Scala & Kolacny Brothers – Solstice

Sonnenwende

Scala. Schon bei dem Namen bekomme ich Gänsehaut. Sagt Dir nichts? Du kennst Engel? Von Rammstein? Kennst Du die DVD „Völkerball“? Schau dir die Closing Credits an und lass die Musik auf Dich wirken. Das sind Scala & Kolacny Brothers. Verstehst, was ich meine? Gut. Seit 20 Jahren gibt es diesen Chor jetzt und neben „Engel“ wirst Du vielleicht auch noch „Creep“ aus dem Film „The Social Network“ kennen (ursprünglich von Radiohead). Aber abgesehen von diesen beiden Songs haben Scala & Kolacny Brothers noch eine beeindruckend lange Liste internationaler Erfolge zusammengetragen.

Solstice

Als ich las, dass mit „Solstice“ das 14. Album des Chors aus Aarschot (Belgien) erscheinen wird, musste ich zugreifen. Ich mag die Musik von Scala und genieße die einzigartige Atmosphäre sehr, die Steven und Stijn Kolacny mit einem Klavier und ihrem Chor schaffen. Zwanzig Jahre – zwanzig Songs, die jeder für sich bereits international erfolgreich waren und sind. Die Tracklist liest sich wie ein „Who is Who“ des Rock und Pop, intoniert von Klavier und Chor. Durchaus spannend, an was sich Scala da heran traut.

Allerdings: Fans bewachen „ihre“ Songs oft eifersüchtig. Schließlich ist schnell großer Schaden angerichtet, wenn irgendjemand am persönlichen Heiligtum herumstümpert. Beim Lesen der Trackliste runzelte ich besorgt die Stirn. Gut, „Boys Don’t Cry“ (The Cure) ist noch als verhältnismäßig „einfach“ nachzusingen, aber… „Sweet Dreams“? Clou… CLOUDBUSTING? Dünnes Eis, Freunde. GANZ dünnes Eis. Bei „Cloudbusting“ bin ich sehr eigen und echt pingelig. Sich da ranzutrauen… Meine Skepsis steigt schlagartig. Auch der Rest ist ganz bestimmt kein leichter Stoff und ich sehe doch von hier aus, wie Du skeptisch reagierst: „Heroes“ (David Bowie) „Survival“ (Muse), „The One I Love“ (R.E.M.), „Piggy“ (Nine Inch Nails), „In The Air Tonight“ (Phil Collins), „Black Hole Sun“ (Sound Garden) um nur einige zu nennen.

Dann wollen wir mal…

Die Hütte hab ich verrammelt. Alle notwendigen Vorräte sind bei mir eingelagert. Sofa und Boxen auf das Sorgfältigste nach Stand von Sonne, Mond und Hausmeister ausgerichtet. Kaffee dampft, Verstärker summt. Wir tasten uns ab. „Boys Don’t Cry“ ist luftig, leise und tragend interpretiert. Der Rahmen wird abgesteckt und wir machen uns warm. Zwar nicht meine Lieblingsinterpretation, aber doch, sehr respektabel. Wir lassen uns aufeinander ein und Scala & Kolacny Brothers und ich gehen zusammen auf Entdeckungsreise.

Die Pracht und Atmosphäre des Chors entfalten sich behutsam, wie eine sich öffnende Blüte. Ja, die Interpretationen sind individuell. Es sind keine 1:1 Umsetzungen. Der Chor bewahrt den Charakter der Lieder und webt drum herum ein feines, filigranes und intensives Gespinst aus Stimme und Klavier. Die Emotionalität der Songs wird völlig neu und teilweise auch komplett anders belebt. Solstice ist kein Party-Album und wer nah am Wasser gebaut ist, sei gewarnt. Etliche Passagen sind glorreich, ergreifend und überwältigend schön.

Technik, Geschmack und Qualität

Die Interpretation von „Hungry Heart“ (Bruce Springsteen) ist eine der schönsten, die ich jemals gehört habe und „The One I Love“ bekommt in der Chorfassung eine ungeahnte Größe. Ich könnte zu jedem Song ins Detail gehen, was mich besonders beeindruckt und packt, was mir hier mehr zusagt, was ich mir dort vielleicht anders wünsche. Aber auch nach dem zehnten oder zwölften Durchlauf des Albums kann ich beim besten Willen nichts Negatives über das Album sagen.

Ja, gut, Geschmack und so. Klar, nicht jede Interpretation jedes Songs ist punktgenau mein Geschmack. Aber die Interpretationen und die Umsetzung sind in jeder Hinsicht rundherum klasse, musikalisch wie technisch. Vielleicht ist der Mädchenchor manchen zu sanft oder zu weich, aber Scala ist halt ein klassischer Mädchenchor und kein Blues-Gospel-Rock-Chor. Trotzdem ist Scala & Kolacny Brothers – Solstice ein herausragendes Album zeitgenössischer Musik in klassischer Interpretation.

Die Lieder, derer sich der Chor annimmt zeichnen musikalische Zeitgeschichte nach. Jeder kennt mindestens einen Song dieses Albums im Original und wird von der Interpretation mit ziemlicher Sicherheit überrascht sein. Scala & Kolacny Brothers – Solstice ist ein wunderschönes Album, um sich vielleicht mal vorsichtig an klassische Musik heranzutasten oder um sich von Stimmen bezaubern zu lassen. Egal was Du Dir von dem Album erhoffst oder versprichst, in jedem Fall empfehle ich zu dem Album Zeit, Ruhe, einen erlesenen Drink.

Und eine ordentliche Anlage mit richtigen Boxen.

Scala & Kolacny Brothers – Solstice erscheint am 24.06.2016 bei Rhino Entertainment / Warner

Offizielle Webseite von Scala & Kolacny Brothers

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Selffulfilling Prophecy

Aktuelle Tourdaten Scala & Kolacny Brothers 2016

BE Sat 02.07.2016 Vorselaar Na Fir Bolg Festival
BE Sun 07.08.2016 Lokeren Fonnefeesten
BE Sun 28.08.2016 Lovendegem Boombalfestival
BE Sat 17.09.2016 Diest CC Den Amer
DE Sat 24.09.2016 Dresden Alter Schlachthof
BE Fri 28.10.2016 Oostende Kursaal Oostende
BE Sat 29.10.2016 Overijse GC Den Blank
BE Thu 10.11.2016 Brugge Concertgebouw
DE Sat 12.11.2016 Erfurt Alte Oper
BE Sun 13.11.2016 Brasschaat CC Ruiterhal
DE Tue 15.11.2016 Taufkirchen Kulturzentrum Ritter-Hilprand-Hof
DE Wed 16.11.2016 Cottbus Stadthalle
DE Thu 17.11.2016 Hamburg Markthalle
DE Fri 18.11.2016 Rostock moya Kulturbühne
BE Tue 22.11.2016 Leuven Schouwburg
DE Sat 26.11.2016 Berlin Kesselhaus
BE Fri 16.12.2016 Anderlecht Auditorium Jacques Brel
BE Thu 22.12.2016 Hasselt Heilig Kruis Kerk
BE Fri 23.12.2016 Hasselt Heilig Kruis Kerk
BE Sat 11.03.2017 Waregem Zaal Waregem Expo

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