Rotor – Fünf: Instrumentaler Stoner mit Biss

Nummer Fünf lebt

Rotor ist seit langem eine feste Größe in der deutschen Stoner-Rock-Szene. Spätestens seit den Support-Touren mit Colour Haze und den eigenen Headliner-Touren sind Rotor auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die Band beweist seit 1998, dass Stoner-Rock nicht zwangsläufig Gesang benötigt, denn abgesehen von ein paar Ausnahmen sind ihre Songs immer instrumental. Die Musik von Rotor ist eine Mischung aus den alten Kyuss, Colour Haze und einer gehörigen Portion Progressivität. Für ihre motorischen Grooves, die komplexe Taktarbeit und der Mischung aus psychedelischen und harten Moshparts werden sie zu Recht seit Jahren gefeiert.

Fünf

Rotor – Fünf ist, erraten, das fünfte Studio Album der Berliner. Die erste Besonderheit beim neusten Langspieler ist die Banderweiterung. Denn “Fünf” ist das erste Rotor Album mit zwei Gitarristen. Die Berliner geben also ihren lang bewährten Status als Power Trio auf und spielen jetzt in einer eher klassischen Stoner-Besetzung. Zwar kam das aufs Wesentliche reduzierte Trio bei den Fans immer sehr gut an, aber die zweite Gitarre steht Rotor unglaublich gut. Das Zusammenspiel von Gitarren, Bass und Schlagzeug greift besser ineinander denn je.

Der zweite Unterschied, im Vergleich zu allen vorigen Alben, ist der Verzicht auf ein Tonstudio während der Aufnahme. Um das Album einzuspielen, haben Rotor einen alten abgelegenen Hof gemietet und die gesamte Musik in Eigenregie live aufgenommen. Das Ergebnis ist ein Sound, der klingt, als ob man mit der Band zusammen im Proberaum stehen würde. “Fünf” klingt einfach echt!

Klasse! Und das ohne Gesang!

Rotor – Fünf ist ein Stoner-Album, das trotz, oder vielleicht auch gerade wegen des Verzichts auf Gesang nie langweilig wird. Songs wie “Scheusal”, “Volllast” und “Herrengedeck” machen es dem Zuhörer schwer still zu sitzen. Ihre Grooves animieren zum Abgehen, Headbangen und Tanzen! Die härteren Parts stehen in einem sehr ausgewogenen Verhältnis zu der Rotor typischen, verspielten Gitarrenarbeit. Gerade in den oft ruhigeren und orientalisch angehauchten Melodien wird deutlich, wie gut die neue zweite Gitarre in die Band passt. Vor allem, da die zwei Gitarren nie exakt dasselbe spielen und sich so perfekt ergänzen.

Das Herzstück des Albums bilden für mich die Songs “Rabensol” und “Volllast”. Passender Weise sind dies die beiden mittleren Songs (4. und 5. Song von insgesamt 8 Stücken) der Platte. “Rabensol” beginnt mit einer Melodie, welche das Hauptmotiv des Songs bildet. Sie klingt, als würde die Sonne aufgehen. Erst sehr entspannt, steigert sich “Rabensol” herrlich dynamisch zu einen Song, bei dem man sich einfach bewegen muss. “Dynamisch” ist wohl die beste Beschreibung für das neue Rotor Werk. Die Band spielt durchweg mit der Mischung aus ruhigen, eher psychedelischen Melodien und harten, groovigen Riffs.

Besonders deutlich wird das bei “Volllast“, das direkt auf “Rabensol” folgt. Das Lied beginnt mit einer sehr ruhigen Gitarrenmelodie, die schlagartig durch den wohl härtesten Teil des Albums abgelöst wird. Der Wechsel in “Volllast” gleicht einer Ohrfeige aus dem Nichts. Beim ersten Hören dachte ich nur: “Wo kam das den jetzt her!?” So unerwartet und trotzdem unglaublich mitreißend. Headbangen garantiert! Das Musikvideo zu “Volllast” ist nicht nur humorvoll gemacht, sondern stellt auch genau diesen Bruch zwischen ruhigem und hartem Part fantastisch dar. Ich sage nur: Hippies gegen Motorradgangs!

Alles in allem ist Rotor – Fünf ein instrumentales Stoner-Album, das fantastisch klingt und einfach Spaß macht. Es lebt von einer herrlichen Abwechslung, die zur Folge hat, dass die harten Parts härter und die ruhigen Parts ruhiger sind. Das Album wird nie monoton, geschweige denn langweilig. Rotor spielen und klingen auf “Fünf” besser denn je! Ein Muss für jeden, der auf Stoner- oder Psychedelic-Rock steht!

Rotor – Fünf ist erschienen am 18.09.2015 bei Nois-O-Lution / Indigo

Webseite von Rotor: http://www.rotorotor.de/

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