alle Vorbehalte angebracht. Bei der Bewertung der Musik jedoch stehen sie jedoch einfach nur im Weg. Dem Album ist die innere Anspannung anzumerken, der Konflikt, sich auf etwas “Neues” einzulassen. Pope Francis – Wake Up! ist auf allen Ebenen ein Politikum. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute unbedingt bei diesem Album und seiner Realisierung “maßgeblich mitreden” wollten.

Herausragende Musiker

Mir bleibt nichts Anderes übrig, als das Album einfach auf mich wirken zu lassen. Dabei fällt mir vor allem eins auf: Die Musiker sind unfassbar gut. Egal ob Sängerin, Gitarrist oder was auch immer: Da passt alles. Jede Akzentuierung, jede Betonung, jede Note sitzt auf den Punkt. Bei aller Perfektion ist aber auch deutlich zu spüren, dass die Musiker auch noch Spaß bei der Sache hatten! Dies ist kein synthetisches Album, auch wenn es meilenweit von sagen wir mal “Gypsy King” oder “Motor An!” weg ist. Dementsprechend “ballert” das Album nicht. Täte es das, wäre wahrscheinlich nicht nur ich richtig verblüfft.

Fazit

Über alles gesehen ist Pope Francis – Wake Up! ein aus ganz vielen Gründen bemerkenswertes Album, das bestimmt nicht für jeden funktioniert und auch nicht für jeden gemacht ist. Allerdings sollte man dieses Album auch nicht leichtfertig abtun, denn es ist Ausdruck eines Versuches einer uralten Institution, die Menschen musikalisch abzuholen.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Reden von Papst Franziskus nicht in die Musik eingebettet wären, sondern als eigene Tracks auf dem Album stehen. Vermutlich soll so die Verbindung von Text und Musik verstärkt werden, spekuliere ich. Das funktioniert allerdings bei mir nicht, weil ich wie gesagt nicht verstehe, was da erzählt wird.

Bleibt die Frage, wem ich dieses Album empfehle. Puh. Als Zeitzeugnis ist es bestimmt von einigem Wert. Für gläubige Christen ist es darüber hinaus auch auf einer ganz anderen Ebene von übergeordneter Bedeutung. Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf des Albums kommt direkt der Flüchtlingshilfe zugute und das mag für manche auch wichtig sein. Musikalisch ist das Album vielleicht prädestiniert als Weihnachtsgeschenk für Eltern oder Großeltern. Partymusik ist “Erwachet!” bestimmt nicht.

Papst Franziskus (Pope Francis) – Wake Up! ist erschienen am 27.11.2015 bei San Paolo Multimedia / Believe Digital / Soulfood

Webseite des Albums: http://popefranciswakeup.believedigital.com/#de

Webseite des Vatikans: http://w2.vatican.va/content/vatican/de.html

2 KOMMENTARE

  1. Wieso darf ich hier keine Bilder einfügen? Wieso macht die GEMA hier beim Video die Blutgrätsche? Ich überweise jeden Monat direkt an den Künstler!

    Frechheit!

    • Also das mit GEMA und Video musst Du bitte mit den beiden betroffenen Parteien klären. Auf uns hören die leider nicht.
      Zu den Bildern: Ja. Ist ein Problem. Aber da weder Frank noch ich hier alle 15 min nachgucken wollen (können), ob nicht schon wieder ein Super-Angebot für klasse Ray Bean Sonnenbrillen (garantiert echt!!!!11einself) aufgetaucht ist, müssen wir euch diese Unbequemlichkeit leider aufbürden.

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