Red Mountains – Slow Wander

Skandinavische Wüste

Ihr konstanter, rollender Rhythmus, das jammend klingende Fundament und der warme psychedelische Einschlag erinnert eher an Kalifornien, vielleicht an Palm Springs. Aber Red Mountains stammen nicht aus der Wüste, sondern aus dem ganz hohen Norden, aus Trondheim in Norwegen. Die sonst so oft im Sound nordischer Bands verewigte Dunkelheit und arktische Kälte fehlen völlig auf dem neuen Album von Red Mountains – Slow Wander. Stattdessen prägt die Musik ein Gefühl von Weite, Wärme, Geborgenheit und Harmonie.

Die Wurzeln im Hard Rock, die Nähe zum Stoner und die Hinwendung zum Psychedelic ergeben ein Album, das luftig wirkt, beinahe schwebende Sounds transportiert. Die Langsamkeit ist es, die dem Album einen eigenen Charme verleiht. Die Musik der Red Mountains ist erfrischend unaufgeregt, frei von jeder Hektik. Es fehlt der in letzter Zeit bei etlichen Bands immer wieder erkennbare Aktionismus und die Red Mountains halten sich auch raus aus dem Sog des Feature-Wahns, dem Streben, immer mehr und mehr in die eigene Musik hineinstopfen zu müssen.

Slow Wander

Dadurch klingt Slow Wander einerseits aufgeräumt, andererseits aber auch nicht so überladen, zu wuchtig. Stattdessen halten Red Mountains eine zwar durch entspannte Langsamkeit geprägte Richtung, die aber immer wieder eine teils treibende, teils ziehende Dynamik entfaltet. „Langsam“ bedeutet nicht „langweilig“, im Gegenteil. Die schön integrierten Blues- und Soulanteile geben der Musik von Slow Wander eine bemerkenswerte Emotionalität, die weder erzwungen noch gekünstelt wirkt. Sie ist einfach da.

Dieses Emotionale ist es auch, das Slow Wander von anderen Alben unterscheidet. Die Stimmung ist ständig in Bewegung. Nirgends erschlägt die Musik mit wuchtiger Depression oder versucht mit dem unausweichlichen Ende der Welt zu erdrücken. Die Balance zwischen Rock und Jam, zwischen Psychedelic und Stoner ist bemerkenswert gut gelungen. Das Quartett, bestehend aus Magnus Riise (Vocals, Gitarre), Jostein Wigenstad (Vocals, Gitarre), Sverre Dalen (Bass) und Simen Mathiassen (Drums), harmoniert musikalisch auf Slow Wander und transportiert diese Harmonie spürbar.

Konsistent und durchdacht

Obwohl der Jam-Charakter immer wieder deutlich wird, steht Slow Wander doch nie am Rande des sinnlosen Geschrammels. Alles auf diesem Album ergibt Sinn, passt zusammen. Nichts wirkt zufällig oder nachträglich dazwischen geklemmt. Slow Wander ist genau das, was der Titel besagt: Eine langsame Wanderung. Was Du auf dieser Wanderung siehst, erlebst oder davon mitnimmst, bleibt Dir selbst überlassen. In erster Linie geht es darum, die Wanderung zu genießen.

Deshalb funktioniert dieses Album auch am besten, wenn es in einem Stück gehört wird. Die Stücke erschaffen sehr subtil einen langen Bogen, der im Nachhinein einen schwer zu beschreibenden Zusammenhang erkennbar macht. Den Flow des Albums gezielt zu unterbrechen oder die Stimmung einzelner Songs transportieren zu wollen, fällt nicht nur schwer, es ergibt auch keinen Sinn. Die Musik der Red Mountains ist ein organisches Ganzes, dessen Teile isoliert voneinander lange nicht die Wirkung entfalten und Funktion erfüllen können, wie als Teil des Ganzen.

Bei Slow Wander gefällt mir insbesondere die Ästhetik der verwendeten musikalischen Grammatik. Die Band isoliert ihr Spiel nicht in einem Genre oder einer Stimmung. Zwar wirkt es immer wieder, als wolle die Band hin zum Psychedelischen, aber das täuscht. Dieser Stilwechsel gehört ebenso zum Konzept des Albums, wie die stilistisch extrem unterschiedlichen Soli. Dazu die bewusst warme, breite Stimmung der Instrumente und fertig ist ein bemerkenswert grooviges, stimmiges Album.

Red Mountains – Slow Wander erscheint am 01.09.2017 bei All Good Clean Records

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