Pink Turns Blue – The AERDT – Untold Stories

High-End Indie-Alternative mit Wurzeln in Deutschland

Pink Turns Blue war Ende der 80er ein Geheimtipp in Szenekreisen und wurde oft und gerne mit The Cure verglichen, obwohl das der Musik der Band nicht gerecht wurde. Das 1990 veröffentlichte Album Emerite wird vielen wegen “Michelle” heute noch in Erinnerung sein. 1991 veröffentlichte die Band AERDT und bis zur Auflösung der Band 1995 hatte die Band einige bemerkenswerte Erfolge, unter Anderem “Walking on Both Sides”, “Your Master Is Calling”, “The First”, “I Coldly Stare Out”, “Touch the Skies”, “Catholic Sunday”, “Missing You”, “If Two Worlds Kiss”, “Moon” oder auch “Seven Years”.

2003 trat die aus Berlin stammende Band wieder gemeinsam auf und veröffentlichte 2004 die bezeichnende Greatest Hits Compilation Re-Union und 2005 das Album Phoenix, mit dem die Band sich endgültig wieder zusammen fand. Jetzt veröffentlicht Pink Turns Blue The AERDT – Untold Stories. Ich hatte den leisen Verdacht, dass die Band hier einen Rückgriff auf das Material des Albums von 1991 oder eine Art Neuauflage des Albums versucht, doch das Gegenteil ist der Fall.

The AERDT – Untold Stories

Die Anlehnung oder vielleicht besser gesagt die Verwandtschaft zu AERDT besteht in der Reduzierung auf das Wesentliche. Die Band besteht nur noch aus drei Mitgliedern: Mic Jogwer (Gesang, Gitarre, Piano), Ruebi Walter (Bass, Keyboard), Paul Richter (Drums). Das zwang die Band zum Überdenken der eigenen Musik und das hat sich gelohnt. The AERDT – Untold Stories ist ein minimalistischer Ausflug in die Sphären von Post-Punk, Indie, Alternative.

Das Album ist beinahe eine Rückkehr in die Underground-Stimmung der späten 80er und frühen 90er, doch es ist anders. Einerseits ist der Sound moderner. Untold Stories klingt insgesamt runder, ausgewogener, vielleicht auch stimmiger. Dazu kommt, dass die Bandmitglieder Erfahrungen gesammelt haben und älter geworden sind. Das schlägt sich direkt in der Musik wieder, die ein Gefühl vermittelt, dass Pink Turns Blue einiges gesehen und erlebt hat, dass die Band etwas zu erzählen hat. Besonders Tomorrow Never Comes transportiert dieses nachdenklich-abgeklärte Gefühl sehr greifbar.

Das Besondere an The AERDT – Untold Stories ist nicht, dass es ein weiteres Album der Band ist oder die Reduzierung auf drei Mitglieder oder die damit verbundene Minimalisierung des Sounds. Das Besondere ist, dass die Band es schafft, an ihre großen Songs anzuknüpfen, die Musik von damals wieder in die Hand zu nehmen. Nein, dieses Album klingt nicht “neu” und genau das ist der Punkt!

Das Album ist ein Zirkelschluss, den das Album auch nachzeichnet. Beginnend in der Nähe des Punk werden die Songs im Laufe des Albums zunehmend atmosphärischer, verändert sich der Charakter. Wilder Protest weicht Frustration, weicht nachdenklicher Resignation und Verzweiflung, zunehmend durchsetzt mit der stillen Wut über Dinge, die sich einfach nicht ändern. Es ist ein Album, das anders rebelliert, kritisiert, widerspricht, im Kern aber nichts von dem verloren hat, was schon immer das Elementare von Pink Turns Blue war.

The AERDT – Untold Stories ist ein unglaublich dichtes Album, das die Stimmungslage und die Ideen der Band hervorragend transportiert und auch zeigt, wie Vielseitig die Band ist. Der letzte Track des Albums, das großartige “Devil”, fasst das Album brillant zusammen, bündelt die Fäden und kristallisiert die Essenz und die Energie der Band des Albums in einem einzelnen Song, der die Wucht einer ganzen Generation in sich trägt: Fesselnd, ernst, und gleichzeitig entfesselt und furios. Grandios.

Pink Turns Blue – The AERDT – Untold Stories erscheint am 15.04.2016 bei Orden Records

Offizielle Webseite von Pink Turns Blue

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PINK TURNS BLUE – DIRT (for public streaming)

Pink Turns Blue – Michelle [Albumversion, Video]

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