Pink Floyd – Remaster auf Vinyl, Part 1

Mehr Oldschool geht nicht

Wem man noch großartig irgendwas dazu erklären muss, wer oder was Pink Floyd waren und warum diese britische Rockband von überragender Bedeutung ist, der hat wahrscheinlich bis heute in einer Höhle in der Antarktis gelebt. Es gibt einfach keine glaubwürdige Entschuldigung dafür, diese Band nicht zu kennen. Oder wenigstens ein paar Songs. Wenigstens EINEN!

Wer sich zu den Glücklichen zählen kann, nicht nur „The Wall“ oder „Comfortably Numb“ zu kennen, der dürfte bei den Namen „The Piper At The Gates Of Dawn“, „A Saucerful Of Secrets“, „More“ und „Ummagumma“ auch sofort wissen, was die Uhr geschlagen hat: Dies sind die Namen ersten vier Studio-Alben der Band die zwischen 1967 und 1969 veröffentlich wurden. Wer diese Alben wirklich haben will, will sie mit einiger Sicherheit als Schallplatte, als Vinyl. Das Problem war bisher, dass die ursprünglichen Pressungen nicht mehr hergestellt werden und seit Jahren vergriffen sind.

Pink Floyd – Remaster: Hilfe naht!

Warner und Pink Floyd Records konnten sich nach gefühlt tausenden von Jahren endlich dazu durchringen, diese Alben neu aufzulegen. Man sah sich allerdings gleichzeitig auch das ursprüngliche Material nochmal an und dachte sich wohl, dass man bei der Gelegenheit doch gleich dem Sound vielleicht ein wenig nachhelfen könnte. Und so entstanden die Pink Floyd Vinyl – Remaster Re-Issues, die jetzt in die Läden kommen, mit richtigem Cover, auf 180 Gramm Vinyl, mit gefütterten Sleeves.

Ecce Homo Borja„Pink Floyd“ und „Remaster“ in einem Satz wird nicht nur bei den Hardcore-Fans ein leichtes Stirnrunzeln hervorrufen. Sich dieser herausragenden Klangwerke anzunehmen, alleine daran zu denken, löst sofort panische Assoziationen aus. Bilder des Freskos „Ecce Homo“ in Borja (Spanien) schießen durch den Kopf, begleitet von mehr als nur einem verzweifelt gewinselten „NEIN! Finger weg!“

Wirklich jeder, inklusive seiner Nachbarn, deren Friseure und deren Hund, sind sich darüber im Klaren, dass es hier um Alben geht, für die „Kultstatus“ schon eine milde Untertreibung ist. Entsprechend hat man sich mit der Auswahl der Ingenieure und Techniker Zeit gelassen und nur Größen der Branche ans Werk gelassen. Ein „Klangvergleich“ kann hier nur anhand digitaler Kopien der ursprünglichen Veröffentlichungen durchgeführt werden – die Originale sind finanziell einfach außerhalb unserer Reichweite. Angesichts der Tatsache, dass Vinyl immer anders klingt als CD, kann der direkte Vergleich nicht wirklich fair und deshalb auch nur wenig befriedigend ausfallen. Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich, dass wir unseren subjektiven Höreindruck zugrunde legen und kein Messlabor betreiben – das wollen wir auch gar nicht.

The Piper At The Gates Of Dawn

Pink Floyd The Piper At The Gates Of DawnEs ist DAS Album mit Syd Barret an der Gitarre (der eigentlich Roger Keith Barret hieß, aber sei es drum) aus den legendären Abbey Road Studios. Dem Pink Floyd – Remaster haben sich James Guthrie / Joel Plante / Bernie Grundman angenommen und ihre Arbeit beruht auf dem ersten UK-Stereo-Release des Albums. Zwei Monate zuvor war die erste Pressung von The Piper At The Gates Of Dawn als Mono-Aufnahme veröffentlicht worden. Der Unterschied der UK-Stereo- zur später folgenden US-Stereo-Fassung besteht in erster Linie in der Zusammenstellung der Tracks.

The Piper At The Gates Of Dawn ist aus der Frühphase der Band wahrscheinlich das für „Neulinge“ zugänglichste Werk. Die Experimentierfreude der Band ist zwar schon deutlich zu erkennen, aber die Band lebt diesen Drang noch nicht aus, der später für lange Zeit so etwas wie das Markenzeichen von Pink Floyd werden sollte. Die Texte handeln von Fantasiewelten, deren Schattierungen hier noch von kindlicher Naivität bis hin zu SciFi-Visionen reichen. Der sphärische Sound der Band dieses Albums wurde später weiterentwickelt und Grundlage des psychedelischen Image der Band. Das Rolling Stone Magazine wählte 2003 The Piper At The Gates Of Dawn in die Liste der 500 besten Alben aller Zeiten (#347). In Großbritannien erreichte es #6 der Charts.

Der Klang der Platte ist überwiegend angenehmer, wärmer als die der uns zur Verfügung stehenden CD von 1994. Das Remastering ist gut gelungen und auch die Pegelanpassungen (Stichwort: „Loudnesswar“) sind gut gelöst worden. Die Pressung ist Makellos und obwohl das Debüt der Band noch mit verhältnismäßig kleinem Budget eingespielt wurde, klingt dieser Remaster qualitativ schon sehr nach „großer Band“ und ist sehr gut geworden.

