Raf Rundell – The Adventures of Selfie Boy Part 1

Stilbruch

Raf Rundell hat sich als Teil der britischen Formation „The 2 Bears“ Namen gemacht. Dieses Duo ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es Genres kreuz und quer miteinander vermengt und zu neuen Stilen verschmilzt. Unter dem Pseudonym „Selfie Boy“ erkundet Raf Rundell Nischen, die vielleicht entfernt mit Singer-Songwriter und Indie zu tun haben, dann aber doch völlig anders sind, die Grenzen der tangierten Genres aufbrechen, ihre Fragmente neu kombinieren und sich trotzdem im selbstgesetzten Rahmen bewegen. Trotzdem hat das alles wenig mit The 2 Bears zu tun und irgendwie doch wieder alles.

Es ist kompliziert. Raf wandert seine musikalischen Wege entlang und nimmt mit, was ihm links und rechts am Wegesrand auffällt und gefällt. Dieses Sammelsurium wird eingebettet in Gitarre auf der einen und Elektronik auf der anderen Seite, die als flankierende und lenkende Elemente dienen. Insbesondere der Einsatz der Gitarre lässt die Musik des Albums „The Adventures of Selfie Boy Part 1“ immer wieder in die Nähe von Singer-Songwriter pendeln, aber das elektronische Gegengewicht macht daraus immer wieder anderes.

The Adventures of Selfie Boy Part 1

Das Album ist erstaunlich entspannt und gleichzeitig aktiv. Die Musik ist aus sich selbst heraus vital, positiv und unbestreitbar gut gelaunt. Gleichzeitig ist sie aber auch wahnsinnig entspannt und unverkrampft. Raf Rundell umschifft die Klippen der belanglos vor sich hin plätschernden Lounge Musik ebenso geschickt, wie die Untiefen vieler Progressive- oder Neo-Stile. Es ist ein Album, das einerseits „bloß“ ein Häppchen ist – immerhin ist dieses Album mit nur sechs Songs und rund 26 Minuten Laufzeit vergleichsweise kurz. Andererseits ist dieses Album aber auch eine Art Ouvertüre, ein Anriss dessen, was jenseits dieser Türen warten könnte.

Die Komplexität der Kollage täuscht mit seiner gefälligen Leichtigkeit darüber hinweg, wie weitreichend die Experimente sind, die Raf Rundell hier wagt. Er traut sich an Bereiche heran, die von etlichen Fans als sakrosankt, als unantastbar, angesehen und entsprechend verbissen verteidigt werden. Die bemerkenswert unbefangene, ja sogar unbekümmerte Auseinandersetzung mit scheinbar unvereinbaren musikalischen Gegensätzen ist nicht nur aus künstlerischer Sicht hörenswert, sondern wirklich gute Musik und das ist es, was dieses kleine Album zu einem Highlight des Jahres macht.

Raf Rundell – The Adventures of Selfie Boy Part 1 erscheint am 09.12.2016 bei Pias / 1965 Records / rough trade

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