Shotgun Valium – The Story Of Frank Tranquill

Ey Alter, haste mal ‘ne Mark?

Ein Leben, das von Höhepunkt zu Höhepunkt strahlt, in dem alles astrein glatt läuft. Reichtum, Wohlstand, Glück, Gesundheit. Kurz: ein sorgenfreies Leben. All das ist The Story of Frank Tranquill nicht. Shotgun Valium aus Erfurt erzählen in herrlich passenden Oldschool-Rock verpackt eine Lebensgeschichte, die eher das genaue Gegenteil dieses Ideals ist. Beziehungsunfähig, versoffen, mal Dealer, mal Konsument. Paranoid, gescheitert, frustriert.

Trotzdem ist Frank Tranquill irgendwie sympathisch und irgendwie auch jedem von uns nicht unbekannt. Okay, vielleicht nicht in exakt dieser exzessiven Kombination. Doch in den Episoden aus seinem Leben finden sich immer wieder Passagen, die doch irgendwie aus der eigenen Vergangenheit bekannt sind. Egal ob es nun die Angst vor der ungewissen Zukunft ist oder der Schmerz, der von einer gescheiterten Beziehung bleibt.

Frank Tranquill ist vielleicht das abschreckende oder Mitleid erweckende Gegenbeispiel. Diese Figur ist eher der Inbegriff eines gescheiterten Lebens und doch ist er kein Arsch. Das Leben passiert. Dinge passieren. Und manchmal läuft es eben schief. Die Faszination, die von solchen Menschen ausgeht, liegt nicht immer in der Sensationsgeilheit der Umwelt begründet. Im Gegenteil. Es sind ja gerade die Menschen mit schrägen, gebrochenen Lebensläufen, die Dir echt was über das Leben erzählen können. Wen interessiert schon, mit wem Du neulich Hummerschwänze gelutscht hast?

Shotgun Valium

Denny (Vocals, Gitarre), Paul (Schlagzeug) und Stan (Bass, Vocals) erzählen diese Geschichte in Episoden. Sie machen das herrlich rotzig oldschool. Es passt zur Geschichte. Gerade wegen der mal schlorzigen, mal knüppelharten Rüpelrockmucke ist das Album so authentisch. Es ist quasi wie der Musik gewordene Dude, nur in völlig verkackt. Ja, das Album ist volles Brett Retro-Rock. Die Songs leben und atmen das volle Programm 70er. Tief gestimmt und schon etwas schleppend rockt sich die Band von einem Drama ins Nächste.

Das machen die Jungs aber überzeugend und mit ganz viel Herzblut. Es ist kaum möglich, sich dem Drive der Songs zu entziehen. Mal schwingt die Band die dicke Heavy-Rock-Kelle, mal schiebt sie ganz schwer den Blues(Rock). Shotgun Valium – The Story Of Frank Tranquill ist ein großartiges Album für jenen abgehangenen Grillabend mit Freunden, an dem man etwas mehr oder weniger verpeilt über das Leben philosophiert und trotzdem geilen Rock haben will. Es ist schon ein wenig ein Album für Liebhaber, aber es ist großartig gemacht, denn da ist was für jeden drin.

Gerade The Last Ride hat es mir fürchterlich angetan. Der Song ist vielleicht nicht der beste des Albums, aber aus ihm ziehe ich für mich ganz viel. Da stecken für ganz viele Erinnerungen drin. Modern? Nein. Wer modernen Rock sucht, wird mit Shotgun Valium – The Story Of Frank Tranquill nicht glücklich. Es ist auch kein “schöner” Rock im Sinne einer glitzernden Ästhetik. Das Album stinkt nach Rauch, nach Suff, nach zwei Wochen alten Socken und Männerschweiß. Aber weißte was? Irgendwie isses geil.

Is’ noch ‘n Pils da?

Shotgun Valium – The Story Of Frank Tranquill ist erschienen am 28.04.2017 bei Daredevil Records

Offizielle Webseite der Band

Shotgun Valium auf Facebook

Shotgun Valium – Broken (Official Music Video)

KEINE KOMMENTARE