Sommer, Sonne, Bier – Drei Meter Feldweg haben `ne Idee

Mein Gesicht war bestimmt malerisch, als ich gefragt wurde, ob ich nicht eine Rezension zu 3m Feldweg schreiben wolle: „Wuss?“ – hat aber zum Glück niemand gesehen. Und das Rätsel erklärte sich dann auch schnell, als ich lernte, dass „Drei Meter Feldweg“ eine Band aus dem beschaulichen Salzhausen in der Lüneburger Heide ist. Sich 2011 gegründet hat. Und – wie bei so einer Herkunft ja eigentlich gar nicht anders zu erwarten – irgendetwas zwischen Alternative, Punkrock und Pop-Punk spielt.

Ich bin wieder glücklich und sage die Fortbildung als Landschafts- und Straßenvermesser wieder ab. Uff, Glück gehabt. Statt dessen schiebe ich die neuste EP der Feldwege in meinen Player, höre mal rein. BÄM. Schlagzeug, deutscher Gesang, immer wieder Passagen zum mitgröhlen. Nennt mich skeptisch, aber „Alternative“ habe ich direkt wieder aus meiner eigenen Kategorienliste gestrichen. Zu sauber, viel zu sauber gespielt für reinen Punk, aber ja, Pop-Punk oder eben auch Punkrock passen. Das ganze – Stimme, Musik, auch die Texte – erinnern mich an „die Großen“ der Szene, an die Hosen, die Ärzte. Vor allem an die älteren Scheiben. Und das, ohne abgekupfert zu wirken.

Auf der letzten Veröffentlichung des Quintetts, der EP Sommer, Sonne, Bier, sind vier Lieder enthalten. Bei so einem Titel würde man jetzt Gesänge über Saufgelage erwarten – ich hab’s, ich gebe es zu – aber das stimmt nur zum Teil. Ja, „Urlaub vom Urlaub“ und natürlich „Sommer, Sonne Bier“ sind tatsächlich Party-Lieder und ja, es geht auch um Alkohol und Urlaub und – wer hätte das gedacht – um Sonne, aber schon in „Sehnsucht“ ist es mit dem schönen Leben vorbei – und in geradezu munteren Klängen wird der Niedergang ins bürgerliche Leben besungen. Aber hey – Drei Meter Feldweg erklären natürlich auch den Ausweg:

Drei Meter Feldweg - LogoFühlst dich scheiße und zu dumm,
Rennst nur noch im Anzug rum.
Wach endlich auf und komm zu dir,
Deine Freunde, sie sind hier!

Im letzten Song des Albums wird es dann ernst – die Geschichte einer Liebe. Und – na klar, wir sind ja bei Liedtexten – dem Ende einer Liebe. Wieder beschwingt untermalt von punkigen Rhythmen. Und mein persönlicher Favorit dieser Veröffentlichung.

Die CD „Randale in der Badewanne“

Auch in die Scheibe vor dieser EP habe ich reingehört, in die 13-Track CD „Randale in der Badewanne“ aus dem Jahr 2013. Und das erste, was mir aufgefallen ist: Es ist ein gewaltiger Unterschied in dem einen Jahr zwischen den Veröffentlichungen zu beobachten, bzw zu hören. Es gibt einen satten Zuwachs an Aufnahme- und Klangqualität zwischen der „Randale“ und Sommer, Sonne, Bier – Drei Meter Feldweg haben ganz offensichtlich in diesem einen Jahr viel an Erfahrung hinzugewonnen, auch auf dem Weg zu einem eigenen Stil.  Auf der CD erinnern sie noch mehr an (insbesondere) die Ärzte. Damit will ich nicht sagen, dass die CD Ramsch oder so sei – die ist gut. Und bringt Stimmung und Flair rüber, und genau wie die neuere EP ist auch die „Randale“ abwechslungsreich und verbreitet Laune. Aber man merkt eben auch eine deutliche Steigerung in der Produktionsqualität – und das lässt auf die nächsten Veröffentlichungen hoffen. Und ja, es legt die Messlatte hoch.

Drei Meter Feldweg

Die Band, aus deren Händen Sommer, Sonne, Bier kommt, besteht aus Bennet (Gesang), Hendrik (Gitarre, Gesang), Finn (Gitarre), Philip (Schlagzeug), seit 2014 Simon (Bass) und Refrain Feldweg, dem Maskottchen der Band. Sie waren dieses Jahr auf ihrer „Dumm aber Schlau“-Tour unterwegs und live zu erleben, drei Termine stehen dabei noch aus:

 19.09.2015: Hamburg, Der Clochard
 26.09.2015: Düsseldorf, Tube Club
 07.11.2015: Emden, No 5

Die CD Randale in der Badewanne und die EP Sommer, Sonne, Bier – Drei Meter Feldweg sind  2013 bzw 2014 bei der „Drei Meter Feldweg GbR“ erschienen.

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