[:SITD:] – Trauma: Ritual – in postfaktischen Zeiten?

Warten auf…

Eine der Veröffentlichungen in diesem Frühjahr, auf die ich mich persönlich gefreut habe, war [:SITD:] – Trauma: Ritual, die Ende März ’17 erschienen ist. Und da liegt sie hier und läuft und liegt und läuft, und ich habe zu knabbern. Um vorschnelle Sorgen zu vermeiden: Nicht, weil mir das Album nicht gefällt. Nein, das ist es absolut nicht.

Schon 1996, also vor mehr als zwanzig Jahren, wurde die Band Shadows in the Dark gegründet – die man eigentlich nur als SITD oder eben [:SITD:] kennt. Da fühl’ ich mich doch direkt wieder alt… Anders als andere Bands hauen sie auch nicht alle 10 bis 12 Monate eine Veröffentlichung heraus – bislang acht Longplayer, wovon die ersten auch noch in geringer Auflage in Eigenproduktion entstanden. Das letzte Album Dunkelziffer liegt auch schon drei Jahre zurück. Das deutet es schon an: SITD – Trauma: Ritual ist nicht „mal eben so“ oder „auf die Schnelle“ zusammengeschustert. Da werden Carsten Jacek, Thomas Lesczenski und Frank D’Angelo einiges an Herzblut und Hirnschmalz hineingesteckt haben.

Es werde Sound! Es werde Trauma: Ritual!

Musikalisch werden [:SITD:] zwischen Future Pop und Aggrotech eingestuft, und das Trio selbst beschreibt seine Musik als „treibende Beats, apokalyptische Electro-Hymnen und energiegeladene Liveshows“. Und diese Erwartung erfüllt SITD – Trauma: Ritual. Das Album beginnt ruhig, ruhiger, als ich erwartet hätte, mit Pulsschlag. Doch keine Angst, SITD haben keine Massenware produziert. Das wundervoll düstere, endzeitliche Genesis, spätestens spätestens aber  Brother Death drückt mich mit Bass sehr abwechslungsreich tief in meinen Sessel und beseitigen jeden Zweifel. Tanzbar ist das Album, durchgehend, und mit Tracklängen ab viereinhalb Minuten eindeutig nicht auf Mainstream-Radio ausgelegt. Thematisch behandelt das Trio unsere Zeit – postfaktische Zeiten (Post-Factual Age als naheliegendes Beispiel), Fanatismus, Überwachung, aber ohne, dass einem der mahnende Zeigefinger beständig vor der Nase wedelt. Der treibende Beat schiebt Dich durch die Songs, es dauert seine Zeit, bis die Message der Lyrics Dich erwischt – und dann gleich mit voller Breitseite.

Und sonst so?

Das erste Mal haben die Drei aus dem Ruhrgebiet mit Dennis Schober, dem Sänger von Solitary Experiments, einen Gastmusiker auf einer ihrer Veröffentlichungen dabei. Anfang April ist Trauma: Ritual für Analog-Fanatiker auch auf Vinyl zu bekommen. Auf der zweiten Scheibe der CD-Ausgabe von Trauma: Ritual sind auf einer halben Stunde noch einmal sechs spezielle Versionen und Remixes mitgeliefert. Intent:Outtake, Short And Cruch und Aesthetic Perfection drücken den Tracks Mundlos und Brother Death noch einmal den ganz eigenen Stempel auf. Alles in allem ist das Album tanzbar, abwechslungsreich, düster – dringend empfehlenswert!

SITD – Trauma: Ritual ist am 24.03.2017 bei Scanner / Dark Dimensions erschienen. Die Vinyl-Ausgabe ist am 7.04.2017 erschienen.

Webseite [:SITD:] (Facebook)

[:SITD:] – “Trauma: Ritual“ Tour 2017

07.04.2017 Bremen, Tivoli, Special Guest: ES23
08.04.2017 Moskau (RU), Teatr Club, mit Assemblage 23
14.04.2017 Amstelveen (NL), P60, mit Rotersand, Future Lied To Us
21.04.2017 Hamburg, Logo,  Special Guest: ES23
22.04.2017 Berlin, Nuke Club,  Special Guest: Painbastard
29.04.2017 Dresden, Bunker Strasse E, Special Guests: Absurd Minds, Painbastard

[:SITD:] – Genesis

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