Queens Of The Stone Age – Villains

Evolution eines Mythos

Der Mythos der Queens Of The Stone Age lebt vor allem von zwei Dingen: Joshua Homme und einer schwer zu fassenden Erwartungshaltung. Mit den Erfahrungen aus der Zeit bei Kyuss und dem Einfluss der Palm Dessert Szene entstand Ende der 1990er eine Band, deren Musik in sich zäh ist, sich vielen geläufigen Begriffen von Rock entzieht. Die zum Teil sehr komplizierten Gitarrenriffs und das häufig minimalistische Schlagzeug erleichtern das Eintauchen in die Welt der QOTSA, der Queens Of The STone Age, auch nicht gerade. Trotzdem strahlt die Musik etwas aus, das für sich selber steht, das die Musik einmalig macht. Villains, das siebte Studioalbum der Band, ist da keine Ausnahme.

Joshua Homme „umtriebig“ zu nennen, ist eine glatte Untertreibung. Neben den sieben Alben mit den Queens Of The Stone Age enstanden in den letzten zwanzig Jahren vier Alben mit den Eagles Of Death Metal, eins mit Them Crooked Vultures, zehn Desert Session EPs und mindestens 31 andere Kollaborationen, zuletzt das bemerkenswerte Post Pop Depression zusammen mit Iggy Pop. Joshua Homme ist nicht nur ein musikalisches Arbeitstier, er schäumt quasi über vor Ideen und Inspiration.

Queens Of The Stone Age

Die Band spielt gekonnt mit Erwartungshaltungen. Selbstverständlich wird von den Queens Of The Stone Age immer wieder etwas mehr oder weniger Stoner-lastiges erwartet, oder wenigstens doch diese markante Palm Springs Atmosphäre mit ihrem charismatisch-widerspenstigen Rock, der mit „eigenwillig“ vielleicht noch großzügig umschrieben ist. Zwar wird die Band immer wieder mit No One Knows und Go With The Flow in Verbindung gebracht, aber über alles gesehen klang die Band eher selten so. Oft war die Musik doch völlig anders.

In einem Interview im Jahr 2000 sagte Joshua Homme: „Rock sollte hart genug für die Jungs sein und süß genug für die Mädchen.“ Es ist diese Idee, die sich immer wieder durch die Musik der QOTSA zieht und ihr eine feminine Seite verleiht. Der Wechsel zwischen hartem Abgehen und schmusigem Ankuscheln findet sich in fast jedem Song der Band. Dazu gehört auch, dass seine Gesangsstimme eher nicht der des typischen Rockers entspricht. Er singt eher in den oberen Tonlagen, verfällt immer wieder in ein Falsetto. Er klingt eher nach einem David Bowie als nach einem Lemmy Kilmister.

Villains

Es ist gerade dieser Widerspruch, der Queens Of The Stone Age – Villains den Boden bereitet. Es ist einerseits die Erwartung, eine neue Fassette des Dessert Rock, des Palm Spring Flairs vorgeführt zu bekommen, ein Warten auf ein neues Rated R, dass dem eigenen Bild des Rockers aus der Wüste eher gerecht wird. Villains ist genau das nicht. Zwar sind alle Elemente da, die Queens Of The Stone Age auszeichnen. Da ist der beinahe völlig aufgelöste Riff (Domesticated Animals), der beinahe mechanische Boogie-Rock (The Way You Used To) und natürlich die hingebungsvollen Ausflüge ins Psychedelische (Hideway).

Villains ist immer wieder durchzogen von Verneigungen vor anderen Künstlern. Für mich am Deutlichsten in Domesticated Animals, das phasenweise verdammt nah an eine Bowie-Nummer heran kommt und Into The Black, das seine Nähe zu Neil Young nur schwer leugnen kann. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass Villains im United Recording Studio aufgenommen wurde, wo auch Nat King Cole, Frank Sinatra und Dizzy Gillespie nach der Capitol-Ära ihre Alben einspielten. Villains klingt erstaunlich wenig nach staubiger Wüste, sondern mehr nach dem Großstadtdschungel mit seiner Hektik, Überbevölkerung und Anonymität.

Ein eigenes Ding

Bei Villains fällt auf, das die Musik deutlich selbstfokussiert ausfällt. Die Queens Of The Stone Age veröffentlichen mit Villains ein Album, das weder irgendetwas Globales bewegen will, noch will es die Rockmusik retten. Das Album ist auf seine Art progressiv, aber eher in der Art, dass sich die Musik der Band entwickelt und weniger in Bezug auf die Weiterentwicklung des Genres als solchem. Die Band spielt als in sich geschlossener Organismus, der sich für Beobachter immer wieder erratisch und unvorhersehbar verhält. Über alles gesehen ist dann aber doch alles konsistent und stimmig, ergibt Sinn und passt zusammen – das gilt selbst Head Like A Haunted House.

Villains ist vielleicht eine Suche. Vielleicht sucht die Band nach etwas, was sie selbst nicht klar formulieren kann, weil es eher eine nebelige, verschwommene Idee ist. Die Band auf dieser Suche zu begleiten ist trotzdem spannend und abwechslungsreich. Es sind immer wieder bemerkenswerte, wenn nicht sogar geniale Ideen, die auch Villains zu einem besonderen Album machen.

Ich bin mir sicher, dass viele dem Album ratlos begegnen werden, ein oder zwei Songs für sich entdecken und den Rest ignorieren. Das ist okay, denn es geht der Band nicht um das, was andere wollen oder erwarten. Es geht der Band um sich selbst. Daran lässt sie andere teilhaben. Nicht mehr, nicht weniger. Was andere daraus machen, ist deren Problem, nicht das der Queens Of The Stone Age und erstrecht nicht das von Joshua Homme.

Queens Of The Stone Age – Villains erscheint am 25.08.2017 bei Matador Records / Beggars Group / Indigo

Offizielle Webseite der Band

Bandseite auf Facebook

Queens of the Stone Age – The Evil Has Landed (Audio)

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT