Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist – Wo sind denn nun die Clowns?

Saltatio Mortis? War das nicht diese Jahrmarkts-Kapelle? So mit Dudelsack und so? Ja. Waren sie. Sind sie. Auch. Und doch… und doch: Sie sind viel mehr. Mit Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist setzt das Oktett den Weg fort, den sie 2013 mit der EP Wachstum Über Alles und dem Longplayer Das Schwarze IxI begonnen haben – einen Weg aus dem rein mittelalterlichen hinaus, hin zu aktuelleren Thematiken.

Und doch bleibt sich Saltatio Mortis auch treu, trotz aller Wechsel: Immer noch setzen sie ihre Musik stimmig, ansprechend um, indem sie nahtlos so außergewöhnliche Instrumente wie Sackpfeifen (für Laien wie mich: Dudelsäcke), verschiedene Flöten, Schalmeien, Drehleiern verwenden, indem sie ein Didgeridoo in eher eher folkloristische Musik integrieren – und das Ganze dann mit E-Gitarre, E-Bass und einem Schlagzeug ergänzen. Ohne, dass diese Komposition irgendwie aufgesetzt oder gezwungen wirkt. Dieser harmonische Eindruck wird sicherlich noch bestärkt durch das gefühlte Lachen, dass den Gesang von Alea dem Bescheidenen, Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein und Jean dem Tambour Méchant mitschwingt – man hört, man spürt die gute Laune, die Begeisterung der Gruppe für ihre Musik. Und diese Laune überträgt sich direkt auf den Zuhörer und reißt ihn mit – obwohl auf Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist die Texte deutlich ernster sind als auf vorgehenden Alben.

Auf Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist sind 14 Tracks enthalten mit fast einer Stunde Spielzeit, auf denen SaMo sehr deutlich Stellung beziehen. Stellung beziehen gegen viele Probleme dieser Welt, ganz banal angefangen bei fehlender Fröhlichkeit im Opener „Wo sind die Clowns?“ über herbe Kritik am Finanz- und Aktienmarkt mit „Des Bänkers neue Kleider“ bis zum balladenähnlichen „Nachts weinen die Soldaten“, das am Anfang ein wenig an Hannes Waders „Es ist an der Zeit“ erinnert – bis SaMo dem Lied mit ganz eigener Verklanglichung die eigene Richtung gibt, einen eigenen Anti-Kriegs-Song daraus macht.

Das Album kommt aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher und versucht nicht, übermäßig zu moralisieren – die Message ist verpackt in rockige Musik mit Saltatio Mortis Flair, nicht andersrum. 14 Tracks mit einer Spieldauer von fast einer Stunde Abwechslung, die sich musikalisch lohnen und dazu auch noch zum Denken anregen können – oder zum feiern, zum tanzen, zum genießen.

Das Nachfolgende Album Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist Ohne Strom und Stecker kam am 27.11.2015 heraus – und ist weit mehr, als nur ein normales „Unplugged“-Album… aber dazu ein andermal mehr.

Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist ist am 14.10.2015 bei We Love Music (Universal Music) erschienen.

Webseite von Saltatio Mortis: saltatio-mortis.com
Saltatio Mortis auf Facebook: facebook.com/saltatiomortisofficial

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