Shaman’s Harvest – Red Hands Black Deeds

Back to the roots

Shaman’s Harvest aus Jefferson City, Missouri haben sich in ihren letzten fünf Alben eher dem Hard Rock mit Einflüssen aus dem Post Grunge und Alternative Metal verschrieben. Der Sound war durchaus sehr amerikanisch und durchaus vergleichbar mit Alter Bridge, Rev Theory, The Veer Union und Ähnlichen. Mit ihrem sechsten Album Red Hands Black Deeds schlägt die Band andere Töne an.

Red Hands Black Deeds orientiert sich am Mississippi Delta Blues und klingt schon deshalb anders. Aber Shaman’s Harvest gehen noch weiter. Für die Aufnahmen zu diesem Album verzichtete die Band um Frontmann Nathan Hunt komplett auf alles Digitale. Dafür geht die Band auch ungewöhnliche Wege. Für die Aufnahme des Outros von Scavenger wurden zum Beispiel Muscheln analoger Telefone verwendet.

Analog bedeutet nicht Retro

Für die analoge Umsetzung zeichnet sich Keith Armstrong verantwortlich, der auch schon Halestorm, Black Stone Cherry, Deftones, My Chemical Romance, Bruce Springsteen, Shinedown und Bob Seger zu deren markanten Analog-Sound verholfen hat. Für Bassist Matt Fisher ist es insbesondere Keith zu verdanken, dass Shaman’s Harvest neue Wege ging.

Red Hands Black Dees – Analog und Groovy

Die Musik klingt anders, fühlt sich anders an und atmet eine andere Luft. Red Hands Black Deeds von Shaman’s Harvest ist ein atmosphärisches und emotionales Album. Ungewöhnlich fragil klingen manche Songs der Band. Andere haben ein sehr unmittelbares Road-Trip-Feeling. Das Album ist auf seine Art ein Konzeptalbum, obwohl das von der Band so eigentlich nicht geplant war. Es ergab sich einfach so während der Aufnahmen.

Trotzdem ist dieses Album sehr maskulin. Die Musik ist ehrlich, wirft Schlaglichter auf die verwundbaren und die animalischen Aspekte. Dieser Kontrast bereichert das Album. Ob Shaman’s Harvest bei dieser Richtung bleiben werden, steht nicht fest. Etwas mehr Druck finde ich schon klasse. Die Band zeigt ja auch in etlichen Songs auf Red Hands Black Deeds wo sie zu Hause ist. Aber hier zwingt sie sich zum Umdenken, zum anders Denken.

Herausgekommen ist ein bemerkenswertes Album. Die Stimmung hat einen Hang zum düsteren. Manche Songs sind ungewohnt bluesig, andere erinnern schon eher an die vorangegangenen Alben. Doch der Unterschied ist deutlich. Gerade wegen seiner stilistischen Einzigartigkeit für Shaman’s Harvest präsentiert es die Band in einem neuen Licht und hebt sie auf ein neues Level.

Die Musik ist mal nachdenklich, mal rockt es brachial drauf los. Immer wieder ist zu spüren, wie die Band an sich und ihren Grenzen arbeitet. Aus dieser Unsicherheit vor dem Neuen entsteht aber auch das Selbstbewusstsein loszulassen und sich von der Musik tragen zu lassen. Vielleicht führte das am Ende auch dazu, dass Red Hands Black Deeds zu einem Schmelztiegel von Emotionen und Stilrichtungen wurde.

Für mich ist dieses Album eine großartige Überraschung. Die Herangehensweise an die eigenen Ideen, die musikalische Umsetzung und das innere Konzept passen hervorragend zusammen. Die analoge Technik verwendet Shaman’s Harvest nicht um „so zu tun als ob“. Stattdessen unterstützt sie die band dabei, umzudenken, sich selbst und ihre Musik neu zu denken. Das Resultat ist bemerkenswert ehrlich, klingt richtig gut und ist für mich ein Album, das extrem gut zu der Band passt.

Shaman’s Harvest – Red Hands Black Deeds erscheint am 28.07.2017 bei Mascot Label Group / Rough Trade

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Shaman’s Harvest – Red Hands Black Deeds (Album Trailer) 2017

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