Sing meinen Song – Das Tauschkonzert Vol 4

Grenzgang der etwas anderen Art

Was ist eine Herausforderung? Eine echte Herausforderung bringt Dich an Deine Grenzen, konfrontiert Dich mit etwas jenseits Deiner Comfort-Zone. Die Frage ist, ob Du diese Herausforderung bewältigst. Mir wurde eine Herausforderung der ganz besonderen Art zuteil: Das Doppelalbum Sing meinen Song – Das Tauschkonzert Vol 4. Deutsche Popmusik vom Allerfeinsten. Warum das für mich eine Herausforderung ist? Diese Musik ist ganz weit jenseits dessen, was ich sonst bearbeite und es ist ganz weit weg von dem, was ich mir ohne äußeren Anreiz freiwillig anhören würde.

Worum geht es bei Sing meinen Song – Das Tauschkonzert?

Das Konzept von Sing meinen Song – Das Tauschkonzert ist ganz einfach: Nimm einen erfolgreichen Musiker oder eine erfolgreiche Musikerin und lass andere erfolgreiche Musiker in deren Songkatalog wildern. Jeder wählt einen Song und interpretiert den. Das ganze wird in einem zeitlich begrenzten Rahmen gestellt und die Präsentation wird privatsenderdauerkonsumentenfreundlich zusammengeschnitten und ausgestrahlt. Irgendwie schon so ähnlich wie die Doku zum Album Sonic Highways, nur mit viel, leider sehr viel weniger Doku-Charakter, dafür aber mit mehr Weichspüler.

Silbermond

Silbermond Bandfoto PolyprismaIch habe mir tatsächlich die ganze Sendung zu diesem Album angesehen. Im Mittelpunkt stand Stefanie Kloß von Silbermond. Sie stellte ihre Songs zur Verfügung. Silbermond ist eine der bekanntesten deutschen Pop-Rock Bands mit einem beeindruckenden Katalog international erfolgreicher Alben und Songs. Wahrscheinlich kennt jeder Symphonie oder Das Beste oder Himmel auf. Die Band entstand 1998 unter dem Namen JAST aus einem Jugendprojekt und war in der Anfangszeit eher eine englischsprachige Coverband. Schon in dieser Zeit waren die Musiker bemerkenswert erfolgreich. Erst 2001 wandte sich die Band der deutschen Sprache zu und nannte sich 2002 schließlich Silbermond.

Das Debütalbum Verschwende deine Zeit erschien 2004. Silbermond stieg daraufhin zu einer der kommerziell erfolgreichsten deutschen Bands auf. Auch die folgenden Alben Laut gedacht (2006), Nichts passiert (2009), Himmel auf (2009) und Leichtes Gepäck (2015) und auch das Best of Alles auf Anfang (2014) schafften Top 5 Platzierungen in den deutschen Albumcharts. Abseits von Silbermond traten Stefanie Kloß und ihre Bandkollegen auch immer wieder mit anderen Künstlern auf, darunter Tom Lüneburger, Moses Pelham, Thomas Stolle, Curse, Udo Lindenberg, In Extremo und andere mehr.

Die Sendung und die Musik

Sing Meinen Song Das Tauschkonzert VOX SzeneDas Album Sing meinen Song – Das Tauschkonzert muss im Zusammenhang mit der gleichnamigen Sendung verstanden werden. In dieser Sendung, die am 30.05.2017 ausgestrahlt wurde, stand Stefanie Kloß stellvertretend für die ganze Band. Mit dabei waren Gentleman, The BossHoss, Lena Meyer-Landrut, Moses Pelham, Mark Forster und Michael Patrick Kelly, die alle jeweils einen Song in ihrer Interpretation vorstellten.

Bevor jeder der Künstler seine Interpretation vorstellte, wurde ein wenig – für mich zu wenig – über Silbermond und die Geschichte des Songs und seinen Hintergrund gesprochen. Dabei wurden durchaus bemerkenswerte Themen angeschnitten, wie zum Beispiel die Beeinflussung der Band durch das Label oder auch die Motivation, die hinter etlichen Songs steht. Hier wurde leider viel zu sehr auf Befindlichkeiten geachtet und vor allem wohl auch auf Vermarktbarkeit. Aus dem eigentlich interessanten Teil der Sendung, nämlich aus dem Insidergespräch unter erfolgreichen Musikern, hätte jeder etwas lernen können. Allerdings wurde gerade dieser Teil auf ein schmerzhaft belangloses, die Gespräche beinahe überflüssig machendes Maß zusammengeschnitten, wodurch die Sendung ins Banale, um nicht zu sagen ins reine Vermarkten der Musik entglitt und so sehr weit hinter vergleichbaren Formaten und seinen eigenen Möglichkeiten zurückbleibt.