A Saucerful Of Secrets

Pink Floyd A Saucerful Of SecretsDas zweite, ebenfalls in den Abbey Road Studios entstandene Studioalbum von Pink Floyd, ist ein Album des Übergangs. Veröffentlicht Ende Juni 1968 stammen die Aufnahmen aus einer Phase der Band, in der Syd Barret zunehmend unter seinen Problemen zu leiden hatte, was sich stark auf die Band auswirkte. Barret wurde schließlich zunächst durch Jeff Beck, später dann durch David Gilmour ersetzt. Kommerziell war A Saucerful Of Secrets zwar nicht gerade ein Flop, aber auch längst nicht so erfolgreich wie sein Vorgänger, was auch am Stilwechsel der Band gelegen haben könnte. Es erreichte dennoch #9 in den Britischen Charts, während es als einziges Album der Band in den USA nie in die Charts schaffte.

A Saucerful Of Secrets zeichnet auch den musikalischen Wandel der Band nach, die sich auf diesem Album komplett vom Pop abwendet und nachdrücklich psychedelisch wird. Gleichzeitig wird der Sound der Band dichter und zum ersten Mal sind die später zum Markenzeichen der Band werdenden Sounds zu hören. Auch dieser Pink Floyd – Remaster basiert auf dem UK-Stereo-Release (siehe oben). Klanglich gefällt diese Vinyl-Remaster vor allem deshalb, weil die teils schrillen Obertöne der 1994er CD sauber überarbeitet wurden. Das Album ist klanglich besser ausbalanciert und hat einen größeren Bassanteil, der dem Album gut tut.

Music From The Film More

Music From The Film More - Pink Floyd - RemasterDer erste Soundtrack der Band, meistens einfach nur „More“ genannt, erschien 1969 und ist das erste in den Abbey Road Studios ohne Syd Barret aufgenommene Album von Pink Floyd. Die Band interpretierte für diesen Soundtrack zum Teil bereits bestehende Kompositionen auf Grundlage der Rohfassung des Films von Barbet Schroeder neu und nahm das Album in nur acht Tagen auf. Den Songs ist teilweise deutlich anzumerken, dass sie eigentlich eher als Hintergrundmusik konzipiert sind, wodurch das Album insgesamt hinter seinen Möglichkeiten etwas zurück bleibt, dennoch ist More ein bemerkenswertes Album, da der Band hier zum ersten Mal von ihrem Label komplett freie Hand gelassen wurde, wodurch die Experimentierfreude der Band gefördert wurde. Musikalisch spiegelt sich dies in einer abwechslungsreichen, beinahe Farbenfrohen Musikzusammenstellung wieder, in der die Band verschiedene Stile zwischen Jazz und Rock ausprobiert.

Der Pink Floyd – Remaster ist „gelungen“, wobei auch die uns zur Verfügung stehende CD von 2011 klanglich kaum zu beanstanden ist. Hier und da ist vielleicht etwas mehr Tiefe spürbar, sind Passagen vielleicht einen Hauch luftiger, aber wirklich gravierende Unterschiede konnten wir nicht heraushören – was wohl bedeutet, dass die Aufnahmequalität dieser Platte mindestens auf hohem Niveau ist.

Ummagumma

Pink Floyd Ummagumma - Pink Floyd - RemasterUmmagumma ist ein zweiteiliges Album. Die erste Schallplatte besteht aus Live-Aufnahmen der Band vom Auftritt im „Mothers“, einem Club in Cambridge, und im Birmingham & Manchester College of Commerce aus dem Juni 1969. Bis Ende der 1980er Jahre war dies das einzige Live-Album der Band. Die zweite Platte räumt jedem Bandmitglied jeweils eine Halbe LP-Seite lang Raum ein sich darzustellen und auszuprobieren. Stilistisch bewegt sich das Album deshalb in klar erkennbaren Sektionen: Richard Wright – atonale Musik / Free Jazz, Roger Waters – Folk, David Gilmour – Psychedelic Rock /Avantgarde und Nick Mason – Perkussion / Flöte. Alle vier Musiker benutzten elektronische Instrumente, verwenden mit Tonbändern realisierte Loops, Stereoeffekte und weitere technische Effekte auf der Höhe der Möglichkeiten der damaligen Zeit.

Musikalisch ist Ummagumma eine – je nach Vorliebe – Mischung aus angenehmer und sehr fordernder Musik, deren Aufzeichnung und Remastering jedoch nur als genial bezeichnet werden kann. Im direkten Vergleich zu der uns zur Verfügung stehenden Version von 1986 sind beide Pink Floyd – Remaster LPs um Längen besser, in jeder Hinsicht. Dynamik, Klangfarbe, Aussteuerung – egal in welchem Aspekt, diese Pressung gewinnt klar. Sie ist zwar auch deutlich lauter, was auf eine erhebliche Pegelanhebung schließen lässt, aber gleichzeitig auch klarer und die Instrumente sind räumlich besser ortbar.

Darf man…?

Ja. Man darf. Der Vinyl Pink Floyd – Remaster ist außerordentlich gelungen und wer Fan von Pink Floyd ist, darf sich diese Chance nicht entgehen lassen. Alle Alben sind auf der Höhe der Zeit reproduziert und mit großartigem Sachverstand behutsam und kompetent bearbeitet worden. Wir konnten an keiner Stelle Defizite heraushören, die gegen diese Alben sprachen und auch das Artwork ist hervorragend reproduziert, bis hin zum imitierenden Aufdruck der damals üblichen Klebelaschen. In diesem Release steckt viel Liebe zum Detail, die das Herz eines Pink Floyd Fans höher schlagen lassen.

Pink Floyd – Remaster (Vinyl) erscheinen am 03.06.2016 bei Pink Floyd Records / Warner

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Pink Floyd – Careful With That Axe, Eugene

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