Spock’s Beard – The Oblivion Particle

Um die Band Spock’s Beard schleiche ich schon seit einigen Jahren herum wie die Katze um den heißen Brei. So recht habe ich mich da nie heran getraut. Das lag – so seltsam das auch klingen mag – am Namen der Band. Genau erklären kann ich das nicht mal. Einer bekannten verdanke ich, dass ich der Band nicht mehr ausweichen kann: Sie legte mir The Oblivion Particle auf den Tisch. Ich hätte dieses Album gefälligst zu hören, sagte sie. Sonst wären wir geschiedene Leute. Bei der Wahl zwischen zanken mit Birgit und der Auseinandersetzung mit neuer Musik nehme ich jederzeit die neue Musik.

Im Nachhinein kann ich meine Zurückhaltung nicht nur nicht erklären, ich kann sie auch nicht verstehen. Klar, leichte Kost ist das nicht, was mir Spock’s Beard da spielen. Progressive Rock, ja, aber die Variante, bei der ich immer an Genesis von früher denke, an Steve Hackett und Peter Gabriel. Die Musik ist nah bei Bands wie Marillion (mit Fish), Yes, ELP, Galahad, Transatlantic und vielen anderen. Das ist Musik, die den Kopf fordert, weil sie aus sich selbst heraus Geschichten erzählt, inspiriert und auch anstrengt. Intellektuell-emotionale Musik, stark Retro, auf jeden Fall, aber richtig klasse.

Spock’s Beard – Oblivion Particle ist erfrischend, weil zwar anspruchsvoll, aber nicht erdrückend. Die Musik hat eine enorme Spannweite und Tiefgang, erdrückt den Zuhörer aber nicht. Die Songs sind angenehm leicht, weil die Musiker wissen, was sie tun. Die Musik wirkt zumindest nicht so, als ginge es um irgendeinen Schwanzvergleich oder irgendwelche Drama-Queen-Auftritte, sondern eher um die Musik als solche. Das nimmt den Stücken das sich stets androhende Pathetische, den drohenden Muff der Jahrhunderte.

Spock’s Beard – Oblivion Particle ist nichts für Leute, die schweren, stampfenden Rock suchen oder die „normale“ Partymusik. Dieses Album ist eher für Leute gedacht, denen es beim Hören von Musik um mehr geht, als das belanglose Gedudel zwischen Werbeblock und Verkehrsfunk. Insofern macht Spock’s Beard zwar Rock, aber doch Nischenmusik, Spartenmusik, denn das, was die Band macht, ist auf ziemlich hohem Niveau und wird manchen einfach überfordern. Wer offen ist für diese Art von Musik, der wird eine Menge Spaß mit dem Album haben.

Spock’s Beard – The Oblivion Particle erscheint am 21.08.2015 bei Insideout Music

Webseite der Band: http://www.spocksbeard.com

KEINE KOMMENTARE