Die Präsentation übernahmen The BossHoss. Vorgestellt wurden in der Sendung: Stefanie Kloß und Silbermond – Leichtes Gepäck, Lena Meyer-Landrut – Durch die Nacht, Gentleman – Heut hab ich Zeit, Moses Pelham & Cassandra Steen – Symphonie, The BossHoss – Weiße Fahnen, Michael Patrick Kelly – Krieger des Lichts und Mark Forster – Irgendwas bleibt. Bemerkenswert war, dass Lena den ersten Ansatz zu Durch die Nacht vollkommen vergeigte. Sie musste abbrechen und neu anfangen, was selbstverständlich schöngeredet wurde, weil der Druck ja so groß sei und so weiter und so fort. Klar. Aufzeichnung. Ohne Publikum. Nur Kollegen.

Die übrigen Interpretationen waren – und das hat mich wirklich überrascht – gut. Mit „gut“ meine ich jetzt nicht „gut gemacht“, sondern tatsächlich rundherum gut. Jede der Präsentationen hat gezeigt, warum diese Künstler so erfolgreich sind und wo am Ende die Linie zwischen „ambitioniert“ und „professionell“ verläuft. Trotz der eben schon erwähnten Mankos des Sendeformats gab es gerade hier für aufmerksame Zuschauer und Zuhörer eine ganze Menge Aha-Erlebnisse.

Das Album Sing meinen Song – Das Tauschkonzert Vol 4

Sing Meinen Song Das Tauschkonzert Moses Pelham Album CoverZu jeder 360-Grad-Vermarktung gehört eben auch das passende Album. Besonders bei diesem Sendungsformat zwingt sich das geradezu auf. Ich wurde mit der 2CD Deluxe Edition beglückt. Auf zwei CDs werden dreiundvierzig Songs aus der gesamten Staffel präsentiert. Die Songs sind alle hervorragend produziert und zeigen eindrucksvoll, was in Sachen Pop machbar ist. Natürlich sind die Songs alle dem Genre entsprechend genau das: Pop. Mit allen Vor- und Nachteilen. Trotzdem wird bei jedem Song die individuelle Eigenart der Künstler gerade durch das Nebeneinanderstellen der Songs unterstrichen. Das musikalische Niveau ist schon sehr weit vorne, handwerklich wie technisch.

Jeder Song ist zwar für sich gesehen makellos, aber nicht frei von Ecken und Kanten. Die Interpretationen geben den Songs von Silbermond teilweise herausragende neue Wendungen. Die individuellen Herangehensweisen hauchen allen teils doch schon etwas älteren Liedern neues und vor allem zeitgemäßes Leben ein. Die künstlerische Darstellung ist auf seine Art einzigartig und imposant umgesetzt. Dabei zeigt sich eben auch, dass die präsentierten Künstler mehr können, als „ihr Ding“ zu machen. Alleine deshalb war dieses Album für mich bemerkenswert.

Was taugts?

Einige Songs sind bemerkenswert rockig und gar nicht das, was ich erwartet habe. Manche Interpretation hat mich sogar sehr positiv überrascht (Insbesondere Gentleman!) Andere wiederum erfüllen jede meiner Erwartungen an das Album perfekt. Stilistisch bewegen sich die Songs zwischen Pop, Soul, (sanftem) Rap und Rock. Die Mischung ist gelungen, entspannt und macht weder zu viel Schub, noch schläfert es ein. Über alles gesehen lohnt sich dieses Album für jeden Liebhaber von Interpretationen gegenwärtiger Popmusik und -Muiker(-innen), weil es ein Querschnitt durch das ist, was die Spitze deutschsprachiger Pop-Musik zurzeit auszeichnet.

Sing meinen Song – Das Tauschkonzert Vol 4 erscheint am 09.06.2017 bei Embassy Of Sound & Media Gmbh / Tonpool

Offizielle Webseite zur Sendung (VOX)

Seite der Sendung auf Facebook

Sing meinen Song – Das Tauschkonzert – Die neue Staffel ab 23.05.2017 bei VOX und online bei TVNOW

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